kein Datum

[Zusatz zur Auslegung des ersten Satzes der Barmer ­Theologischen Erklärung in KD II/1, S. 194–200]

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II. Die kleineren Fragmente
[Zusatz zur Auslegung des ersten Satzes der Barmer ­Theologischen Erklärung
in KD II/1, S. 194–200]

Wie schon das vorangehende gehörte auch dieses Fragment1 ursprünglich zu KD II/1 📖, § 26: «Die Erkennbarkeit Gottes», und zwar zur «kurzen geschichtlichen Kommentierung des ersten Satzes der Theologischen Erklärung der Barmer Synode vom 31. Mai 1934», die dort den zweiten Abschnitt («Die Bereitschaft des Menschen»2) beschließt.3

Noch vor der eigenen Überarbeitung für den Druck hatte Barth den im Dezember 1937 im Kolleg vorgetragenen Text dieser Kommentierung4 für Vervielfältigungen zur Verfügung gestellt, die – ohne Nennung des Verfassers – innerhalb der Bekennenden Kirche in Deutschland verbreitet wurden.5 Diese Vervielfältigungen präsentieren – bei kleinen Abweichungen voneinander6 – allesamt den ursprünglichen Text ohne jede Verbesserung von Barths Hand und wurden bereits 1984 von Martin Rohkrämer ediert.7

565Das Vorliegen dieser Vervielfältigungen erlaubt es einerseits, die auch hier fehlenden Anfangs- und Schlusssätze nach ihnen zu ergänzen, und andererseits ermöglicht es damit die exakte Bestimmung des Ortes, an dem das Fragment in dem dann in die KD übernommenen Text ursprünglich platziert war: KD II/1, S. 198 📖, zu Beginn des zweiten Absatzes.

Der hier edierte Text folgt – wie auch sonst in diesem Band – dem Typoskript mit allen Verbesserungen durch Barths Hand. Abweichungen vom Abdruck bei Rohkrämer werden insoweit nicht ausgewiesen, als sie allein darauf beruhen, dass dort der Text auch des Fragments in seiner ursprünglichen, auf der CD-ROM noch erkennbaren Gestalt ediert wurde. Die ergänzten Anfangs- und Schlusssätze sind durch eckige Klammern kenntlich gemacht.

[Zusatz zur Auslegung des ersten Satzes der Barmer ­Theologischen Erklärung
in KD II/1, S. 194–200]

[Warum kam es in jener langen Reihe ähnlicher Erfahrungen der Kirche gerade diesmal, gerade in Deutschland, zu diesem Widerspruch? Warum nicht schon früher, warum nicht z. B. am Ende des 18. Jahrhunderts, wo die der Kirche gemachte Zumutung äußerlich gewiss nicht viel weniger toll war als die der Gegenwart?8 Warum nicht anderswo, in irgend einer Kirche, die die Zeit und Muße hatte, sich in aller Ruhe die theologiegeschichtliche Situation einmal grundsätzlich klar zu machen und dann in aller Ruhe eine so weittragende Entscheidung zu vollziehen? Warum gerade jetzt, gerade in Deutschland, wo das Grundsätzliche mit dem Konkreten, der] 349 Protest gegen eine alte und allgemeine mit dem gegen die gegenwärtige deutsche Irrlehre, wo der Kirchenkampf mit dem politischen Widerstand gegen die hereinbrechende Tyrannei und Anarchie in so unübersichtlicher und überdies in so lebensgefährlicher |566 Weise verbunden sein musste?9 Es wäre uneinsichtig, die Wirkungen mit den Ursachen zu verwechseln und dieses Rätsel damit erklären zu wollen, dass die Schuld oder das Verdienst an dieser Sache die einer 10-bestimmten theologischen-10 Richtung gewesen wären, die sich in jenen Jahren und dann im Besonderen in Barmen11 durchzusetzen gewusst habe. Es heißt der Theologie zu viel Ehre antun, wenn man meint, dass eine Wendung wie die, die in dem ersten Satz von Barmen12 schließlich doch nur ihren Exponenten gefunden hat, an irgend einem Schreibtisch ausgedacht und dann ganzen Kirchenkörpern sozusagen suggeriert werden könnte. Und es wäre noch uneinsichtiger, den (in Deutschland sehr bescheiden vertretenen) Calvinismus für eine Sache haftbar |567 zu machen, in der man notorisch der calvinistischen wie der lutherischen Tradition gegenüber gerade einen neuen Weg zu gehen sich veranlasst sah. |

