25. Mai 1919

Epheser 2,11-22

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Epheser 2,11-22

Darum gedenket daran, daß ihr, die ihr einst nach dem Fleisch Heiden gewesen seid und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die Beschneidung genannt sind (nach dem Fleisch, die mit Händen gemacht ist!) - daß ihr zu jener Zeit außer Christus waret, ohne Anteil an der Bürgerschaft Israels und ohne Anrecht auf die Testamente der Verheißung, ohne Hoffnung und ohne Gott in dieser Welt.

Jetzt aber, in Jesus Christus, seid ihr, die ihr einst ferne waret, nahe geworden durch das Blut Christi.

Denn er ist unser Friede. Er hat aus den Getrennten Eins gemacht und den Zaun, der dazwischen war, der Feindschaft, niedergerissen. Er hat in seinem Fleische das Gesetz der in Satzungen gebrachten Gebote abgetan, damit er als Friedensstifter aus zweien einen neuen Menschen schaffe in ihm selber und die Getrennten als ein Leib versöhne mit Gott durch das Kreuz. Er hat die Feindschaft getötet durch sich selbst.

Und so ist er gekommen und hat Frieden verkündigt euch, die ferne waren, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir, die bisher Getrennten, den Zugang zum Vater in einem Geist.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern seid Bürger mit den Heiligen und Hausgenossen Gottes, erbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, da Christus Jesus der Eckstein ist. In ihm wächst Alles, was darauf gebaut ist, zusammengefügt zu einem heiligen Tempel im Herrn. In ihm werdet auch ihr gebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.

1. In Gott sind wir einig. Wir müssen es nicht erst werden, wir sind es schon. In Gott sind wir nicht nur Viele, sondern in der Vielheit der Glieder ein Leib. Von Gott sind wir bei aller Verschiedenheit gemeinsam getragen und bewegt. Im Lichte der Wahrheit Gottes betrachtet, stehen wir alle, wo wir auch stehen mögen, an der gleichen Sache, in der gleichen Not, aber auch in der gleichen Hoffnung. Und in der Kraft Gottes verstehen wir einander, freuen wir uns übereinander, helfen wir einander. In Gott ist Friede auf Erden - ist Friede, hört ihr’s, so gewiß eben Gott ist und so gewiß die Erde des Herrn ist und was darinnen ist [Ps. 24,1].

Gott weiß nichts von den Gegensätzen, die uns trennen, und sofern wir in Gott sind, wissen auch wir nichts davon. Sie betreffen nicht Gott und nicht das an uns, was aus Gott geboren ist. Wir haben verschie|199dene Meinungen, Standpunkte, Ideen und Interessen. Das ist wahr, und das läßt sich nicht wegwischen. Es ist ein unerhörter Reichtum oder auch ein verwirrendes Durcheinander an verschiedenen Wahrheiten, von dem wir Menschen erfüllt und umgetrieben sind. Das wird in der heutigen Zeit deutlich offenbar, sogar in einer kleinen Gemeinde wie der unsrigen, oft in der gleichen Familie, oft zwischen den nächststehendsten Menschen. Junge Leute möchten sich freuen über den Reichtum und die Bewegung, ältere möchten eher seufzen über das Durcheinander, aus dem man nicht mehr drauskomme. Es ist jedenfalls so. Die Verschiedenheiten sind vorhanden. Aber es ist nicht wohlgetan, in Gott getan, wenn wir uns um der Verschiedenheiten willen voneinander trennen, uns fallen lassen und abstoßen. In Gott sind wir einig. In Gott meinen wir bei allen Verschiedenheiten das Gleiche. Denn wenn wir uns fragen, woher sie eigentlich kommen, so können wir schwerlich auf etwas Anderes kommen, als daß es Gaben Gottes sind, die wir entweder rechtmäßig empfangen haben von ihm durch seine Güte oder die wir uns übermütig genommen haben durch unsere Frechheit und Voreiligkeit, - Lichtstrahlen aus dem Schatz seiner Herrlichkeit, entweder direkte, reine Strahlen oder aber gebrochene und getrübte durch das schmutzige Glas unserer Herzenshärtigkeit. - Es kommt alles Eigene, was wir sind und haben, entweder aus Gottes Gnade oder aus unserem Abfall von Gott. - Es ist uns geschenkt, oder es ist von uns geraubt. Es gibt im Grunde nichts Eigenes. Um das, was uns nicht gehört, können wir aber nicht streiten. Es kommt von Gott. In Gott aber ist kein Streit. Alle menschliche Größe, die echte und die unechte, alle menschliche Wahrheit, die reine und die verkehrte, alle menschliche Gerechtigkeit, die wahre und die eingebildete, sie ruhen im Frieden seiner Hände1. Er weiß nichts von unseren Streitigkeiten. Und unser Herz weiß auch nichts davon. Es ist bei allen Gegensätzen, die uns bewegen, etwas in uns, das nicht mitstreitet, das nicht hineingezogen sein will in die Gegensätze. Unser Herz steht über den Parteien. In unseren Herzen sind wir einig. Unser Herz ist still zu Gott, der uns hilft [vgl. Ps. 62,2].

