5. Oktober 1919

Psalm 84,10-13

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Psalm 84,10-13
[Gott, unser Schild, schaue doch; siehe an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser denn sonst tausend; ich will lieber der Tür hüten in meines Gottes Hause, denn wohnen in der Gottlosen Hütten. Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre; er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verläßt!]

1. «Gott, unser Schild, schaue doch; siehe an das Antlitz deines Gesalbten!» Da hat in alter Zeit ein Mensch nach Gott gerufen. Er fühlte, daß der Mensch ungedeckt, preisgegeben, verloren ist, darum nennt er Gott unseren Schild. Er wußte, daß es nicht auf unser Wissen, Denken, Reden und Leben ankommt, sondern darauf, daß die Augen Gottes uns begleiten; darum bat er nur um Eins: Gott, schaue doch, schau mich doch an! Er merkte, daß bei aller Verlorenheit und Tiefe, in der sich der Mensch befinden kann, immer eine Beziehung besteht zwischen ihm und Gott; darum nannte er sich selbst einen Gesalbten, einen Geweihten, der gleichsam das Recht hat, von Gott väterlich angeschaut zu werden. Das heißt nach Gott rufen.

2. Das Rufen nach Gott ist immer und überall in den Herzen der Menschen. Aber uns Menschen der heutigen Zeit liegt es sozusagen auf den Lippen. Was sonst das Verborgenste ist, drängt heute zur Offenbarung. Längst Vergessenes, immer Übersehenes will endlich zur Geltung kommen. Altes Unverständnis, alte Mißverständnisse sind am Verschwinden. Wir merken wieder, wovon wir leben und woran es uns fehlt. Wir können uns nicht mehr ganz verlieren im sorgenlosen und gedankenlosen Genuß und Betrieb des Lebens. Wir können uns auch nicht mehr ganz sinken lassen in trostloses Seufzen und Klagen. Selbst wenn wir das noch Stunden und Tage tun, die Erinnerung stellt |344 sich rasch wieder ein, daß das ja nicht wahr und nicht möglich ist. Die Oberflächlichkeit ist gerichtet. Oberflächliche Freude und Friede und Ruhe und Christentum, das paßte vielleicht in die alte Zeit, aber diese alte Zeit ist vorbei und kehrt nicht wieder, und wenn wir es etwa versuchen, zu tun, als ob sie immer noch da wäre, so müssen wir mit Schmerzen erfahren, wie das ist, wenn man sich selber anlügt. Der Boden, auf dem wir einst standen und gingen, die Gedanken, die uns einst selbstverständlich waren, der Mantel der Gerechtigkeit, in den wir uns einst hüllten, die Götter, die wir einst anbeteten, das alles ist heute unterwühlt wie von einem Erdbeben, geborsten, niedergesunken, ein Trümmerfeld, in dem man nicht mehr wirklich wohnen kann. So ist uns das Rufen nach Gott auf die Lippen gelegt. Es versteht sich freilich nicht von selbst, daß wir ihm einen ehrlichen Klang, deutliche Worte, herzliche Kraft geben. Es kann auch hinuntergeschluckt werden. Es kann auch ersterben in einem feigen, unehrlichen Flüstern oder Brummen. Wir können auch heute uns selbst anlügen, rückwärts blicken statt vorwärts, uns anklammern an das, was vergehen will und vergehen muß, statt uns auszustrecken nach dem, was kommen will. Wir können uns auch heute als solche, die immer zu spät kommen, auf dem Trümmerfeld herumtreiben, lachend oder klagend, ruhig oder aufgeregt, friedlich oder streitsüchtig. Wir können auch heute tun, als ob es sich nicht um Gott handelte. Aber es muß nicht so sein. Wir stehen in einer Zeit großer Möglichkeiten und Gelegenheiten.

