1.
Die Vergebung müßten wir verstehen. Nicht nur gelegentlich daran
denken, daß es eine Vergebung gibt, sondern die Vergebung
verstehen, wie wir alle unsere Arbeit verstehen, damit umzugehen wissen, davon
Bescheid geben können. Nicht nur gelegentlich zu ihr flüchten vor den dunklen Wogen
unserer Selbstgerechtigkeit, sondern uns anklammern daran auf
allen unseren Wegen, daß das die Hauptsache ist: es gibt eine Vergebung. Nicht nur ab
und zu einmal sich vergeben lassen und selber vergeben, wenn gar keine andere
Möglichkeit mehr ist, wie man eben in großer Verlegenheit etwas abhebt von dem, was man
auf der Seite hat, sondern frisch und fröhlich leben von der
Vergebung und vom Vergeben, wie ein reicher Mann es sich leisten |382 kann, zu geben von seinem Reichtum. Vergebung - das
ist Leben, Gotteserkenntnis, Christentum - das ist das
Eine, auf das wir mit allen unseren Zeitgenossen eigentlich warten, Trost und Rat und Hilfe, die wir einander schuldig sind, neue Kraft für uns selbst, aufzufahren mit Flügeln wie die Adler
[Jes. 40,31], gnädig bedeckte Vergangenheit, klare, lebendige Gegenwart,
unausdenkbar große, verheißungsreiche Zukunft.
Warum leben wir nicht in der Vergebung, aus der Vergebung heraus?
Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der mit seinen
Knechten rechnen wollte und dann - doch nicht rechnete, sondern - ließ ihn los, und die
Schuld erließ er ihm auch. Das Himmelreich ist die Vergebung. Warum
ist uns das Leben so rätselhaft schwer? warum unsere Gotteserkenntnis so dünn und unfruchtbar? unser Christentum so ohne Glanz und Wirkung? Warum seufzen wir
mit Millionen vergeblich und immer vergeblich: Hüter, ist die Nacht bald hin [Jes. 21,11]?, bleiben uns gegenseitig das Beste schuldig, was wir einander sein und leisten sollten,
fühlen uns so hoffnungslos müde? Warum klagt unser bisheriges
Leben gegen uns, warum entrinnt uns Augenblick um Augenblick so merkwürdig
unverstanden und ungenützt, warum können wir uns die Zukunft kaum
anders denken, denn als immer größere Verwirrung und Auflösung, Tod für den Einzelnen,
Untergang des Abendlandes, wie jüngst ein kluger Mann geschrieben1, für das Ganze unseres Lebens? Es ist ganz offenkundig: wir sind
offenbar in dem Gefängnis, in das der Schalksknecht geworfen
wurde, der seinem Könige so ungleich war, der vom Rechnen nicht lassen und ins
Schuldenerlassen nicht hineinkommen konnte. Wir leben an der Vergebung
vorbei. Darum gelingt es uns nicht. Darum will es noch
nicht Tag werden. Denn ohne Vergebung
kein Himmelreich. Oder sind wir am Ende doch nicht ganz ohne
Vergebung? Ist sie am Ende die tiefste, mächtigste Tatsache unseres
Lebens, die uns nur verborgen ist und darum nicht recht zur Geltung kommt? Leben wir am Ende heimlich von der Vergebung als von der einzigen
Nahrung, die es überhaupt gibt, und käme es nur darauf an, einmal bewußt und stark und
freudig davon zu leben, um alsbald der Lichter und Kräfte des Himmelreichs teilhaftig zu
werden?