200 Was wird in Gott aus unseren Gegensätzen? Wollen wir etwa die faule Parole ausgeben, unsere Verschiedenheiten seien gleichgültig? Gleichgültig, ob wir gläubig seien oder ungläubig, frei oder gefangen, ernst oder leichtfertig, offen oder borniert, verständnisvoll oder verständnislos gegenüber den Zeitereignissen? Tue recht und scheue niemand!2 Wollen wir die Grundsätze der Grundsatzlosen verherrlichen, die Partei der Parteilosen, den Standpunkt derer, die überhaupt nirgends stehen? Dann wollen wir uns wohl hüten, den Gott des Friedens zum Schanddeckel unserer Geistesschwachheit und Unaufrichtigkeit zu machen, die gut und böse, schwarz und weiß am liebsten ununterschieden lassen möchte. Das hat Paulus in seiner Beschreibung des Friedens, der durch Christus gestiftet ist auf der Erde, auch nicht getan. Er hat die Juden und die Heiden miteinander verglichen und keinen Augenblick daran gezweifelt, daß die Juden tausendmal mehr und die Heiden tausendmal weniger göttliches Recht und göttliche Wahrheit auf ihrer Seite hatten. Er hält das den Heiden auch ganz offen vor: Ihr waret weit weg, sagt er ihnen, während jene nahe waren. Es gibt Recht und Unrecht, Wahrheit und Irrtum, Gottesgemeinschaft und Gottlosigkeit, und das verteilt sich nicht etwa gleichmäßig auf alle Menschen, so daß man nach bequemer Art sagen könnte: Alle haben Recht und alle haben Unrecht. Nein, es gibt eine Partei, die mehr, und eine andere, die weniger das Richtige trifft, es ist hier mehr Gnade und dort mehr Abfall. Es sind hier mehr reine und dort mehr getrübte Strahlen vom anfänglichen Gotteslicht. Aber nicht wahr, fährt er dann fort, nun ist ja etwas anders geworden zwischen euch Juden und euch Heiden, zwischen euch Rechthabern und euch Unrechthabern. Was waret ihr, fragt er die Heiden, und sie müssen ihm antworten: außer Christus, ohne Anteil an der Bürgerschaft Israels, ohne Anrecht auf die Testamente der Verheißungen, ohne Hoffnung und ohne Gott in dieser Welt. Das ist wenig, das ist nichts, das ist ein scharfes Urteil über sie. Aber was seid ihr nun?, fragt er weiter, und sie können antworten: Nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen. Das ist viel, das ist Alles, da stehen sie auf |201 einmal in einem ganz neuen, erfreulichen Lichte. Das ist’s, was in Gott wird aus unseren Gegensätzen. Das Verhältnis der Rechthaber und der Unrechthaber wird ein anderes. Es gehen unsichtbare Türen auf zwischen ihnen. Abraham ist nicht nur der Juden Vater, sondern auch der Heiden, die in die Nachfolge seines Glaubens eintreten wollen. [vgl. Gal. 3,7-9]. Die Wahrheit gehört nicht nur denen, die sie erkannt haben, sie haben sie nur in Aufbewahrung übernommen auch für die, die sie jetzt noch nicht erkennen. Das Recht ist nicht das Eigentum derer, die Recht haben, sie verwalten es nur für die, die jetzt noch nicht Recht haben. Eine gute Sache kann gar nicht Parteisache bleiben, sie hat den Drang in sich, die Sache aller Menschen zu werden. - In Gott wird aus den Gegensätzen unserer Verschiedenheiten ein Teilnehmen. - Die Heiden bekommen Anteil an Israels Segen und Verheißungen. Die Armen dürfen sich zu den Reichen stellen und ihren Reichtum mitgenießen. Die Unrechthaber treten frank und frei an die Seite der Rechthaber und haben auch Recht. Die Irrenden werden die Brüder derer, die die Wahrheit kennen, denn es ist auch ihre Wahrheit. - Die vorher Getrennten stehen nicht mehr da, die hier, die dort, sie sind in gemeinsame Bewegung gekommen. Sie sind noch, was sie sind, Juden und Heiden, Rechthaber und Unrechthaber, und doch in dieser gemeinsamen Bewegung auch schon etwas Drittes, Höheres. Sie können wohl noch streiten, aber nicht mehr im Ernst, nicht mehr mit Trennungsgedanken, sondern wie im Spiel, zur Erklärung, zum gemeinsamen Fortschreiten. Die Verschiedenheit ist nicht beseitigt, wie die Verschiedenheit von Mann und Frau in der Ehe nicht aufhört, aber aus der Verschiedenheit wird nun etwas Neues, Besseres erzeugt und geboren, dem wenn nicht die Gegenwart, so doch die Zukunft gehört. Die Verschiedenheiten lösen sich nicht auf, sie werden aber zu Bausteinen an der Behausung, die Gott bei den Menschen, nicht nur bei einzelnen, sondern im Ganzen des Menschheitslebens haben will. Die gegensätzlich gestellten Menschen trennen sich nicht mehr; sie wachsen miteinander in das hinein, was größer ist als beide Teile.

