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        <title type="volume" n="vol-39">Predigten 1919</title>
        <title type="content">Matthäus 18,15-20</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Matthäus 18,15-20, 2. November 1919</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/39046 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1919, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2003, S. 380.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1919</title>
          <title type="text">Matthäus 18,15-20</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2003</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 18,15-20 (Reformation), 2. November 1919. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1930">KBA 1473</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1919-11-02">2. November 1919</date>
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          <head><idno>491</idno><note xml:id="n01">Der Abdruck folgt der knappen handschriftlichen
              Predigtskizze. Der Text wird mit allen Abkürzungen und orthographischen
              Eigentümlichkeiten wiedergegeben.</note></head>
          <dateline>
            <placeName ref="kbga-places-54"><hi rend="italic">Safenwil</hi></placeName>, Sonntag, den <date when="1919-11-02">2. November 1919</date>
          </dateline>

          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.18.15 Mt.18.20">Matthäus 18,15-20</ref>
              <quote><hi rend="italic" resp="kb">[Sündigt aber dein Bruder an dir, so gehe hin und
                  strafe ihn zwischen dir und ihm allein. Hört er dich, so hast du deinen Bruder
                  gewonnen. Hört er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf daß alle
                  Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Hört er die nicht, so sage es
                  der Gemeinde. Hört er die Gemeinde nicht, so halt ihn als einen Heiden und
                  Zöllner. Wahrlich ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im
                  Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los
                  sein. Weiter sage ich euch: Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es
                  ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.
                  Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter
                  ihnen.]
                </hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>
        </div>
        <div type="main">
          <p>
            <hi rend="italic">1.</hi> In d[iesen] Worten ein großer <hi rend="italic">Zus[ammen]hang
              zw. Himmel u. Erde.</hi> Zus. ist da. Vieles[,] was ihm widerspricht. Aber er ist da.
            Nicht vergessen. Offenbart sich immer wieder. Lebensfrage: ihn begreifen. - Himmel von
            d. Erde aus das <hi rend="italic">Unbegreifliche</hi>, so auch Erde vom Himmel aus. Zw.
            H. u. E. ein Trotzdem, Dennoch, kraft dessen d. Unmögliche möglich wird, immer wieder
            Vollkommenheitsgedanken [?].</p>
          <p>H. u. Erde scheinen geschieden durch den ganzen <hi rend="italic">Gegensatz zw. G[ott]
              u. M[ensch].</hi> Dort Kraft, hier Schwachheit. Weisheit - Unverstand. Herrlichkeit -
            Armseligkeit. Liebe - Neid u. Streit. D. Trotzdem bleibt. D. Mensch nicht ohne
            Gott[.]</p>
          <p>Zw. H. u. Erde das große <hi rend="italic">Geheimnis d. Todes.</hi> Alles Leben auf
            Erden vom Vergehen belastet. Seufzen d. unerlösten Kreatur [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.19 Röm.8.22">Röm. 8,19-22</ref>]. Aber dem Tod steht d.
            Dennoch d. Lebens entgegen. Wir würden nicht seufzen ohne Grund.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">2.</hi> Dieses Dennoch zw. H. u. E., dieser große
            unzerreißbare Zus. hang ist J[esus] X[Christus]. «Wahrlich ich sage euch» fangen viele
            s. Worte an. Dieses Wahrlich über s. ganzes Leben u. Wesen. Es wird da etwas behauptet,
            festgestellt, aufgedeckt. Es geschieht da ein <pb ed="pga" xml:id="p379"/> Angriff u.
            eine Verteidigung. <hi rend="italic">Seine Worte</hi> sind nicht kluge Regeln für dieses
            Leben, sondern die Ankündigung eines andern Lebens. <hi rend="italic">Seine Taten</hi>
            sind nicht gute[,] löbl[iche] Taten in unserm Sinn, sondern Ereignisse[,] die ihren
            Grund in einem höhern Willen u. Macht haben, der uns bis jetzt unbekannt war. <hi rend="italic">Sein Sterben</hi> ist nicht der natürl. Tribut, den auch er dem Tode
            bezahlen müßte, sondern der Beginn eines Kampfes des Lebens gegen den Tod, ein Tod[,]
            der den Tod sprengt und aufhebt. Das ganze Leben u. Wesen J. ist das Enthüllen eines
            Verborgenen, die Ausgrabung eines Verschütteten, der Durchbruch eines Zurückgehaltenen.