383
2. Was ist denn das: Vergebung? Etwas
Königliches, antwortet unser Gleichnis. Das Werk eines Großen, Starken. Nicht Allen ist vergeben, und nicht Alle können vergeben, sondern
die, denen es gegeben ist. Vergebung ist eine Freiheit, es sind
aber nicht Alle frei. Vergebung ist nicht selbstverständlich, sie muß verstanden werden. Man muß König sein, um so große Schuld
erlassen zu können. Vergebung ist die Macht Gottes gegen das
Böse. Wir Menschen alle leiden am Bösen. Das Böse läßt uns nicht leben, nimmt uns den Atem. Das Böse ist immer zuerst auf dem Platz. Es hängt sich auch an
unsere Rechtschaffenheit, Frömmigkeit, Liebe, es durchdringt sie von innen. Es zieht uns alle und Alles, was wir denken und tun, immer wieder in
seinen Kreis. Da kann Keiner aus der Reihe tanzen, nicht Einer
[vgl. Ps. 14,3 par.]. Auch unsere Kinder sind nicht unschuldig, wie man oft meint, sondern
schuldig. Die hohen Berge von Gerechtigkeit, die Einzelne
auftürmen können, mögen ein paar tausend Meter höher sein als die sie umgebenden Täler,
aber Erde sind auch sie. Wir können heute mit Vielen unserer Zeitgenossen vorwärts streben (und wollen es tun!) oder mit vielen Anderen zurückhalten, und das mag da und dort auch nötig sein, aber wir
bewegen uns vorwärts oder rückwärts im Kreis herum, etwas Neues kann daraus nicht
werden. Wir können nicht heran an die 10 000 Pfund, die wir
schuldig sind. Wir können nichts tun gegen das Böse, es ist uns
zu groß, wir können nur leiden darunter, daß es in uns und den Anderen und in der Welt
so groß ist. Versteht mich recht: Wir können freilich etwas tun. Wir können Entschlüsse fassen und Hoffnungen haben, wir können warten und eilen2,
wir können stille sein und stürmen, wir können beten und arbeiten. Aber es fragt sich, ob mit dem allem etwas
getan ist gegen das Böse. Es kann immer sein, und es ist fast immer so, daß das
alles nur die Zuckungen und Seufzer sind, durch die der Kranke
bekundet, daß er krank ist, nicht die helfenden Hände des Arztes, die den Kranken gesund
machen. Mit unsrer Macht ist nichts getan3, auch mit unserem guten Willen nicht. Es braucht die Macht und den
guten Willen des Königs, um die große Schuld zu erlassen. Gott allein tut etwas gegen das Böse.
|384 Er, er allein hat Macht gegen das Böse. Wenn es unsereins4
gelingt, da etwas Wirkliches zu tun, dann tun wir es, weil Gott
es tut, weil Gott uns seine Macht gegeben hat. Aber das ist ein
Ereignis, eine Entdeckung, eine Revolution, ein Wunder, wenn in
die Zeit hinein, in der das Böse herrscht, aus der Ewigkeit die Macht des Guten
hineingestellt wird und wenn dann in unserem Wollen und Laufen
wirklich etwas mitläuft von dieser Macht. Wir können dieses
Wunder nicht umgehen und tun, als ob es auch sonst ginge. Es geht
tatsächlich sonst nicht. |
Ich hatte vor einigen Wochen ein Gespräch mit einem tüchtigen und angesehenen Mann in
Zofingen über den Sinn des Neuen Testaments. Der erschrak schon
nach wenigen Worten und sagte mir: Wenn man die Dinge ansehen wollte, wie Jesus sie
ansah, müßte sich ja die ganze Welt umkehren! Ich konnte ihm nur antworten: Ja, in der
Tat, da müßte sich die ganze Welt umkehren, nicht mehr und nicht weniger. Das gerade ist
der Sinn des Neuen Testaments, daß es keinen Sieg über das Böse gibt
in der Welt, sondern nur indem sich die ganze Welt umkehrt. Die
Vergebung allein sprengt die Ketten des Bösen. Die Vergebung allein macht das
Leben möglich. Die Vergebung allein bringt uns wirklich weiter. Die Vergebung ist aber
ein Werk von oben, nicht von unten. Die Vergebung wirft Alles um, wenn sie kommt, sonst ist sie nicht Vergebung. Also
nicht nur das Böse, sondern auch unser Gutes, unsere Entschlüsse,
Hoffnungen, Gewohnheiten, Gerechtigkeiten und Religionen. Die Vergebung ist auch für den
klügsten, sichersten, gottinnigsten Menschen eine Überraschung,
eine Beschämung. Die Vergebung stellt ausnahmslos alle menschlichen
Standpunkte und Ordnungen vor die Notwendigkeit, daß Alles neu werden muß. Die
Vergebung bringt alle Eisklumpen, zwischen denen wir jetzt leben,
zum Schmelzen. Wir können uns das kaum ausdenken. Wir können uns
eben Jesus kaum ausdenken. Denn das ist ja eben Jesus. Nicht der
beste, frömmste Mensch in der Welt. Sondern der Sohn Gottes, der
die Welt überwindet [vgl. Joh. 16,33].