Aber wie ist ihnen das möglich, wie kommen sie dazu? Nicht damit, daß sie zueinander sagen: Wir müssen auszukommen suchen, weil wir aufeinander angewiesen sind. Das ist gegenüber den ernsten Gegensätzen, von denen wir z. B. heute bewegt sind, eine ganz unzulängliche Weisheit. Sondern im Geist, sagt Paulus, wird’s wahr, daß |202 wir einig sind. Der Geist ist die Macht Gottes. Wenn die Macht Gottes durchbricht bei den Menschen, wenn die Menschen erkennen, woher sie ihre Ideen und Meinungen haben, die wahren und die falschen, wenn sie wieder verstehen, wo das Gute, das mehr und das weniger Gute, seinen Ursprung hat, wenn die Rechthaber nicht mehr hochmütig sind, sondern nur noch dankbar und die Unrechthaber nicht mehr blind, sondern nur noch erschrocken und Beide nur noch demütig, wenn es hüben und drüben klar wird, daß die Verschiedenheiten der Menschen Stücklein sind vom Gewande Gottes, geschenkt hier, geraubt dort, vollkommen hier, unvollkommen dort - dann wird Friede gestiftet, dann öffnen sich die unsichtbaren Türen zwischen den Parteien, dann kommt’s zum Geben und Nehmen, zuerst zwischen den Reichen und Armen und dann zum gemeinsamen Weiterfortschreiten, dann kommt das Herz zu seinem Recht, das Herz in uns, das immer weiter sucht als alle unsere Gerechtigkeit und Weisheit, das Herz, das auch in den größten Rechthabern und Unrechthabern nicht streiten, sondern lieben möchte. Der Geist des Lebens ist’s, der dieses Wunder fertig bringt. Der Geist macht’s eben wahr, daß wir in Gott sind und in Gott einig sind.

2. Es ist ein Wunder, darüber wollen wir uns nicht täuschen. Dieses «in Gott sein» und «in Gott einig sein» gegensätzlicher Menschen ist ein unerhörtes, unerwartetes, über alle Maßen einschneidendes und entscheidendes Ereignis. Wir können das nicht nur so sagen und annehmen: in Gott sind wir einig, so wahr es ist. Es ist nicht ein Gemeinplatz, kein Kalendersprüchlein wie unsere menschlichen Friedensweisheiten. Es bedeutet die ungeheuerste Wendung, wenn die bisher Getrenntstehenden bewegt werden sollen zu gemeinsamer Arbeit, wenn das, was zwischen den Menschen steht, weggenommen werden soll, wenn es zu jenem Geben und Nehmen kommen soll zwischen denen, die mehr und die weniger Recht und Wahrheit haben. Der Geist versteht sich nicht von selbst. Die Demut versteht sich nicht von selbst, weder bei den Rechthabern noch bei den Unrechthabern. Meinen Frieden gebe ich euch; nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt [Joh. 14,27]! Dazu hat Christus sterben müssen. In diesem Sinn müssen wir an Gott denken, wenn wir das sagen und annehmen, daß wir in Gott einig sind. Ohne diesen mächtigen und lebendigen Sinn ist’s |203 nämlich nicht wahr, daß wir einig sind. Denn ohne das sind wir gar nicht in Gott.