Will man die Genesis von Barmen verstehen, so tut man gut, zunächst überhaupt nicht auf die bekennende Kirche zu sehen. Die theologischen Voraussetzungen, unter denen diese im Lauf des Winters 1933/34 entstanden ist und unter denen sie noch in Barmen beraten und beschlossen hat, waren notorisch so verworren und widerspruchsvoll wie nur möglich. Sie waren damals denen der Deutschen Christen vielfach zum Verwechseln ähnlich.13 Kam sie im Mai 1934 trotzdem zu dieser Stellungnahme und musste und konnte sie in den folgenden Jahren gegenüber einem umfassend gegen sie geführten Feldzug bei dieser Stellungnahme verharren, so ist die Ursache dieses Geschehens menschlich gesehen zunächst einfach diese: dass die Gestalt des Gegners, nämlich der natürlichen Theologie, mit der sie es zu tun hatte, eine ganz andere war als die, mit der es die Kirche bisher zu tun gehabt hatte. Es war schlicht gesagt der Totalitarismus der neudeutschen Politik und Weltanschauung, der die Kirche, ohne dass sie es zunächst wusste und wollte, zu 350 jener Reinigung nötigte. Die Mächte, die der Kirche bis dahin als Träger des Anspruchs der natürlichen Theologie entgegengetreten waren, waren Geistesmächte gewesen, die das freilich auch ihnen eigene Streben nach dem Monopol vorsichtig zu verhüllen wussten und jedenfalls nur auf dem Weg des Sieges des freien Gedankens durchzusetzen versuchten. Die Kirche konnte ihnen Raum geben in der Meinung, sich ihnen damit nicht auszuliefern, sich ihnen gegenüber ebenfalls in Freiheit vorzubehalten. Das wurde jetzt anders. Die Macht, mit der sie es 1933 zu tun bekam, verfügte zwar auch über ein «Gedankengut»; es war aber, und gerade das bildete merkwürdigerweise seine Stärke, ein Gedankengut von geradezu troglodytischer Ungeistigkeit. Es bestand das Ei des Kolumbus14, durch dessen Entdeckung diese Macht zur Macht wurde, sehr schlicht in der von all ihren Vorgängern versäumten Erkenntnis, dass man sofort und grundsätzlich nicht nur etwas, sondern das Ganze und also Alles und Jedes wollen müsse, dass man mit den Mitteln des über das öffentliche und private Leben der Nation verhängten Belagerungszustandes tatsächlich Alles und Jedes erreichen könne und dass man nur unsentimental genug sein müsse, sich ihrer zu bedienen, um tatsächlich Alles und Jedes zu erreichen. Nicht der neue deutsche Mythus15 war das eigentlich Neue der Situation von 1933, sondern dies: dass er der Kirche auf dem Wege der Diktatur und des Belagerungszustandes als ihr künftiger alleiniger Herr zugemutet wurde. |