Die Macht von oben, die Macht Gottes, die den Kreis des Bösen,
der für uns immer geschlossen ist, sprengt. Die Macht Gottes, die alle
Menschen beugt, um alle Menschen aufzurichten. Die Macht Gottes, die einen neuen Anfang macht. Das ist Jesus, der gekreuzigte und
auferstandene Hei|385land, die
Wende der Zeiten, das königliche Wort
der Vergebung. Keine Entwicklung führt uns aus dem Bösen heraus,
kein Fortschritt führt uns in das Gute, das wahre Gute, das Gott
tut, hinein. Keine Brücke führt von hier nach dort. Aber «da
jammerte den Herrn desselbigen Knechtes und ließ ihn los, und die Schuld
erließ er ihm auch». Amen, so ist’s
und dabei bleibt’s. Gott hat’s gesprochen, das kann man nicht
fassen, das kann man nur glauben. Aber warum sollten wir nicht
glauben? Wir sehnen uns jedenfalls alle danach, glauben zu
können. Und indem wir uns danach sehnen, glauben wir schon. Wir
glauben, lieber Herr, hilf unserem Unglauben [vgl. Mk. 9,24]!, nicht wahr, so steht’s. Auf die Größe
und Masse unseres Glaubens kommt es wahrlich nicht an. Ganz ohne Glauben ist
niemand von uns. Und darum auch nicht ganz ohne die Macht gegen
das Böse, die Gott hat und gibt. Denn das Licht des Heilands
leuchtet uns nicht umsonst.
3. Vergeben heißt nicht
Vergessen. Das Böse in unserem Leben, das wir tun und leiden, setzt sich ja aus
tausend und tausend Einzelheiten zusammen. Aus einer langen Reihe
von Trägheiten, Unaufrichtigkeiten, Eigennützigkeiten, Lieblosigkeiten und Überhebungen
baut sich allmählich unser Leben auf, eins immer ans andere
sich anschließend, und bekommt schließlich die Bezeichnung böse. So ist auch in jedem einzelnen Augenblick unseres Lebens ein Zusammenhang von
Kurzsichtigkeit, Eitelkeit, Übereilung, Nachlässigkeit und Härte, und wenn wir
aufrichtig sind, erkennen wir diesen Zusammenhang und nennen ihn böse, auch in den
sogenannten guten Stunden, die wir haben. So ist auch das Böse in der
Welt ein Meer von bösen Einzelheiten. Es ist grauenvoll, darüber nachzudenken,
wieviel solche Einzelheiten es gegeben hat in den Kriegs- und Revolutionsjahren, aus
denen wir kommen, z. B. an die Leiden der Kriegsgefangenen, an die Leiden, die in den
großen Städten Deutschlands und Österreichs durchgemacht worden sind und noch werden, an
das ungeheure Netz des Bösen, das sich zusammenziehen mußte, als der Krieg ausbrach, an
die Greuel, die einzig in Rußland zuerst von oben und nachher folgerichtig auch von
unten verübt worden sind. Alle diese Einzelheiten in uns und in der Welt sind nicht vergessen. Es ist Alles vor Gott. Was wir Böses tun und wenn
es nur in Gedanken wäre, das hat seine Wirkung - den Schaden, den wir anrichten, die Lüge, die
wir |386 stark machen, die Tränen, die
wir verursachen, das Murren und die Verzweiflung, die unsertwegen
in den Herzen sind, die Kälte, die wir um uns her verbreiten,
Gott sieht und hört Alles, und wenn unsere Härte, unser Übermut, unsere Faulheit noch so
verborgen und von uns selbst längst vergessen wären. Was der Mensch
sät, das muß er ernten [Gal. 6,7]. Es gibt vor Gott auch keine Kleinigkeiten. Die
sogenannten Kleinigkeiten, böse, abweisende Gesichter, die wir machen, schlecht
angebrachte Scherzworte, die wir uns leisten, kleine Rachen und Triumphe, die wir uns
gestatten, sind vielleicht in ihrer
Wirkung und vor Gott schlimmer als das, was wir für unsere große Sünde halten. Denken
wir daran: es zählt Alles. Die große Schuld des Schalksknechts
setzt sich ja sicher auch aus lauter einzelnen Nachlässigkeiten und Veruntreuungen
zusammen. Alle miteinander bildeten die große Schuld der 10 000
Pfund, die er nicht bezahlen konnte. |
Aber da war die große Wendung in seiner Geschichte, daß er nun
diese ganze große Summe gerade nicht bezahlen mußte. Es wurde
unerbittlich gerechnet und gerechnet, bis die bitterböse Summe dastand schwarz auf weiß,
und dann wurde auf einmal nicht mehr gerechnet, nicht weil der
Knecht bezahlen konnte, das war ja lauter Einbildung, wenn er meinte, er könne das,
sondern weil der König der König war und nicht mehr rechnen
wollte: er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch! Das ist die Vergebung.