3. Wir stehen heute jedenfalls vor großen Entscheidungen. Angesichts des Vielen, was heute in Umwandlung und Zusammenbruch begriffen ist, müssen wir entweder zu der schmerzlichen Erkenntnis kommen, daß wir nichts sind, nichts haben, nichts ausrichten, oder aber uns dem Einen zuwenden, von dem uns Alles, was uns jetzt genommen wird und genommen werden kann, in neuer, tieferer, vollständigerer Weise wiedergegeben wird. Alles drängt uns heute dazu, entweder ganz ungläubig zu werden oder dann ganz gläubig. Mit dem alten halben Glauben geht es nicht mehr. Wir würden uns selbst den schlechtesten Dienst tun, wenn wir uns das verhehlen wollten. Wir haben wie der Psalmsänger tausend Tage zugebracht außerhalb der Vorhöfe Gottes. Wir haben ausgiebige Erfahrung von dem, was in den Hütten der Gottlosen zu sehen und zu erleben ist. Wir haben lange geglaubt an |345 die vortreffliche Natur des Menschen, an den sicheren, allmählichen Fortschritt, an unsere Tugend und Frömmigkeit, an unsere Kirchen und Kapellen2. Es geht nicht mehr. Wir sind müde und mißtrauisch geworden. Der Sturm, der durch die Welt geht, ist daran, diese alten Bäume zu entwurzeln, und dann werden [?] sie verdorren [?]. Es wird heute Gericht gehalten über Alles, was nicht ganz echt und wahr ist. Zahllos sind heute die Menschen, die heimlich oder offen an gar nichts mehr glauben. Man sollte das nicht bedauern.

Es muß so sein um der Entscheidung willen, in der wir stehen. Wenn der Mensch anfängt zu rufen: Gott, mein Schild, schaue doch!, wenn es wahr wird, daß ihm ein Tag in den Vorhöfen Gottes lieber wird als sonst tausend, wenn es wahr wird, daß er lieber der Tür hüten will im Hause Gottes, als wohnen in der Gottlosen Hütten, dann ist das etwas Neues, eine Entdeckung, ein Durchbruch. Er muß in den Unglauben hinein und durch den Unglauben hindurch, um Gott zu erkennen. Und durch die Erkenntnis Gottes wird er von allem anderen Glauben frei- und losgesprochen.

Wenn wir menschlich betrachtet vor dem Nichts stehen, dann kann es sein, daß wir eben damit endlich vor Gott gestellt werden. Wenn unsere alten Götter ins Wanken kommen, dann kann er zu Ehren kommen. Wenn die Menschen unruhig fragen: was hilft uns nun unsere Religion, unsere Tüchtigkeit, unsere Rechtschaffenheit, unser Christentum?, dann kann es sein, daß er hervortritt und uns antwortet: ich, ich allein bin es, der helfen kann und will. Wenn wir überall das Ende unserer Wege vor uns sehen, dann kann es geschehen, daß sich uns der Anfang der Wege Gottes auftut. Wenn uns unsere alten Sachen, auf die wir uns verließen, an denen wir uns freuten, die wir rühmten und für groß und ewig hielten, heute wie von einer starken Hand weggenommen und zum alten Eisen gelegt werden, so kann es sein, daß uns die Heilandsstimme vernehmbar wird, die uns sagt, daß es sich im Leben noch um eine ganz andere Sache handelt, als wir bisher dachten, daß es einen Dienst, eine Aufgabe, ein Ziel gibt, an denen wir bis jetzt achtlos vorbeigingen, weil wir sie ob all dem Anderen einfach nicht verstanden - die Heilandsstimme, die uns ruft: Folge du mir nach [Joh. 21,22]!

346 Wir wollen also nicht erschrecken darüber, wenn wir heute Andere und uns selbst unsicher werden sehen. In Entscheidungszeiten müssen die Menschen unsicher werden. Es handelt sich um eine Veränderung. Wir können uns aber nicht verändern, wenn wir nicht zuerst unsicher werden.