568Die Kirche hatte auf einmal nur noch die Wahl, entweder sich selbst als Kirche ganz aufzugeben oder aber Kirche zu bleiben, dann aber als solche zu kämpfen, zu bekennen, zu leiden. Das Tier zeigte auf einmal seine Krallen [vgl. Dan. 7,19]. Das war es, was es im 18. und 19. Jahrhundert nicht getan hatte und was es vorläufig auch in der übrigen Welt nicht 16-tun zu-16 wollen scheint. Es tat es aber in der erwecklichsten Weise im neuen Deutschland von 1933. Wäre das nicht geschehen, so wäre es nach menschlichem Ermessen niemals zu dem in der Barmer Erklärung sichtbar gewordenen Durchbruch gekommen. Es war im Sommer 1933 auf Seiten der Kirche alles bereit zu einer Wiederholung des so oft geschehenen Spieles: zur friedlichen Aufnahme nun eben auch des deutschen Mythus als der zurzeit maßgebenden Gestalt der natürlichen Theologie, zu deren Zuordnung zu einem im 351 Übrigen unangetasteten biblischen Evangelium und reformatorischen Bekenntnis. So meinten und wollten es ursprünglich die Deutschen Christen, mit ihnen aber auch die überwältigende Mehrheit der anderen Christen in Deutschland. Dass es diesmal nicht zu diesem Spiel kam, lag zunächst schlicht daran, dass die Vertreter des deutschen Mythus, getragen von der Dynamik der hereinbrechenden politischen Tyrannei und Anarchie, alsbald zum Bewusstsein kamen und zu erkennen gaben, dass sie gar nicht daran dachten, sich mit der üblichen Mitherrschaft der natürlichen Theologie in der Kirche zufrieden zu geben. Sie strebten offen nach dem Ganzen, und sie taten es, unterstützt von allen Mitteln der öffentlichen Macht, indem sie Gebrauch machten von dem schlechthin eindrucksvollen Argument nicht der geistigen, sondern der ganz gewöhnlichen physischen Gewalt.17 Die Logik der Sache nahm diesmal jedenfalls von dieser Seite ihren Lauf. Das totalitäre «allein» in dem anfänglich angemeldeten «auch» wurde alsbald nur zu greifbar. Die eintretende «Verwüstung» der Kirche18 [vgl. Dan. 9,27; Mt. 24,15] war diesmal nicht wohl zu übersehen. Umso weniger, als die neue Gestalt der natürlichen Theologie, indem sie sich selbst dem Evangelium gegenüber absolut setzte, zugleich auch mit allen ihren Vorgängern aufräumte, |569 der Kirche also auch den Rückzug auf frühere Entwicklungsstadien unmöglich machte. Was galt jetzt noch die Vernunft des 18. Jahrhunderts? Was der Geist und die Freiheit des Idealismus? Was die Aisthesis der Romantik? Und was die vornehme Gründlichkeit der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts? Mochten sie alle ihre Zeit gehabt und ihren Dienst getan haben, sie alle waren 19-erledigt, sie alle standen-19 jetzt nicht mehr zur Wahl. Zur Wahl stand nur noch die barbarische Schreckgestalt des neuen Gottes, der jene alle überholt und verschlungen hatte – oder eben der Gott, von dem die Kirche nach wie vor in ihrer Bibel lesen konnte, dass er sich als der 20-lebendige Herr-20 bezeugt hatte, und von dem sie aus den Bekenntnissen der Väter wissen konnte, dass sie eigentlich seine und 352 nur seine Kirche sei. |

Das war das Neue der deutschen Situation von 1933, dass die Kirche – nicht durch theologische Belehrung, sondern durch harten Druck von außen in diese Wahl gestellt wurde. Sie verlor den bisher innegehaltenen Boden unter den Füßen. Es war – indem ihr die neueste Kombinationsmöglichkeit nun doch zu abschreckend gegenübertrat – der Boden des bisher geübten Kombinierens überhaupt und als solcher. Sie konnte nur stürzen ins Bodenlose oder eben Stand fassen auf dem seit längster Zeit nur noch dem Namen nach bekannten Boden eines grundsätzlich mit keiner natürlichen Theologie kombinierten Evangeliums und Bekenntnisses. So ist es gerade in dieser Zeit gerade in Deutschland zu der im Blick auf eine lange Geschichte und im Blick auf die ganze übrige Kirche so überraschenden Wendung21, so ist es zu «Barmen I» gekommen. Dass die Kirche in dieser Sache auf einmal die Sprache fand, das verdankt sie, so beschämend das ist, – dem «Führer»22. Alle theologische Besinnung kam notorisch erst hinterher. Es ist an sich ganz richtig, wenn man gesagt hat, dass Viele, vielleicht die Meisten derer, die an der Barmer Synode diesem Satz zugestimmt haben, seine Tragweite zunächst durchaus nicht zu überblicken vermochten und dessen wohl auch später nicht fähig geworden sind. Die Aufstellung und der Beschluss dieses Satzes war mehr ein instinktiver Notschrei als irgendetwas Anderes. Aber als Notschrei war er echt und notwendig. Es war am Tage, dass der Kirche, wenn überhaupt, dann nicht anders zu helfen sei als durch das eine Wort Gottes, das Jesus Christus heißt, und durch die Sammlung ihrer Verkündigung ganz allein um dieses Wort. Und nun |570 sorgte die neue Gestalt der natürlichen Theologie auch in den Jahren seither, sie sorgt bis auf diesen Tag dafür, dass es klar bleiben musste jenseits aller theologischen Einzelerkenntnis: dass der Kirche anders als so tatsächlich nicht zu helfen ist.

