27. April 1919

Lukas 24,36-43

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Lukas 24,36-43
[Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße: ich bin’s selber. Fühlet mich an und sehet: denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fisch und Honigseim. Und er nahm’s und aß vor ihnen.]

1. «Er selbst, Jesus, trat mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!» So läßt Gott sein Licht triumphieren über allen irdischen Dämmerungen. So richtet er sein Recht auf und verteidigt es gegen die verkehrten, traurigen Anschauungen der Menschen. So bestätigt und erfüllt er das Tiefste, was als Ahnung und Sehnsucht doch auch im Menschen lebt. So setzt er das Ende einer alten Ordnung und den Anfang einer neuen. So offenbart er in unserer Welt der Sünde, des Jammers und der Sterblichkeit seine Wahrheit, die im Ursprung war und die zuletzt allein Wahrheit sein wird. So spricht er ein neues Mal: es werde! und es wird [Gen. 1,3], es wird eine neue Kreatur, Schöpfung, Welt, ein neuer Mensch mit neuen Augen und Ohren, ein neuer Himmel und eine neue Erde, nicht wie die vorigen waren [vgl. Jes. 65,17], sondern von oben her das alles, reine, volle, ganze Gottesgedanken und Gottestaten und Gottesworte. So beweist und bewährt Gott, daß er Gott ist. Morgenglanz der Ewigkeit2 geht auf über denen, die da saßen in Finsternis und Schatten des Todes [vgl. Lk. 1,79]. Jesus, auferstanden von den Toten, er zeigt das alles, er bringt es, er setzt es in Kraft und Wirksamkeit, er ist es. Er erklärt und beschreibt es nicht nur, er verheißt und verkündigt es nicht nur, er ist es . Denn die Welt Gottes mit ihrem Frieden und ihrer Klarheit hilft uns nicht, solange sie |166 nur beschrieben und verkündigt wird. Das ist der Jammer der Kirche, daß wir hier immer noch so tief im bloßen Beschreiben und Verkündigen drin stecken. Die Welt Gottes hilft uns von dem Augenblick an, wo sie nicht nur besprochen und gemalt und gefühlt wird, sondern ist und wirkt als sichtbares, greifbares Leben. Denn die Wahrheit hat es an sich, daß sie sich nicht begnügen kann mit Worten und Bildern, sondern nach dem Leben drängt. Bevor das geschieht, bleibt sie uns verborgen, können wir zweifeln, zaudern, schwanken, irren. Die Erkenntnis der Wahrheit ist Lebensoffenbarung. Jesus, er selbst, mitten unter den Menschen, mit seiner Friedensbotschaft, wie er am Ostertag unter seine Jünger trat, ist Lebensoffenbarung. Leiblich auferstanden, bewies und bewährte er die Herrlichkeit Gottes. Darum ist Jesus die Hilfe für die Menschheit. Er ist es, indem er in der Kraft Gottes ein Neues schafft und setzt.

2. Ich brauche es wohl kaum erst auszusprechen, daß Jesus uns Menschen von heutzutage erst zum allerkleinsten Teil das ist, was er eigentlich ist, die Kraft Gottes, die eine neue Kreatur hervorbringt. Wir stehen insgesamt noch tief in den Ordnungen und Kräften einer alten Welt, die er überwunden und erledigt hat. Bei uns steht Alles erst im Werden, im Kommen, im Zukünftigen. Wir sind im besten Fall in Bewegung gesetzt, der großen Lebensoffenbarung entgegen. Wir leben davon, daß wir in Bewegung gesetzt sind. Jesus ist auferstanden. Das Ziel ist uns gegeben, dem wir entgegengehen, und der Anlauf ist uns gegeben, daß wir ihm wirklich entgegengehen. Weil Jesus lebt, darum fehlt es auch uns nicht ganz an Lebenskräften des Mutes, der Liebe, der Geduld. Es gibt sogar Augenblicke und Lagen, da wird dieses Jesusleben in der Menschheit jetzt schon so stark, daß im kleinen Kreis und für eine kurze Zeit etwas fast Vollkommenes entsteht, ein Stücklein Himmel auf Erden. Wir müßten nur besser die Augen auftun, so würden wir merken, daß dieses «Jesus mitten unter uns» auch uns gar nichts so Fernes und Unmögliches ist. Aber es ist doch immer nur ein Stücklein, ein Teil von dem «Jesus selbst», wie er dort unter seine Jünger getreten ist. Wenn wir das Ganze unseres Lebens ansehen, müssen wir uns gestehen, daß uns das Ganze des Jesuslebens, das dort erschienen ist, noch fremd ist. Die kleinen Lichter, die uns etwa aufgehen, können uns doch nur sehnsüchtig [machen] nach dem |167 großen Licht, dem Licht vom unerschaffnen Lichte3. Tausende von Konfirmanden haben jetzt Jesus kennen, vielleicht sogar lieben gelernt, aber was Jesus eigentlich ist, das muß er ihnen und uns allen erst werden. Ostern liegt hinter uns, das große Ostern, das über die Jünger Jesu kam wie Erdbeben und Sonnenaufgang, und die Osterfeier, in der wir uns alljährlich dankbar jenes Ereignisses erinnern, aber die Auferstehung liegt nicht hinter uns, sondern vor uns. Die Hauptsache der Ostergeschichte kommt erst.