Ohne Gottes Wunder sind wir uneins, müssen es sein, müssen immer uneiniger werden. Wenn wir’s vergessen, daß unser Verschiedenes von Gott kommt und solange wir uns nicht daran erinnern wollen, wird unser Verschiedenes immer gegensätzlicher. Die Juden werden immer jüdischer und die Heiden immer heidnischer. Die Rechthaber bekommen immer mehr Recht und die Unrechthaber immer mehr Unrecht. Die Gläubigen versteifen sich immer mehr in ihrem Christentum und die Ungläubigen immer mehr in ihrer Weltlichkeit. Das, was zwischen den Menschen und Parteien steht, ist dann furchtbar ernst. Die Wahrheit, die die Einen haben, treibt sie rücksichtslos immer weiter und weiter in ein gesetzliches, fanatisches, ausschließliches Wesen hinein. Und die Unwahrheit, in der die Anderen sich befinden, treibt sie ebenfalls weiter und weiter in den Leichtsinn, in die Faulheit, in die Gier hinein, nur schon den Anderen zum Trotz. Der unerlöste Mensch ist notwendig entweder ein Pharisäer oder ein Weltkind, entweder ein Eiferer oder ein Oberflächlicher, entweder ein Dränger und Treiber oder ein Schläfer. Und zwischen beiden ist Feindschaft, muß es sein. Das Göttliche selbst, ohne Gott, ohne Gottes Kraft und Wunder, scheidet sie. Es entwickelt sich dann auf der einen Seite eine Gottlosigkeit im Bösen, im Mammon, in der sinnlichen Lust, in der Eitelkeit, auf der anderen Seite ebenfalls eine Gottlosigkeit - im Guten3, in der Gerechtigkeit, in der Frömmigkeit, im Fanatismus jener schrecklichen Parteimenschen, die nur mit einem Auge die Welt anzuschauen scheinen. Aber Gottlosigkeit hüben und drüben, in der Kapelle und im Wirtshaus, bei den Ernsten und bei den Ausgelassenen, bei den Freisinnigen und bei den Sozialisten. Wenn wir darauf angewiesen wären, einig zu werden, ohne uns zu Gott zu kehren, so müßte man zum vornherein prophezeien, daß wir nicht einig werden können, daß alle vorhandenen Gegensätze noch viel schrecklicher ausbrechen werden. Das Herz, das lebendige Herz des Menschen, das nach dem Frie|204den fragt, wird ungestillt bleiben, und das Bild der Welt wird immer gleich grausig sein. Wenn nicht alle Zeichen täuschen, haben wir ein großes Beispiel dieser gänzlich unfruchtbaren Art der Friedensstiftung vor uns in dem, was heute in Paris geschieht4. Die Gegensätze von Recht und Unrecht, Wahrheit und Unwahrheit sind zu ernst, als daß der Mensch ohne den Geist, ohne die Demut, ohne Gottes Macht und Wunder darüber hinwegkäme. Daran scheint auch die Tatsache nichts zu ändern, daß Präsident Wilson ein fleißiger Bibelleser und Predigtbesucher und Beter5 und Lloyd George sogar Anhänger einer besonders strengen Sekte6 ist. Auch die eifrigsten Christen können eben nicht Friedensstifter sein ohne den Geist und ohne die Demut. Wir können gerade an diesem Beispiel sehen, was uns allen mangelt.