Die Kirchen der übrigen Welt können sich diesem Geschehen gegenüber23 natürlich auf den Standpunkt stellen, dass sie sich nun eben nicht in dieser Not, d. h. nicht dieser Gestalt der natürlichen Theologie gegenüber befänden, und also auch nicht zu diesem Notschrei gedrängt, nicht zu diesem [Bekenntnis befähigt und berufen seien. Aber es müsste doch eigentlich auch ihnen zu denken geben: also das Tier, also die natürliche Theologie, mit der sie sich überall und von altersher so freundlich arrangiert haben, hat solche Krallen [vgl. Dan. 7,19] und hat die Möglichkeit, sie in solcher Weise zu zeigen und zu brauchen! Also nach Leibniz und Kant, nach Hegel und Schleiermacher kann dann auch einmal auch das an die Reihe kommen! Also so ernst kann es auf einmal werden mit dem im «auch» verborgenen «allein»! Und wenn dann die Kirche in Not kommt – und dann kommt sie in Not! –, dann kann sie nur noch wählen zwischen dem Greuel der Verwüstung [vgl. Dan. 9,27; Mt. 24,15] und dem Notschrei, mit dem sie sich zu Jesus Christus bekennt als zu dem einen Wort Gottes, mit dem sie dann aber auch alle natürliche Theologie von sich wirft. Was hat das für die anderen Kirchen zu bedeuten? Konnte und wird die Sache nur in Deutschland auf beiden Seiten so ernst werden? Oder hat heute in Deutschland sowohl die natürliche Theologie in Gestalt des totalitären Mythus als auch die Kirche mit ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus ganz allein allgemeingültig ihr ursprüngliches, ihr eigentliches Gesicht gezeigt? Müssten angesichts dessen, was in Deutschland geschieht, nicht auch die anderen Kirchen ganz neu verstehen lernen, was es heißt, sich mit der natürlichen Theologie einzulassen, und was es andererseits heißt, sich als christliche Kirche zum Evangelium zu bekennen?

Und nun haben wir ja die ganze Sache erst unter dem menschlich-geschichtlichen Aspekt betrachtet. Dieser Aspekt ist aber nicht entscheidend.]24

Textkritische Fußnoten

-10
Tskr.: «bestimmte theologische»; die von Barth bei der Umformulierung des Satzteiles (ursprünglich: «auf eine bestimmte theologische Richtung zu schieben wäre») übersehene Korrektur auch dieser beiden Worte wurde von den Hrsg. nachgetragen.↩
-16
In der Vervielfältigung (KBA 11125) steht irrtümlich «zu tun zu»; in der Rohkrämer-Edition (Anm. 7) 📖 geändert in: «zu tun».↩
-19
Vervielfältigung (KBA 11125) / Rohkrämer-Edition (Anm. 7) 📖: «erledigt und standen alle».↩
-20
Vervielfältigung (KBA 11125) / Rohkrämer-Edition (Anm. 7) 📖: «allmächtige Gott».↩