4. Und nun wollen wir uns auch darüber nicht den Kopf zerbrechen, ob wir und die Anderen die große Möglichkeit und Gelegenheit, die jetzt vorhanden ist, denn auch richtig erkennen und benützen werden. O unser Herz erkennt sie, unser Herz hat schon längst Ja gesagt, unser Herz ist immer zum vornherein auf Gottes Seite. Es ist uns nicht gleich natürlich, auf der alten Oberfläche zu lachen und klagen oder nach Gott zu rufen. Es ist uns natürlicher, nach Gott zu rufen. Ja, wir sind vielleicht noch sehr unsicher mitten drin zwischen dem Trümmerfeld unseres bisherigen Lebens, unserer alten Welt und der Möglichkeit, es nun mit Gott zu wagen. Wir sind vielleicht kaum erst unruhig geworden in unserem tiefen Schlaf (wir hier in der Schweiz, die wir eigentlich gar nichts Schweres persönlich durchzumachen hatten, vielleicht noch besonders!3), wir zweifeln vielleicht mit gewissem Recht an dem Ernst und der Aufrichtigkeit unserer Zeitgenossen, wir stehen vielleicht noch sehr abseits von der großen Bewegung und Frage, die heute durch die Welt geht. Aber darum sollten wir weder uns selbst noch Andere davon ausschließen. Die Frage, ob denn heute die Menschen wirklich nach Gott rufen, kann man nur damit beantworten, daß man selbst damit den Anfang macht. Gott ist uns nicht fremd. Unsere Oberflächlichkeit ist uns fremd. Unsere alten Götter sind uns fremd. Alles das, was uns jetzt unsicher wird, ist uns fremd. Aber Gott, der uns heute ruft, damit wir nach ihm rufen sollen, ist uns nicht fremd. Es ist die Heimat, die uns ruft, wenn er uns ruft. Wir waren zuerst bei ihm, und dann erst kamen wir in alles das hinein, dessen Vergehen sich heute ankündigt. Wir kommen von Gott her, darum können wir heute weniger als je glauben an all das, was nicht wirklich zu ihm hinführt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt! 4 Es bewegt sich ja auch in uns. Und wie es sich in uns |347 bewegt, so bewegt es sich auch in den Anderen. Wir müssen nur von innen heraus mitfühlen mit der Not und Sehnsucht unserer Zeit, statt sie von außen zu betrachten und kluge Gedanken darüber zu spinnen. Es bewegt sich, weil wir Menschen alle ursprünglich und anfänglich Gottes sind5, seine verirrten Kinder, seines Geschlechts verlorene Angehörige [vgl. Act. 17,28], seines Reiches fremdgewordene Bürger. Aber doch immer noch Kinder, Angehörige, Bürger, Gesalbte Gottes, die nur darauf warten, daß Gott uns wieder anschaut. Laß leuchten dein Angesicht, so genesen wir [Ps. 80,4.20]! Das ist die tiefste Wahrheit über den heutigen Menschen. O nichts Fremdes, Unbekanntes, Fernes müssen wir begreifen, um Gott zu begreifen - nur uns selbst verstehen, uns selber treu werden, unser Herz, unser tiefstes Herz endlich reden lassen. Nicht an unsere Gottlosigkeit und [an] die Anderer zuviel denken, in der wir heute scheinbar mit Gott fertig sind, sondern an die Vergebung, von der wir auch in unserer Gottlosigkeit getragen sind und mit uns die vielen Anderen und die uns gerade heute die Macht gibt, mit Gott neu anzufangen. Dann verstehen wir Gott, verstehen unsere Zeit, klagen nicht mehr über das große Erdbeben, treiben kein törichtes Spiel mehr zwischen den Trümmern, verlieren keine Kraft mehr, zu halten, was doch nicht zu halten ist, verirren uns nicht mehr auf sinnlose, böse Wege, sondern brechen durch: Gott, unser Schild, schaue doch!

5. Aber darüber müssen wir uns klar sein, daß das etwas Großes ist, wenn Gott uns wieder anschaut. Wir müssen wissen, was wir tun, wenn wir nach Gott rufen. Wir kommen damit nicht mitten in die Seligkeit und Gerechtigkeit hinein, sondern auf einen Wachtposten gleichsam an einer Grenze. Nicht umsonst ist in unserem Psalm von den Vorhöfen Gottes die Rede, in die wir dann allenfalls zu stehen kommen, an die Tür seines Hauses, die wir dann allenfalls hüten dürfen. Wenn wir mehr wollen, erreichen wir weniger.

