Epheser 5,3-14
Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht soll, wie es sich Heiligen geziemt, nicht einmal in euren Worten vorkommen, auch kein Geschimpfe und weder grobes noch feines Geschwätz, weil das für euch nicht paßt - wohl aber das Danken. Denn das merkt euch und begreift es: kein Unzüchtiger, Unreiner oder Habsüchtiger, welcher ist ein Götzendiener, hat Anrecht am Reiche Christi und Gottes.
Da soll euch Keiner darüber täuschen mit schönen Redensarten: Wegen solcher Dinge kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Werdet nur nicht ihre Genossen! Denn ihr waret einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn. So wandelt als Kinder des Lichts - das Licht hat seine Früchte in Allem, was gut, recht und wahr ist - und bekommt ein Gefühl für das, was dem Herrn wohlgefällig ist.
Und nehmt nicht Teil an dem unfruchtbaren Tun der Finsternis, weist es vielmehr offen zurück! Was im Verborgenen von ihnen getrieben wird, ist ja wohl schandbar, auch nur zu sagen. Aber wenn es offen zurückgewiesen wird, so wird es vom Lichte aufgehellt - und Alles, was aufgehellt wird, wird damit selbst Licht. Darum heißt es: Wache auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten!
1. Wenn wir’s anfangen zu merken, daß Gott ein
strenger Herr ist, so wollen wir uns darüber freuen als über eine große Gnade.
Peinlich ist’s, wenn wir das Leben für eine höchst einfache Sache
halten und gar nicht gewahr werden, in welcher Finsternis wir uns eigentlich befinden -
wenn dagegen Licht in unsere Augen kommt, so daß wir wenigstens gewahr werden, daß unser
Leben wirklich Finsternis ist, dann ist das nicht peinlich, sondern sehr erfreulich. Ein
Unglück ist’s, wenn unsere Gerechtigkeit noch steif und gerade
dasteht und wenn wir darum meinen, mit etwas Verstand und gutem Willen oder auch mit
einigen frommen Gedanken und Rührungen könnten wir unseren Weg getrost gehen - wenn uns
dagegen das Rückgrat einmal gebrochen wird und wir merken müssen: Alles, Alles, was ich
gedacht und getan habe und denke und tun werde, das genügt nicht, das befriedigt nicht,
das führt zu keinem Ziel, dann ist das kein Unglück, sondern das größte Glück, das uns
widerfahren kann. Schlimm ist’s, wenn wir denken, es sei leicht, es
Gott recht zu machen. Gott sei
ja doch nur ein |257 klein wenig mehr als das, was man sonst
Anstand und Moral heißt, und soviel würden wir schon auch fertig bringen, - wenn wir
dagegen gewahr werden, wie groß Gott ist, wie unendlich weitgreifend seine Sache, wie
hoch seine Ziele, wie wichtig unsere treue und exakte Mitarbeit, wenn wir gewahr werden,
was das eigentlich heißt: Gott treu sein, und darüber erschrecken, dann ist das nicht
schlimm, sondern sehr hoffnungsvoll. Wir sollten Gott loben und preisen, wenn wir einmal
um diese Ecke gesehen haben. Es ist schade, daß wir uns so
gewaltig dagegen sträuben, uns dahin bringen zu lassen. Es ist
schade, daß wir uns oft, wenn wir schon dort waren, so unaufrichtig die Augen verschlossen vor der Wahrheit und dann natürlich nicht sahen, was
dort zu sehen war. Es ist schade, daß so viele Betrübte,
Gedrückte, Kranke, die eigentlich dieser Gnade ganz nahe waren, sich so gar nicht wollen
sagen lassen, daß jetzt ihre gute Stunde angebrochen sei. Es ist schade, daß wir so oft
schon ganz tief beunruhigt, ergriffen, erschüttert waren, ganz
voll von der heilsamen Frage nach Gott - daß wir es dann doch wieder fertig brachten,
auf irgend einem Weg oder Weglein zurückzufliehen in die vorige Sicherheit und
Bequemlichkeit und Einfachheit. Es ist schade, nein, es ist nicht nur Schade, sondern es
ist ein großer Jammer, daß es so ist. Denn das ist das große
Hindernis zwischen uns und Gott, das viele Klarheiten, viele
Hilfen, Erleichterungen und Siege, die wir jetzt schon haben könnten, unmöglich macht.
Das ist auch das große Hindernis zwischen Gott und der Welt. Gott
wollte und könnte unserer armen Welt ganz anders der barmherzige, starke, bewegende Gott
sein. Aber einer Welt voll ungebrochener, unerschütterter, unzerknirschter Menschen kann
er es immer noch nicht sein. Wenn wir’s merken und aufrichtig dabei bleiben, daß Furcht und Zittern das uns Geziemende ist dem Leben und Gott
gegenüber, dann fängt das Leben an. Wenn du mich demütigst,
machst du mich groß [
Menschen, die in großer Gottesferne sind, können es leicht
nehmen. Menschen, die Gott nicht brauchen kann, können es sich
mit Gott bequem machen. Menschen, die vor dem Licht und vor der Kraft
Gottes sicher sind, können ihre Sicherheit haben und behalten. Wir sollten sie
nicht beneiden. Wir sollten Gott danken,
wenn wir diesen Vorzug nicht mehr haben. - Wenn uns das Leben
schwer wird, so ist es |258 ein Zeichen der
Barmherzigkeit Gottes, der sich uns zuwendet. Wenn wir ratlos und
verlegen dastehen vor der Heiligkeit und Erhabenheit des Guten, so ist es ein
Zeichen, daß Gott etwas mit uns im Sinn hat. Wenn viel von uns
gefordert wird, so ist es ein Zeichen, daß uns viel gegeben ist
[vgl.