Die Gefahr ist immer vorhanden, daß sie vielleicht nicht kommt. Wir müßten viel mehr erschrecken über die Möglichkeit, daß uns auch Ostern wieder ein Wort und Bild wird, wo es doch Ereignis und Leben sein will. -4 Was hilft uns die schönste Erinnerung an Jesus, wenn sie uns nicht vorwärtsführt, wenn wir uns begnügen lassen an dem, was wir vielleicht vom Jesusleben schon kennen und haben? Es liegt Alles, Alles daran, daß die Bewegung, die dort angehoben, weitergeht. Das Stücklein, das wir jetzt haben, strebt nach dem Ganzen. Das Fünklein, das jetzt glüht, will zum Feuer werden. Das Bächlein, das jetzt fließt, eilt dem Meer entgegen. -5 So stehen wir heute da, dankbar und doch sehnsüchtig, befriedigt und doch ungenügsam, reich und doch arm, in der Erkenntnis der Klarheit Gottes im Angesichte Christi [vgl. 2.Kor. 4,6] und doch voll Verlangen nach einer vollendeten und abschließenden Erscheinung des Heilands. Wir haben etwas gehört von seiner Botschaft: Friede sei mit euch!, aber nicht wahr, wir möchten und wir müssen und wir werden das ja noch einmal ganz, ganz anders hören.

3. Unterdessen wollen wir uns freuen darüber, daß wir in einer Zeit leben, in der von Jesus, von seinem Kreuz und seinem Leben, wenigstens wieder geredet wird. Das war ja das Hoffnungsvolle in der Lage auch jener Jünger, bevor er selbst mitten unter sie trat: sie redeten davon. Dieses Reden war durchaus nicht umsonst. Damit machten sie es ihm gewissermaßen möglich, in ihre Mitte zu treten, und bereiteten sich selbst darauf vor, ihn zu sehen, wenn auch das, was sie dann zu sehen bekamen, viel größer und schöner war als das, was sie darüber |168 gedacht und gesagt hatten. Ein aufrichtiges, ernstes Reden und Hören von Jesus im Gedanken an seine Auferstehung ist mehr als bloße Worte. Wir können daran denken, wie in der ersten Zeit durch das Aussprechen des Namens Jesu Wunder und Zeichen getan worden sind [Act. 3,6]. Jesus bekennt sich eben zu denen, die von ihm reden müssen, weil sie keine andere Wahl haben, weil sie außer ihm keinen Trost, keine Hilfe, keine Hoffnung haben [vgl. Act. 4,20]. Wo man das Wenige, das wir von der Auferstehung erkennen, bewegt in seinem Herzen, da wird fortzu6 Vieles daraus, und die Bahn wird frei, daß einmal ein Ganzes daraus werden kann. Das ist das Hoffnungsvolle an unserer Zeit, daß von Jesus wieder geredet wird in weitesten Kreisen. Vielleicht nicht so, wie wir es in der Kirche gewohnt sind, aber eigentlich nur um so stärker, aufrichtiger, ernster. Unsere Zeit hat im Gegensatz zu früheren wieder ein starkes Empfinden für die Not der Welt, für die Gottverlassenheit des Menschen, wie er jetzt ist. Sie läßt sich nicht mehr so schnell darüber hinweg trösten, sie spürt, wie unerträglich eigentlich Alles ist, was der Mensch zu seiner eigenen Erlösung unternimmt und unternehmen muß. Wo man von dieser Not ehrlich, ganz ehrlich redet, da redet man doch von Jesus, gleichviel ob nun sein Name dabei genannt wird oder nicht. Unsere Zeit ist der bloßen Worte müde geworden und will Taten sehen und Taten tun7. Mögen wir uns irren in dem, was wir tun möchten, mögen wir vielfach aus alten nur wieder in neue Worte hinein geraten. All dieses Reden aus der Sehnsucht nach Kraft und Leben, das heute hörbar durch die Welt geht, ist recht verstanden ein Reden von dem, der eben die Lebensoffenbarung ist, von Jesus. Unsere Zeit hat wieder Sinn und Gefühl für das Ganze, das Vollkommene. Warum kann die Menschheit nach den furchtbaren Anstrengungen und Leiden der letzten fünf Jahre nicht zur Ruhe kommen, warum zieht sie es vor, sich selber noch ganz aufzureiben und zu zerfleischen an fast wahnsinnigen Gedanken und Taten?8 |169 Schrecklich das alles, ja wohl, aber doch auch nur ein Anzeichen dafür, daß der heutige Mensch beim Halben, Teilweisen, Vorläufigen nicht stehen bleiben möchte. Zu tief ist er erschrocken über sich selbst, zu groß ist die Hoffnung, die in ihm lebt. Wahrhaftig, wer, von dieser Hoffnung bewegt, heute reden muß, der redet von Jesus, und wenn er dem sogenannten Christentum noch so fern stünde. |