3. Aber auch das, was fehlt: Christus selbst. «Durch ihn haben wir, die Getrennten, den Zugang zum Vater in einem Geist.» Da kommt die Stimme des Herzens, die in uns allen ist, zu ihrem Recht. Da erscheint die neue Welt, in der die Guten nicht mehr ohne die Bösen sind, die Bösen nicht mehr ausgeschlossen von den Guten. Er geht den Weg des Guten, reiner, vollständiger, konsequenter als je ein Eiferer es sich hat träumen lassen. Und er erleidet den Fluch des Bösen, schwerer, schrecklicher, als je ein Weltmensch unter seiner Lage gelitten hat. Er lebt in voller Gemeinschaft mit Gott, aber er nimmt die Gottlosen mit, er trägt sie, er vergibt ihnen, er versöhnt sie, er hilft ihnen. Er hat |205 Recht, aber er kann auch Unrecht haben. Die Guten haben ihm ihre Gemeinschaft mit den Bösen beweisen müssen, und die Bösen haben ihm gegenüber gezeigt, daß auch sie vom Guten nicht loskommen. «So ist er gekommen und hat uns Frieden verkündigt.» Er ist unser Friede. In seinem Leibe sind die Getrennten vereinigt. Sie können sich alle in ihm wiedererkennen. Er geht sie alle an. Das Kreuz Christi ist das Ende der Parteien und Gegensätze. Nur das Kreuz. Aber das Kreuz ist das Ende. Hier bricht der Geist durch. Hier ist die Erinnerung an den Ursprung und die gemeinsame Heimat für die Gerechten und für die Ungerechten. Hier kommt Gott selbst zur Geltung als der Herr über Alle, die ihn anrufen, über denen, die ferne, und über denen, die nahe sind. Zu rühmen hat sich Keiner [vgl. Eph. 2,9]. Es kann aber auch jeder teilnehmen am Werk Gottes. Das Werk Gottes wird für alle wichtig und groß. Darum können sich die getrennten Menschen hier wieder finden. Das ist die Macht, die Wende Gottes in ihm. Die Versöhnung mit Gott versöhnt auch die Menschen, sie schafft eine neue Menschheit. Und so ist’s das Aufmerken auf diese Versöhnung mit Gott in Christus, von der wir Hilfe zu erwarten haben. Was daran vorbeigeht, das kann nicht Frieden stiften. Was Forschen und Fragen, Bitten, Suchen und Anklopfen ist an diesen Türen [vgl. Mt. 7,7 par.], das wird uns den Frieden bringen. Es handelt sich um die große Wendung, daß wir uns in Christus zu Gott kehren und Gott die Ehre geben. Sofern wir in dieser Wendung stehen, ist der Zaun auch für uns niedergerissen, heute schon.

Lieder:
  • Nr. 148 «Komm, o komm, du Geist des Lebens» von H. Held, Strophen 1-3 (RG [1998] 509,1.2.-; EG 134,1.2.-) 🎵
  • Nr. 166 «Der du in Todesnächten» von Chr. G. Barth, Strophen 1.2.4 (GERS [1952] 362,1.2.4; EG 257,1.2.-) 🎵

Sachfußnoten

1
Vgl. J. W. von Goethe, Westöstlicher Diwan I,4, «Talismane» 📖:
Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Okzident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände.
↩
2
1911 hatte Barth im Genfer Gemeinde-Blatt eine kleine Abhandlung über dieses «Sprüchlein» geschrieben in: Vorträge und kleinere Arbeiten 1909-1914 (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 1993, S. 288-292 📖.↩
3
«Von der Gottlosigkeit des Menschen im Bösen» und «Die Gottlosigkeit des Menschen im Guten» heißen die Überschriften der Erklärungen zu Röm. 1,19ff. und Röm. 2,1ff. in: H. Kutter, Das Bilderbuch Gottes für Groß und Klein, I. Römerbrief Kapitel 1-4, Basel 1917 📖. Die beiden Kapitel wurden 1918 auch als «Sonderdrucke» herausgebracht.↩
4
Vgl. oben S. 186, Anm.2.↩
5
Vgl. Kl. Schwabe, Woodrow Wilson, Ein Staatsmann zwischen Puritanertum und Liberalismus, Göttingen / Zürich / Frankfurt 1971, S. 8.18 📖: «Wilson bekannte sich damit zu einem religiös-moralischen Rigorismus, der leicht den Charakter starrer Selbstgerechtigkeit annehmen und der vor allem leicht mit dem liberalen Credo in Konflikt geraten konnte, das Wilson dann als Politiker angenommen hat. … An der täglichen Ausübung seines Glaubens durch Bibellesungen hielt er streng fest. … Das Wort Gottes und das von diesem abgeleitete Vermögen, moralische Urteile zu bilden, sah er als Hauptquelle politischen Denkens an. Ohne Gott als ‹Steuermann unserer Seelen› konnte er sich die demokratische Selbstbestimmung des Volkes nicht vorstellen.»↩
6
Lloyd George, selber religiös nicht engagiert, wurde zuerst dadurch weithin bekannt, daß er für die Rechte der «Nonconformists» oder «Dissenters» eintrat, d. h. insbesonders radikaler Gruppierungen außerhalb der Kirche von England.↩