Vorwort
VORWORT
Im Sommer 1970, anderthalb Jahre nach
Gedacht war zunächst daran, eine Auswahl von Stücken aus jenem Verzeichnis zu veröffentlichen. Nach längerer Diskussion, in der je nach eigenem Interesse der eine für diese und der andere für jene Titel plädierte, war es Ernst Wolf, der den entscheidenden Gedanken formulierte: Barth gehöre zu den sehr wenigen ganz Großen der Theologiegeschichte, deren Werke früher oder später in einer Gesamtausgabe zusammengefasst werden müssten. Dies solle nicht einer späteren Generation überlassen bleiben, sondern eine umfassende Planung dafür sei unverzüglich in die Wege zu leiten. Dieses Argument überzeugte alle Anwesenden einschließlich der Mitarbeiter des Verlags, der sich bereit erklärte, die Verantwortung für das noch gar nicht überschaubare Unternehmen zu übernehmen. So wurde Wolfs (viel|VIIIeicht improvisierte?) Idee einhellig zum Beschluss erhoben: es war die Geburtsstunde der Karl Barth-Gesamtausgabe.
Ein Jahr später, 1971, trat die beratende Gruppe erneut auf dem
Im Rahmen von Wolfs Gesamtplan wurden an Ort und Stelle Editionsaufträge für einzelne Stücke an Interessenten erteilt. Einen davon übernahm, angelockt durch den auf der Liste aufgeführten Titel «Gott und die Götter» und nicht ahnend, was damit auf ihn zukam, der Verfasser dieser Zeilen: die von Barth nicht publizierten Fragmente zur Kirchlichen Dogmatik.
Etwa gleichzeitig wurde in Barths letztem Wohnhaus in
Die beiliegende CD-ROM, mit deren Hilfe jeder Leser sich den Prozess, in dem die Texte entstanden sind, selbst anschaulich machen
kann, entlastet die Edition im Vergleich mit vorangegangenen Bänden
der Gesamtausgabe weitestgehend von textkritischen Fußnoten. Solche sind nur dort angebracht, wo es den Herausgebern aus ganz
unterschiedlichen Gründen wichtig schien, den Leser auf bestimmte Bearbeitungen aufmerksam zu machen, oder wo die Herausgeber selbst
Eingriffe in den Text vorgenommen haben. Letzteres geschah selten
und dann in der Regel nur, um Sätze in eine syntaktisch oder grammatikalisch korrekte Form zu bringen, die sie nicht bzw. nicht mehr
hatten – denn in vielen Fällen sind solche Fehler im Typoskript darauf
zurückzuführen, dass
Die um der besseren Lesbarkeit und Überschaubarkeit des Textes willen zusätzlich durch die Herausgeber eingefügten Absätze sind durch einen senkrechten Strich markiert. Verweise auf Fußnoten innerhalb desselben Textes erfolgen ohne, alle anderen Verweise mit Angabe der entsprechenden Seite. Im Übrigen folgt die Edition den seit langem gültigen Prinzipien der Gesamtausgabe, d. h. Nachweise erfolgen, soweit dies möglich und nötig ist, anhand von Literatur, die Barth selbst besaß – und in der Regel mit dafür sehr hilfreichen An- und Unterstreichungen versehen hat – oder wenigstens kennen konnte. Die übliche Angleichung an die derzeit gültige, und das heißt seit Band 46 an die ‹neue› Rechtschreibung führte im vorliegenden Band zu dem für manche vielleicht überraschenden Ergebnis, dass es gar nicht sehr viel anzugleichen gab: Die Texte, die auch in den seltenen Fällen, wo es spätere (Teil-)Veröffentlichungen gibt, nach dem Typoskript und also in ihrem ursprünglichen Zusammenhang ediert sind, sind nach Regeln verfasst, die der derzeitigen Rechtschreibung jedenfalls näher kommen als der zuvor gültigen.
X Abweichend von der CD-ROM, auf der die Texte rein an ihrer Entstehungszeit orientiert angeordnet sind, gliedert sich die Wiedergabe hier in zwei Teile, die in sich chronologisch sortiert sind: Teil I enthält die während der Kriegsjahre entstandenen größeren Textblöcke § 42: «Der Schöpfer und seine Offenbarung» (mit den Abschnitten 1. «Gott und die Götter» und 2. «Der Glaube und die Weltanschauungen»), § 43,2: «Des Menschen Menschlichkeit» und § 44,2: «Der Mensch und die Menschheit». Teil II bringt die ganz unterschiedlichen Zusammenhängen entnommenen, zu verschiedenen Zeitpunkten niedergeschriebenen und vorgetragenen kleineren Fragmente. Genaue Informationen zur jeweiligen Entstehungszeit und dem ursprünglichen Ort im Textganzen bieten die den einzelnen Fragmenten vorangestellten Einleitungen, für die wir dankbar auf die von Hans-Anton Drewes geleistete Arbeit zurückgreifen konnten, die im Begleitheft zur CD-ROM dokumentiert ist.
Besonderen Dank schulden die Herausgeber den in vielfacher Weise an Recherchen und Korrekturarbeiten beteiligten Mitarbeitern: in Jena Tillmann Boelter, Tommy Drexel, Juliane Hopf und PD Dr. Hans-Martin Rieger; im Karl Barth-Archiv in Basel Jan Arni, Michael Braunschweig, Stefan Landgrebe, Michael Pfenninger und Simon Weinreich. Für ihre Mitarbeit bei der Transkriptionskontrolle, bei der sie eine große Hilfe war, ist Margrit Müller sehr zu danken. Dem Leiter des Karl Barth-Archivs, Dr. Peter Zocher, gilt unser großer Dank für die Durchsicht und manche Verbesserung des von uns gelieferten Editionstextes. Dem Theologischen Verlag Zürich und seinen Leiterinnen, der verstorbenen Marianne Stauffacher, die mit Rat und Tat die Entstehung des Bandes über Jahre begleitete, und ihrer Nachfolgerin, Lisa Briner, ist für die unverändert gute verlegerische Betreuung ebenso zu danken wie Michael Nicklas und Thomas Ziegler von der pagina, Tübingen, für die umsichtige und akkurate Erstellung des Satzes. Nicht einzeln aufführbar ist die Hilfestellung, mit der Elisabeth Stoevesandt die Arbeiten an diesem Band begleitet hat; ihr gebührt ganz besonderer Dank.
Es ist, wie mir scheint, eine schöne, sehr angemessene und glückliche
Fügung, dass dieser ‹Jubiläumsband›, der 50. Band der Gesamtausgabe, von Hinrich Stoevesandt (und Michael Trowitzsch) herausgegeben wird. Keiner kann wie er den großen Bogen schlagen von den
von ihm hier im ersten Teil des Vorworts geschilderten Anfängen der
Gesamtausgabe bis heute, und dafür mag sinnbildlich der jetzt erscheinende Band stehen. Seit Jahrzehnten hat Hinrich Stoevesandt
seine außerordentliche Kompetenz und Gelehrsamkeit, seinen Spürsinn, seine Sorgfalt im Detail, aber auch seinen Sinn für die großen
Linien der Gedankenführung – und nicht zuletzt seine theologische
Leidenschaft – in den Dienst der Erschließung der Theologie
Danke, Elisabeth! Und vor allem: Danke, Hinrich!