            Und das ist eben der Zus. hang zw. H. u. Erde.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">3.</hi> Dieser Zus. hang <hi rend="italic">besteht
              nun.</hi> Der Widerspruch dagegen, das Trennende ist auch noch da. Der Kampf ist noch
            nicht ausgekämpft, d. Sieg noch nicht vollendet. Aber der Zus.hang ist da, in uns Allen.
            Nicht einen schönen <hi rend="italic">Gedanken</hi> hat J. d. M.heit eingeflößt, eine
            Gnade hat er ihr gegeben. Nicht nur ein <hi rend="italic">Ziel</hi> ist uns gesteckt,
            sondern ein Anfang ist mit uns gemacht.
            J. sagt uns nicht[,] was wir <hi rend="italic">sein sollen</hi>, sondern was wir sind.
            Das Salz der Erde, das Licht der Welt [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.13 Mt.5.14">Mt. 5,13f.</ref>]. Und das sind wir, [wenn] wir sein wollen [?], was er uns sagt.
            Wenn wirs noch nicht sind: weil noch nicht gehört, was er gesagt. Dann widersprechen wir
            uns selbst. Seine Stimme [?] ist in uns.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">4.</hi> Wir hören zuerst von d. <hi rend="italic">Macht d. Wahrheit</hi>[,] die uns gegeben ist. Wir brauchen die Sünde, die unter uns
            geschieht[,] nicht gelten zu lassen, ihre Macht nicht zu fürchten, nicht zu fürchten,
            ihr selbst anheimzufallen[,] wenn wir in Kampf mit ihr treten. Wir können einander
            ermahnen, sein Böses auf uns selbst nehmen als eigne Sorge u. Not u. zugleich an das
            Gute glauben, das er auch weiß. Wenn wir selbst nicht genügen, können andre das rechte
            Wort finden. Und dabei ists doch gar kein Zwang, der Andre muß nicht hören, s. Zeit ist
            vielleicht noch nicht da. Erst ganz zuletzt die Möglichkeit[,] einen M. ganz
            aufzugeben.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">5.</hi> Diese <hi rend="italic">Macht müssen wir
              brauchen.</hi> Wir sind verantwortlich für einander. Wir können Thüren öffnen:
            Traurige trösten, Unverständige zurechtbringen … und dann ists Gott selbst[,] der da
            handelt. So <pb ed="pga" xml:id="p380"/> viel Gefangenes wartet auf Lösung. Wenn wir
            nicht lösen, so binden wir. Durch Schweigen, Grollen, Aufgeben schlagen wir Thüren zu.
            Vielleicht gehts nicht anders. Aber denken wir dran: Gott selbst handelt dann durch uns.
            Wir wollen gute Werkzeuge sein.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">6.</hi> Diese Macht der Wahrheit liegt darin, daß
            wir eins werden können [?] untereinander im Namen Jesu. Es giebt ein solches Einswerden.
            Die Gedanken, die Blicke der verschiedensten M. treffen sich in diesem Mittelpunkt.
            Vielleicht äußerlich, viell. nur innerlich. Vielleicht ohne persönl. Kenntnis, unbewußt.
            Die Gemeinschaft ist im Unsichtbaren: Erkenntnis d. neuen Welt u. Ordnung[,] Warten auf
            Lichter u. Kräfte d. neuen Welt, Anfang von Gehorsam. Da ist J. selbst gegenwärtig. Da
            kann man bitten, da erneuert sich d. Zus. hang fort u. fort.
          </p>
        </div>
      </div>
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