Wohl braucht es ein stürmisches Wagen und Hindurchbrechen zur Erkenntnis Gottes. Aber das Verhältnis, in das wir dann zu Gott kom|348men, ist ein überaus feines, zartes. In aller Ehrfurcht, Aufmerksamkeit und Zurückhaltung müssen wir ihm gegenüberstehen. Da gibt’s nichts zu stürmen, zu rauben, an uns zu reißen. Da können wir nur lebendig werden und dann wachsen und reifen. Auf einen hohen Berggrat sind wir gestellt [?]; da müssen wir wandeln [?], ein Abgrund zur Rechten, ein Abgrund zur Linken, und vorsichtig und fein unsere Schritte setzen [?]. Ein kostbares Gefäß ist in unsere Hand gegeben, mit erhobenen, festen Händen müssen wir es tragen, und kein Tropfen sollte verschüttet werden. Es liegt also auch wieder ein gewisser Verzicht darin, eine Einschränkung unserer Wünsche und Hoffnungen, wenn wir anfangen, nach Gott zu rufen. Wir müssen warten können. Das weiß Mancher nicht, der heute gerne von Herzen nach Gott rufen möchte. Er versteht das Feine daran nicht, den Respekt, das Warten, das dazu gehört. Wir dürfen z. B. nicht erwarten, daß wir mit Gott sofort große oder auch nur kleine Wirkungen und Erfolge erzielen werden. Ganz wird das ja nicht fehlen; aber das wird dann nur gleichsam hinzugetan. Damit rechnen dürfen wir nicht. Böse werden, wenn es uns nicht gelingen will, dürfen wir nicht. Die Erkenntnis Gottes wird uns vielmehr zunächst in Vielem die Hände binden, uns zu Vielem in einen gewissen Abstand bringen. Gott drückt uns nicht ein Rezept oder einen Fahrplan in die Hand für die Einzelheiten des Lebens, wir müssen es erst wieder lernen, zum Ganzen des Lebens ins rechte Verhältnis zu kommen. Darüber kann lange Zeit verstreichen, und unterdessen stehen wir oft recht ratlos da, ratloser als solche, die von Gott nichts wissen. Wir müssen es uns gefallen lassen, uns von ihnen überflügeln zu lassen. Wenn wir nur bei aller Ungeschicklichkeit und Erfolglosigkeit weiter offen und bereit bleiben zu lernen. Wir stehen eben in den Vorhöfen, aber ein Tag in den Vorhöfen ist besser denn sonst tausend. |

Wir dürfen auch das nicht erwarten, daß wir mit Gott gleich zu einer großen Einigkeit und Gemeinschaft mit anderen gleichgesinnten Menschen kommen werden. Man kann oft beobachten, daß gerade Menschen, denen es mit Gott ernst wird, gar nicht eins werden untereinander, während die Gottlosen ganz gut miteinander auskommen. Dabei dürfte es freilich nicht bleiben, aber es ist auch nichts Schreckliches dabei, sondern es hat etwas Natürliches. Wenn es uns mit Gott ernst wird, dann werden wir eben damit stark auf uns selbst gestellt, |349 gegen andere Einflüsse abgeschlossen, zugespitzt gleichsam, d. h. auf ein Ziel gerichtet. Wenn wir dabei mit Anderen zusammentreffen, so ist das wieder eine glückliche Zugabe, für die wir dankbar sein wollen, aber es versteht sich nicht von selbst. Es ist besser, wir rechnen damit, zunächst einsam zu werden auch unter unseren Nächsten. Es ist darum ganz verfehlt, wenn die Menschen, sobald sie ein wenig erwacht sind, meinen, alsbald zusammenlaufen und einen Klumpen [?] bilden zu müssen. Damit wird die rechte Einigkeit verdorben, die in der Stille wachsen möchte. Wir müssen warten und der Tür hüten lernen, jeder seiner Türe zunächst; ich will aber lieber der Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten. |

Und so ist’s sogar mit dem inneren Frieden der Seele. Man darf auch da nicht erwarten, mit Gott alsbald ein großes inneres Licht, eine große Freude und Freiheit zu bekommen. Etwas davon wird sich ja schon [?] einstellen mit der Zeit, aber es ist verdächtig, wenn es zu schnell kommt, und es ist besonders verdächtig, wenn man zu laut und sicher davon reden kann. Ein ruhiges Gewissen, ein getröstetes Herz, eine aufrichtige Zuversicht, eine klare, weise Einsicht ins Leben - das sind große Dinge, die man sich nicht nur so vom Baum reißen kann. Die Menschen, die es ohne Gott machen, kommen auch darin viel schneller weit, und wir dürfen uns dadurch nicht irre machen lassen. Gott tut uns die Augen auf, und da sehen wir in unserem Leben und in dem Anderer Vieles, was nicht geeignet ist, uns ruhig zu machen. Gott führt uns aus dem sicheren Hafen aufs hohe Meer heraus, und da sind Wellen und Stürme. Gott führt uns nicht breite, lichte, volle Straßen6, sondern schmale Wege und durch enge Pforten [vgl. Mt. 7,13f.], und da geht es ohne Seufzen nicht ab. Es ist ein viel besseres Zeichen für unsere Gemeinschaft mit Gott, wenn wir tief innen in unserem Herzen noch unruhig sind und zu seufzen haben; es ist ein Zeichen dafür, daß Gott noch etwas vor hat mit uns. Wenn wir so ölglatt zufrieden und sicher geworden sind, könnte es das Zeichen sein dafür, daß Gott uns bereits weggeworfen hat. In den Vorhöfen ist unser Platz, Tür hüten ist unser Amt, freuen wir uns, wenn wir diesen |350 Platz und dieses Amt bekommen. Alles Andere sind Übergriffe, die uns nicht zustehen.

