Die hier in Teil I wiedergegebenen langen Fragmente stammen sämtlich aus dem
ersten Teil von Barths Schöpfungslehre in ihrer im Kolleg vorgetragenen
ersten Fassung. Was er 1945 als Teilband III/1
📖 der KD veröffentlichte, steht mit seinen 476 Seiten an
Umfang weit hinter dem Textkomplex allein dieser Fragmente zurück. KD III/1 ist – abgesehen von KD I/1, mit dem es sich
entstehungsgeschichtlich anders verhält – hinsichtlich seines geringen
Volumens ein Unicum in der Reihe der Bände. Das lag, als Barth die
Schöpfungslehre konzipierte, keineswegs in seiner Absicht. Eine im Karl
Barth-Archiv vorhandene Vorlesungsmitschrift der damaligen Basler Studentin
Sophie Apolant1
dokumentiert, dass sich der mündliche Vortrag des ersten Teils der
Schöpfungslehre über volle sechs Semester – Sommer 1942 bis Winter 1944/45 –
erstreckte. Der große Unterschied zwischen dieser Ausdehnung und dem, was
dann zum Druck gelangte, macht in einem für die KD-Leser nicht erahnbaren
Maße anschaulich, was Barth im Sinn hatte, als er das Vorwort zu KD III/1 mit dem Eingeständnis eröffnete:
«Mit der ‹Lehre von der Schöpfung› habe ich ein Gebiet betreten, auf dem ich
mich entschieden weniger vertraut und sicher fühle.»2
Tatsächlich sind aus jenem Kollegtext nur die §§ 40 und 41 sowie etwa ein
Drittel (Tskr., S. 454–600) des ursprünglichen § 42 (Tskr., S. 440–901) in
die Druckfassung eingegangen. Hier zum Abdruck kommen – wie immer in diesem
Band – die Teile des erhaltenen Typoskripts, die nicht zum Druck gelangten.
Das sind von § 42 die Typoskript-Seiten 440–453 und 601–901 sowie die
Fragmente zweier weiterer Paragraphen: § 43,2 (Tskr., S. 1027–1140) und 44,2
(Tskr., S. 1203–1371). Was jenen Letzteren jeweils vorausgegangen ist, also
|4 die Abschnitte § 43,1 bzw. § 44,1, ist – mit
Ausnahme des in Teil II abgedruckten Fragments «Humor»3 – nicht erhalten; beide Fragmente sind die
Überreste des Versuchs, die mit § 42 grundgelegte Schöpfungslehre mit einer
Darlegung der Anthropologie zu krönen.
Den Grund dafür, von diesem Vorhaben abzulassen, nannte Barth ebenfalls im
Vorwort zu KD III/1
📖. Ohne dort etwas
davon durchblicken zu lassen, in welchem Ausmaß bereits ausgearbeitete
Textpassagen dem Ungenügen des Autors an seiner Ausrüstung für die
Schöpfungsthematik zum Opfer gefallen waren, schrieb er, jenes schon
zitierte Eingeständnis aufnehmend: «Die gewisse Bedrängnis, in der ich mich
auf diesem ganzen Gebiet befinde, zeigt sich handgreiflich darin, daß ich
das zweite Kapitel, das dieses Buch eigentlich enthalten sollte: die Lehre
vom Menschen nämlich, vor der Veröffentlichung noch einmal durcharbeiten
muß, weil es mich in der Fassung, die ich ihm bis jetzt geben konnte, nun
doch zu wenig befriedigt hat.»4 Das Ergebnis
dieser Durcharbeitung war der Entschluss, die Neufassung der Anthropologie
auf einen selbständigen Teilband (KD
III/2) zu verschieben, der dann, 1948 erschienen, mit 780
Textseiten den Umfang erreichte, der für die noch folgenden Teile von Barths
Hauptwerk typisch wurde.