Vergeben heißt aufheben, bewegen,
hinwegtragen: Alles, das Ganze in allen seinen Einzelheiten miteinander. Nichts wird vergessen, nichts übersehen, es ist Alles beieinander.
Es kommt Alles aus der gleichen Quelle, und es strömt Alles demselben Meer zu: Das
Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an [Gen. 8,21]! Wir sind
gerichtet, wir sind verloren. Es könnte ja auch uns einfallen, mit jenem Knecht zu
rufen: Habe Geduld mit mir, ich will es dir Alles bezahlen! Wir
wollen versuchen uns [mit] immer neuer Buße und Heiligung und im Großen durch
unentwegten Fortschritt auf der Bahn der Entwicklung aus dem Sumpf, in dem wir uns
befinden, herauszuhelfen! Habe Geduld mit uns, wir werden das unendlich hohe Ziel in
unendlich ferner Zeit doch einmal erreichen! Solche Rede wäre in unserem Mund nicht weniger töricht als im Munde jenes Knechts. Denn unsere
Schuld ist wie die seinige unendlich. Wir werden nicht fertig damit. Was geschehen ist, ist
geschehen und schreit |387 gegen uns. Was ich getan habe, das habe ich getan, und es klagt gegen mich. Es gibt keine Buße, durch die wir uns vom Bösen losmachen, und es gibt
keinen Fortschritt, durch den wir über das Böse hinauskommen können. Es folgt uns und wird uns folgen, und wir sind verloren, wenn es beim Rechnen
bleiben soll. |
Aber in Gott ist noch eine andere Möglichkeit. Gott kann sein
Urteil über uns wenden vom Gericht zur Gnade, weil er Gott ist,
weil er die Macht dazu hat! Gott kann über uns sprechen: Es werde
Licht!, und es wird Licht, wie am ersten Schöpfungstage [Gen. 1,3]. Gott kann die Toten
rufen, daß sie leben, und dem, was nicht ist, daß es sei [Röm. 4,17], und wenn Gott spricht, so geschieht es,
er gebietet, so stehet es da [Ps. 33,9]. Gott kann durch all das böse Dichten und Trachten des
menschlichen Herzens hindurch in dieses seltsame Menschenherz selbst hineinsehen und
sehen, daß es trotz Allen und Allem in seiner ganzen Sünde und Schande doch ihm gehört,
sein entweihter und zerstörter Tempel ist, hindurchhören durch
all das wüste Geschwätz und Gelärm, das wir machen, und hören das verborgene Ja in uns,
ohne das wir doch nicht so empörerisch [?] Nein sagen könnten, hören den Ruf der
Sehnsucht in uns, den wir immer versteckt haben, die Stimme der Aufrichtigkeit, die wir
immer betäubten, den Schrei der inneren Not, den wir immerfort erwürgten, weil wir uns
selbst nicht verstanden. Ja, Gott sieht und hört das in uns, was
wir selbst nicht sehen und hören, und was Gott sieht und hört, das
ist, das ist Wahrheit, mehr Wahrheit als alles Andere, was sonst leider wahr ist.