Das muß heute gesagt sein, wie es auch im Psalm gesagt ist. Denn wenn heute die Gefahr besteht, daß Viele nicht aufwachen, nicht merken, daß man jetzt nach Gott rufen müßte, so besteht gerade heute auch die andere Gefahr, daß Viele zu schnell, zu hitzig, zu aufdringlich werden und Gott zu nahe treten. Beides führt uns an Gott und am Leben vorbei. Gott will in Ehrfurcht angerufen sein. Das ist’s, was heute zur Geltung kommen muß.

6. Wenn wir das begreifen und zur Geltung kommen lassen, dann gehen wir sicher. Wir brauchen dann nichts zu befürchten: weder den Sturm und Drang der Welt, der uns ängstigt, solange wir Gott nicht erkannt haben, noch die Erfolglosigkeit, die Einsamkeit, die Unruhe, in die wir hineinkommen, wenn wir Gott erkannt haben. Es handelt sich bei dem allem ja nicht um uns, sondern um Gottes Ehre, die an den Tag kommen will. Wenn wir uns diesem Gedanken hingeben, dann sind wir geborgen. Es wird uns dann Alles wieder gegeben, was uns jetzt scheinbar genommen wird [vgl. Lk. 18,29f. par.]. Es wächst und kommt dann Alles, was jetzt scheinbar nur in so nichtigen Anfängen vorhanden ist in uns. Wir müssen nur treu werden und treu sein, daran liegt Alles [vgl. 1.Kor. 4,2]. Darin erfüllt sich dann auch der Sinn unserer Zeit. Die neue Welt kommt, wenn wir treu werden und treu sind im Rufen nach Gott. Je weniger wir nach links und rechts und auf uns selber sehen, um so näher kommt die Erfüllung. Möchten sich heute Viele bereit machen, unentwegt auf Gott zu schauen, damit er auch uns wieder anschauen kann.

Lieder:
  • Nr. 168 «O daß doch bald dein Feuer brennte» von G. Fr. Fickert, Strophen 1-3. 6 (RG [1998] 816,1-3.6; EG 255,1-3.6 mit geringen Textabweichungen) 🎵
  • Nr. 294 «Mir nach! spricht Christus, unser Held» von J. Scheffler, Strophen 1.5.6 (RG [1998] 812,1.4.5; EG 385,1.4.5; jeweils mit Textabweichungen) 🎵

Sachfußnoten

1
In der Morgenfrühe des Bettags, 21.9., an dem Pfarrer Grob aus Aarau Barth vertrat - «welche Erleichterung, so einmal dem Bettag zu entrinnen!!» (Bw. Th. I, S. 344 📖) -, reiste Barth bis Frankfurt/Main, am 22.9. nach Tambach (Thüringen), wo er am 25.9. den Vortrag «Der Christ in der Gesellschaft» hielt. Am 26./27.9. reiste er zurück bis Basel, wo er am Sonntag, 28.9., eine Predigt von Adolf Preiswerk hörte. Wer in Safenwil predigte, ist nicht ersichtlich.↩
2
Vgl. oben S. 51, Anm.1.↩
3
Die besondere Situation der Schweizer aufzuhellen, gehört zu den Aufgaben des Bettags, dem Barth diesmal «entronnen» war; vgl. oben Anm.1.↩
4
Aus Strophe 3 des Liedes 162 «Wach auf, du Geist der ersten Zeugen» von K. H. von Bogatzky (EG 241,3; die Strophe fehlt in den jüngeren schweizerischen Gesangbüchern) 🎵.↩
5
Vgl. oben S. 206, Anm.1.↩
6
Anspielung auf Strophe 2 des Liedes 250 «Wenn ich ihn nur habe» von Fr. von Hardenberg 🎵:
…
Lasse still die andern
Breite, lichte, volle Straßen wandern.
↩