Matthäus 18,15-20
1. In d[iesen] Worten ein großer Zus[ammen]hang zw. Himmel u. Erde. Zus. ist da. Vieles[,] was ihm widerspricht. Aber er ist da. Nicht vergessen. Offenbart sich immer wieder. Lebensfrage: ihn begreifen. - Himmel von d. Erde aus das Unbegreifliche, so auch Erde vom Himmel aus. Zw. H. u. E. ein Trotzdem, Dennoch, kraft dessen d. Unmögliche möglich wird, immer wieder Vollkommenheitsgedanken [?].
H. u. Erde scheinen geschieden durch den ganzen Gegensatz zw. G[ott] u. M[ensch]. Dort Kraft, hier Schwachheit. Weisheit - Unverstand. Herrlichkeit - Armseligkeit. Liebe - Neid u. Streit. D. Trotzdem bleibt. D. Mensch nicht ohne Gott[.]
Zw. H. u. Erde das große Geheimnis d. Todes. Alles Leben auf
Erden vom Vergehen belastet. Seufzen d. unerlösten Kreatur [vgl.
2. Dieses Dennoch zw. H. u. E., dieser große unzerreißbare Zus. hang ist J[esus] X[Christus]. «Wahrlich ich sage euch» fangen viele s. Worte an. Dieses Wahrlich über s. ganzes Leben u. Wesen. Es wird da etwas behauptet, festgestellt, aufgedeckt. Es geschieht da ein |379 Angriff u. eine Verteidigung. Seine Worte sind nicht kluge Regeln für dieses Leben, sondern die Ankündigung eines andern Lebens. Seine Taten sind nicht gute[,] löbl[iche] Taten in unserm Sinn, sondern Ereignisse[,] die ihren Grund in einem höhern Willen u. Macht haben, der uns bis jetzt unbekannt war. Sein Sterben ist nicht der natürl. Tribut, den auch er dem Tode bezahlen müßte, sondern der Beginn eines Kampfes des Lebens gegen den Tod, ein Tod[,] der den Tod sprengt und aufhebt. Das ganze Leben u. Wesen J. ist das Enthüllen eines Verborgenen, die Ausgrabung eines Verschütteten, der Durchbruch eines Zurückgehaltenen. Und das ist eben der Zus. hang zw. H. u. Erde.
3. Dieser Zus. hang besteht
nun. Der Widerspruch dagegen, das Trennende ist auch noch da. Der Kampf ist noch
nicht ausgekämpft, d. Sieg noch nicht vollendet. Aber der Zus.hang ist da, in uns Allen.
Nicht einen schönen Gedanken hat J. d. M.heit eingeflößt, eine
Gnade hat er ihr gegeben. Nicht nur ein Ziel ist uns gesteckt,
sondern ein Anfang ist mit uns gemacht.
J. sagt uns nicht[,] was wir sein sollen, sondern was wir sind.
Das Salz der Erde, das Licht der Welt [
4. Wir hören zuerst von d. Macht d. Wahrheit[,] die uns gegeben ist. Wir brauchen die Sünde, die unter uns geschieht[,] nicht gelten zu lassen, ihre Macht nicht zu fürchten, nicht zu fürchten, ihr selbst anheimzufallen[,] wenn wir in Kampf mit ihr treten. Wir können einander ermahnen, sein Böses auf uns selbst nehmen als eigne Sorge u. Not u. zugleich an das Gute glauben, das er auch weiß. Wenn wir selbst nicht genügen, können andre das rechte Wort finden. Und dabei ists doch gar kein Zwang, der Andre muß nicht hören, s. Zeit ist vielleicht noch nicht da. Erst ganz zuletzt die Möglichkeit[,] einen M. ganz aufzugeben.
5. Diese Macht müssen wir brauchen. Wir sind verantwortlich für einander. Wir können Thüren öffnen: Traurige trösten, Unverständige zurechtbringen … und dann ists Gott selbst[,] der da handelt. So |380 viel Gefangenes wartet auf Lösung. Wenn wir nicht lösen, so binden wir. Durch Schweigen, Grollen, Aufgeben schlagen wir Thüren zu. Vielleicht gehts nicht anders. Aber denken wir dran: Gott selbst handelt dann durch uns. Wir wollen gute Werkzeuge sein.
6. Diese Macht der Wahrheit liegt darin, daß wir eins werden können [?] untereinander im Namen Jesu. Es giebt ein solches Einswerden. Die Gedanken, die Blicke der verschiedensten M. treffen sich in diesem Mittelpunkt. Vielleicht äußerlich, viell. nur innerlich. Vielleicht ohne persönl. Kenntnis, unbewußt. Die Gemeinschaft ist im Unsichtbaren: Erkenntnis d. neuen Welt u. Ordnung[,] Warten auf Lichter u. Kräfte d. neuen Welt, Anfang von Gehorsam. Da ist J. selbst gegenwärtig. Da kann man bitten, da erneuert sich d. Zus. hang fort u. fort.