Sachfußnoten

1
KBA 25002 (CD-ROM, Text Nr. 2).↩
2
KD II/1, S. 141–200 📖.↩
3
A.a.O., S. 194–200, Zitat S. 194 📖.↩
4
Auf einer der im KBA erhaltenen Exemplare findet sich in Barths Handschrift der Hinweis: «Dies stammt aus einer Vorlesung von mir, im Dez. 1937 hier in Basel gehalten» (KBA 11125).↩
5
Exemplare finden sich u. a. in: KBA 11125 und KBA 11126; Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Kirchenkampfarchiv, Nr. 224b; Bl. 187–191; Landeskirchliches Archiv Nürnberg, Abt. 2.4.13 (Angaben [außer KBA] nach K. Barth, Texte zur Barmer Theologischen Erklärung, mit einer Einleitung von Eberhard Jüngel und einem Editionsbericht hrsg. von M. Rohkrämer, Zürich 1984, S. 244) 📖. – Auf dem Exemplar im Landeskirchlichen Archiv Nürnberg findet sich in einem kurzen Vorspann zum Verfasser die Angabe, es stamme «aus der Feder eines hochverehrten, bahnbrechenden Lehrers unserer Kirche» (ebd.).↩
6
Nach Rohkrämer gehen die Unterschiede wohl darauf zurück, dass an verschiedenen Orten weitere Abschriften erstellt wurden; vgl. a.a.O., S. 244f 📖.↩
7
A.a.O., S. 67–87 📖. Der auf der CD-ROM nachlesbare bzw. noch erkennbare ursprüngliche Typoskripttext ohne jede Korrektur, Streichung oder Hinzufügung ist daher im Wesentlichen mit dem von Rohkrämer in seiner Edition – ohne Kenntnis des hier edierten Fragments – präsentierten identisch; für dieses Fragment lässt sich somit recht sicher behaupten, dass alle von Barth notierten Veränderungen des Textes erst nach dessen Vortrag im Kolleg eingetragen wurden.↩
8
Barth dürfte hier in erster Linie an das Phänomen des «Staatskirchentums oder des Caesaropapismus» denken, für das in seinen Augen das 18. das «klassische Jahrhundert» war (Prot.Theol., S. 65 📖). In «aller Öffentlichkeit und in aller Stille in größter Selbstverständlichkeit» war damals «Ereignis»: «die auf der ganzen Linie geübte Führung und Inanspruchnahme der Kirche durch den Staat, eine Führung und Inanspruchnahme, bei der der Staat selbstverständlich ausgezeichnet für sich selber, für die Kirche aber nur im Einklang mit seinen eigenen, aufs naivste in den Vordergrund gestellten Interessen sorgte» (a.a.O., S. 68).↩
9
Bei der «gegenwärtigen deutschen Irrlehre» wird Barth wohl auch 1937 noch an die von den «Deutschen Christen» vertretenen Lehren und Positionen gedacht haben, mit denen er sich ab der zweiten Jahreshälfte 1933 intensiv auseinandergesetzt hatte (vgl. etwa K. Barth, Theologische Existenz heute!, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 271–363, bes. S. 320–330 📖). Zur Kirchenwahl im Juli 1933 und darüber hinaus waren diese massiv durch den Parteiapparat der Nationalsozialisten unterstützt worden; schon dies und erst Recht im weiteren Verlauf des Kirchenkampfes ergriffene Maßregelungen bekenntniskirchlicher Pfarrer wie etwa die über 750 Verhängungen von «Schutzhaft» allein 1937 (vgl. die Übersicht in: Fürbitte. Die Listen der Bekennenden Kirche 1935–1944, im Auftrag der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte bearb. von G. Grünzinger / F. Walter, Göttingen 1996, S. 222 📖) zeigen, wie sehr im Einzelfall kirchlicher und politischer Widerstand ineinander übergingen.↩
11