2. Es ist z. B. ernst und
streng geredet, wenn
3. Auch das ist streng
geredet, wenn es uns da so strikt verwehrt wird, mit den Kindern des Ungehorsams
Gemeinschaft und Genossenschaft zu pflegen, am gleichen Seil zu ziehen, die gewöhnlichen Wege
|261 und Methoden der Welt mitzumachen. Es ist streng geredet,
wenn wir da so eindringlich gewarnt werden vor den schönen Redensarten, mit denen wir nur wieder unter den Zorn Gottes kommen. Denn die schönen Redensarten, die er da meint, sind wirklich schön. Sie
lauten etwa so: Man muß doch, weil man in der Welt lebt, sich auch der Welt anpassen. Wenn man z. B. sieht, daß Alle ein wenig lügen, so muß man auch ein wenig mitlügen, nicht gerade mehr als
die Anderen, aber doch soviel, um nicht in Nachteil zu kommen. Wenn man sieht, daß fast
niemand ganz ehrlich versteuert, muß man’s auch nicht tun. Wenn
man sieht, daß man nicht gehört und verstanden wird, wenn man fein und bescheiden redet,
muß man auch grob werden und auf den Tisch schlagen. Wenn man
sieht, wie schlau die Leute sind, muß man auch schlau werden. Und
dann läßt sich ja das Göttliche immer noch mit dem Weltlichen vereinigen, indem man ihm neben den vielen anderen Halbheiten auch noch irgendwo
einen halben Platz in seinem Leben einräumt. Man könnte das alles auch schön sagen, aber
das sind die schönen Redensarten, die
Aber etwas Anderes geht uns hier an. Neben dem, daß ihr auch
noch Finsternis seid und in der Finsternis wandelt, seid ihr doch
schon auch Kinder des Lichts. Das Licht besteht darin, daß man mit Gott immer auch anders kann, anders als die Anderen. Vielleicht nur ein klein wenig anders, versucht’s nur einmal damit, nehmt nur das
einmal ernst. Redet nicht so viel und so wichtig über das, was ihr
müßt von der Welt aus, sondern besinnt euch einmal ernstlich über das, was ihr könnt von Gott aus. Wandelt als Kinder des Lichts! Seht,
wie da wieder aus dem Strengen, Ausschließlichen auf einmal das
Freundliche
|262 wird. Es handelt sich gar nicht um
das, was wir allenfalls auch noch mitmachen müssen, weil wir in
der Welt sind, wie ja auch der Heiland gesagt hat: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!
Es handelt sich um das, was man schon kann: Gott geben, was
Gottes ist [
4. Und noch einmal scheint es uns streng geredet, man müsse nicht nur selbst anfangen, anders zu sein
als die Anderen, sondern es auch bei den Anderen offen
zurückweisen, also den Kampf von Licht und Finsternis auch in der Welt aufnehmen,
das Böse beim Namen nennen und dagegen
protestieren und so eigentlich Gott helfen bei seiner Arbeit. Wenn man daran
denkt, wie schwierig das ist, das in der rechten Weise zu
tun, wie ungern man sich selber etwas sagen läßt, geschweige denn
Andere, wie leicht man da durch eigene Ungeschicklichkeit Alles verdirbt beim besten Willen, dann steht man da erst recht vor der riesenhaft
großen Aufgabe des christlichen Lebens. Da werden sich schon damals Manche gesagt haben:
das ist nichts für mich, das mögen Andere tun, die es können und
mögen und dürfen. Was gehen mich die Anderen an? Was geht mich die Welt an? Und wie schwer es uns fällt, dem Ernst dieser christlichen Pflicht
nachzukommen, die Wahrheit zu sagen und zwar nicht nur, wie es uns paßt und wie wir
damit groß tun können, sondern wie wir sie wissen und wie es nötig ist - das wißt ihr
selbst. Nun, wir mögen auch hier unsere Ausreden und Gründe
aufeinanderbauen, so hoch wir wollen, wir kommen dem
5. Seht, wir können nur durch den Heiland glückliche Menschen werden. So tief gedemütigt und so hoch erhoben. So streng gehalten und so freundlich geleitet. So gefangen und so frei. Wir müßten nur einsehen [?], wie immer Beides zusammenhängt. Nicht stecken bleiben im Einen, sondern uns führen lassen vom Einen zum Anderen. Dazu muß aber unser Herz weich und zerknirscht und beweglich werden. Es ist etwas Großes um einen folgsamen, lenksamen Geist! Dann geht uns das Licht auf in unserem Leben, und die dunkle Welt bleibt dann nicht dunkel. Denn die Christen sollten die Welt nicht anklagen. Die Welt wartet auf die Christen.
- Nr. 40 «Gott des Himmels und der Erde» von
H. Albert , Strophen 1-3 (RG [1998] 566,1-3; EG 445,1-3; jeweils mit Textabweichungen) - Nr. 298 «Mache dich, mein Geist, bereit» von
J. B. Freystein , Strophen 1.3.6 (GERS [1952] 302,1.3.5; EG 387,1.-. 3)