Gott versteht uns, versteht sie, die Zöllner und Sünder, die
Atheisten und die frommen Heuchler, die bösen Militaristen und Kapitalisten und die
bösen Bolschewisten und uns Mittelmenschen alle damit. Die
Unterschiede zwischen uns sind so groß nicht, wie wir denken. Wir sind ja alle
Menschen, Menschen! Menschen mit 10 000 Pfund Schulden, mit böser Vergangenheit und
bösem Gewissen, aber auch mit einem Herzen, dessen bestes Teil
darin besteht, daß ihm etwas fehlt, Gott selbst. Gott weiß, wie wir
alle es meinen, wir mit unseren Nerven und Instinkten und unterbewußten Trieben,
wir mit unserer Streitsucht und Spottlust, wir mit unserem Übermut und unserer
Verzagtheit, Gott weiß es, und noch einmal sage ich: was Gott weiß, das ist, das ist die sicherste Tatsache unseres Lebens, sicherer als alles
Andere. Es ist eine neue Macht, in deren Gewalt wir kommen, wenn
Gott uns |388 sieht und hört und versteht im Grund unseres
Wesens. Nicht wir sind von unten her an das Gute herangekommen, sondern das Gute ist von oben her an uns herangekommen. Der Anfang eines total neuen Lebens wird da gesetzt und gepflanzt, der das Alte
auf die Seite drängt, zerbricht und ersetzt. Es ist der Keim
einer neuen, vom Bösen erlösten Menschheit, der da ins Erdreich eingesetzt wird. Und das geschieht uns nicht einmal, das ist nicht ein Erlebnis neben
anderen Erlebnissen, das ist Gottes Haltung überhaupt, das ist
Gottes Bedeutung [?] für uns und unser Leben, daß wir so von ihm
gesehen, gehört, verstanden werden und daß es so bei aller
Größe des Bösen immer wieder einen neuen Lebensanfang und
Weltanfang gibt von ihm her. |
Seht, das ist die Vergebung: daß Gott immer wieder das Ganze
zusammennimmt, nicht um weiter mit uns zu rechnen und zu rechten, sondern um es
zu heben, zu bewegen, hinwegzutragen. Das ist die Vergebung, daß immer wieder dieser unser Anfang in Gott durchbricht, daß Gott es aus
uns hervorholt, was wir eigentlich
und im tiefsten Grunde sind. Wenn wir unser Böses vergessen und übersehen wollen, wenn
wir es unerledigt hinter uns zurücklassen, dann werden wir nicht davon erlöst. Die
Vergebung aber, die Wendung, die Gott selbst macht gegen das böse
Ganze unseres Lebens hin, die erlöst uns. Gott
ist stärker als das Böse. Er kann neue Menschen machen und
tut es. Es jammerte den Herrn! Weil er der Herr ist, ist seine
Barmherzigkeit kein schwaches Mitleid, sondern starke, befreiende
Tat. Wir müssen ihn nur tun lassen. Dann tut er’s. Dann
kehrt sich die Welt um. Dann kommen wir auf neuen Boden zu stehen. Obwohl unsere Sünde blutrot ist [Jes. 1,18]. Obwohl wir armen Menschen von heutzutage in einer geradezu
furchtbaren inneren Auflösung unseren Weg sehen und gehen.
Vielleicht gerade darum, gerade heute! Die Not ist zum Höchsten
gestiegen. Ich hebe aber meine Augen auf zu den Bergen, von
welchen mir Hilfe kommt [Ps. 121,1].
Nur in keiner Gottverlassenheit der Seele und der Zeit dieses
Aufheben unserer Augen vergessen! Nur nicht stecken bleiben und
auch Andere nicht stecken lassen im Bösen!|
Wir wollen am nächsten Sonntag Weiteres hören aus diesem Gleichnis. Nur noch eins: In
Christus ist alles das Wahrheit, was wir heute hörten. Denn um unserer Sünde willen ist
er dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt [Röm. 4,25]. Er hat uns |389
Gottes Gedanken, die Vergebung und ihre Macht verkündigt. Wer aus der Wahrheit ist, der hört
seine Stimme [Joh. 18,37].