Zur Vorgeschichte und Geschichte der ersten Reichsbekenntnissynode der Bekennenden Kirche, die vom 29. bis 31. Mai in (Wuppertal-)Barmen tagte, und der dort verabschiedeten Barmer Theologischen Erklärung, die im Wesentlichen auf Barth zurückgeht, vgl. Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche. Barmen 1934. Vorträge und Entschließungen, im Auftrage des Bruderrats der Bekenntnissynode hrsg. von K. Immer, Wuppertal-Barmen 1934 📖; C. Nicolaisen, Der Weg nach Barmen. Die Entstehungsgeschichte der Theologischen Erklärung von 1934, Neukirchen-Vluyn 1985 📖; M. Heimbucher / R. Weth (Hrsg.), Die Barmer Theologische Erklärung. Einführung und Dokumentation, mit einem Geleitwort von W. Huber, Neukirchen-Vluyn 2009 📖7; Kl. Scholder, Die Kirchen und das Dritte Reich, Bd. 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934. Barmen und Rom, Berlin 1985, S. 171–203 📖; Chr. Barth, Bekenntnis im Werden. Neue Quellen zur Entstehung der Barmer Erklärung, Neukirchen-Vluyn 1979 📖.↩
12
Den Wortlaut der ersten Barmer These hatte Barth an den Beginn seiner Ausführungen gestellt (KD II/1, S. 194 📖).↩
13
Vgl. Barth, Theologische Existenz heute! (Anm. 9), S. 341–351 📖.↩
14
Als «Ei des Kolumbus» bezeichnet man redensartlich die überraschend einfache Lösung einer schwierig erscheinenden Frage; zum anekdotischen Hintergrund um den historischen Kolumbus und zu vermutlich älteren Quellen vgl. Röhrich II, S. 356 📖.↩
15
Wohl eine Anspielung auf A. Rosenberg, Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltungskämpfe unserer Zeit, München 1930 📖.↩
17
Schon 1933 hatte Barth geschrieben: «Und wenn man den theologischen Gegnern, diesen ‹vaterlandslosen Gesellen›, ‹diesen saubern Seelsorgern› unter Namensnennung in Aussicht stellt, sie würden in zwei Jahren (nach geschehener Befreiung des Saargebiets) ‹nicht nur eine Tracht Prügel› (ich weiß nicht, welches Wort hier im Sinne des Verfassers zu betonen ist) in Empfang nehmen müssen, so ist das fabelhaft neu und könnte leicht geradezu lebensgefährlich werden» (Barth, Theologische Existenz heute! [Anm. 9], S. 329f. 📖).↩
18
Im letzten Satz der Präambel der Barmer Theologischen Erklärung heißt es: «Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche sprengenden Irrtümer der Deutschen Christen und der gegenwärtigen Reichskirchenregierung zu folgenden evangelischen Wahrheiten» (Heimbucher / Weth [Anm. 11], S. 36 📖).↩
21
Vervielfältigung (KBA 11125) / Rohkrämer-Edition (Anm. 7) 📖: «Ergebnis» (in der Rohkrämer-Edition, nicht aber in der Vervielfältigung, entsprechend vorher im Satz: «dem» statt «der»).↩
22
In der NSDAP übliche, seit 1934 auch offizielle Bezeichnung Adolf Hitlers; vgl. C. Schmitz-Berning, Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin / New York 2000, S. 240–245 📖.↩
23
In der Rohkrämer-Edition 📖 in eckigen Klammern ergänzt (in der Vervielfältigung [KBA 11125] aber vorhanden).↩
24
Hier endet das bei der Endredaktion eliminierte Fragment. Die folgenden Sätze hat Barth, um den durch die Kürzung entstandenen Hiatus im Textzusammenhang zu überbrücken, umformuliert. In der Vervielfältigung (KBA 11125) / Rohkrämer-Edition (Anm. 7) 📖 lauteten sie: «In Wirklichkeit war es natürlich nicht der neue Totalitarismus und der Belagerungszustand, die die Kirche in Deutschland zur bekennenden, von der natürlichen Theologie sich befreienden Kirche gemacht haben. Dass ihr, als ihr nichts Anderes übrig blieb, […].»

In KD II/1, S. 198 📖, heißt es dann: «Es war nicht der neue politische Totalitarismus und es waren nicht die Methoden des Belagerungszustandes, die dieses Ereignis herbeigeführt haben. Und es wäre geradezu primitiv, wenn man den ‹Calvinismus› oder gar die Tätigkeit dieses oder jenes Theologieprofessors als die in dieser Sache wirksame Macht der Errettung (bzw. der Verführung!) namhaft machen wollte. Dass der Kirche, als ihr nichts Anderes übrig blieb […].»↩