Unsere Zeit weiß aber auch dies, daß das, was ihr fehlt und wonach sie sich sehnt, etwas Persönliches, Lebendiges sein muß, nicht nur eine neue Idee, nicht nur eine bessere Ordnung, nicht nur andere Verhältnisse, sondern ein Mensch wie wir, aber ein ganz anderer Mensch, ein Mensch voll Geist und Kraft, ein Mensch, der sagen könnte, was wir alle nicht sagen können, und geben, was wir alle nicht geben können, ein Mensch, der in der Not unserer Welt drinstünde und doch aus ihr herauszuführen die Macht hätte. Es ist merkwürdig, wie davon heute eigentlich überall geredet wird: bei den Gelehrten, bei der Jugend, bei den Künstlern, bei den Arbeitern: Einer, Einer sollte jetzt kommen, einer, der mehr wäre als Luther und Napoleon, einer, der von oben her das wäre, was Lenin von unten her sein möchte9, ein Reformator und Revolutionär und Organisator, ein Denker und Prophet in einer Person. Einer, der alledem, was uns jetzt als Hoffnung bewegt, greifbar, sichtbar Gestalt gäbe. Von was reden sie denn anders, sie alle, die jeder auf seine Weise von diesem Einen reden, der jetzt nötig wäre, als eben von Jesus, der es ja verheißen hat, daß er erscheinen werde, sein Werk zu vollenden. Mögen sie ihm jetzt in der Verwirrung auch andere Namen geben, es ist doch im Grunde sein Name, der heute auf allen Lippen liegt. Wir wollen uns auch darüber freuen, daß in unserer Zeit auch in der Kirche wieder ehrlicher und deutlicher von Jesus geredet wird und daß das Gehör und die Aufmerksamkeit dafür im Wachsen begriffen ist. Viel Feierliches und Rührendes aus früheren Zeiten mag uns darüber abhanden gekommen sein, und dem mögen nun Manche nachweinen, dafür fangen wir aber, ehrlicher, an, deutlicher zu verstehen, um was es sich handelt, wenn wir am Sonntag hier zusammenkommen, haben wieder einen gewissen Sinn bekommen |170 für das Neue, Ewige, Umwälzende im Christentum, eine Offenheit für das eigentliche Jesusleben, um das es sich ja handelt, wenn das Göttliche zur Sprache kommt. Ist es das Verdienst der Gemeinde oder das Verdienst der Pfarrer, oder ist’s nicht Jesus selber, der uns nötigt, in dieser neuen Weise von ihm zu reden und zu hören? Könnten wir es tun, wenn wir es nicht müßten, wenn es nicht in der Luft läge, in der offenen Bibel sowohl wie in der allgemeinen Weltlage, daß heute von Jesus, von den Gottesgedanken, Gottestaten und Gottesworten in Jesus wieder offen und freudig und dringlich geredet würde?

4. Daß es nicht beim Reden bleibt, dazu müssen wir nun freilich Sorge tragen. Wir wissen ja: Reden an sich hilft uns nichts. Reden an sich ist die Verborgenheit der Wahrheit, ist das verschlossene Grab, mit Siegeln verschlossen, von den Heiden bewacht. Reden an sich ist sogar gefährlich. Es hat schon oft solche hoffnungsvollen Zeiten gegeben wie die heutige, und dann wurde den Menschen das Reden so wichtig, daß sie die Hoffnung selbst vergaßen und den Fortgang der Bewegung vernachlässigten und die neue Erscheinung des Heilands unmöglich machten. Es kam jedenfalls schon dort bei den Jüngern am Abend des Ostertages sehr darauf an, wie und was sie von Jesus redeten. Wir hören ja, wie allerlei in ihnen war, was der Erscheinung des Auferstandenen stark zuwider war: Furcht und Schrecken und Gedanken, die in ihren Herzen aufstiegen, wie es heißt. Wäre das alles noch stärker in ihnen gewesen, etwa so wie jetzt auch bei uns, so wäre es auch dort beim bloßen Reden geblieben, und Jesus hätte nicht in ihre Mitte treten können. Es muß aber trotz Allem etwas Offenes in ihnen gewesen sein, das stärker war als ihre teilweise Verschlossenheit, und dieses Offene ermöglichte es Jesus, unter sie zu treten. Diese Offenheit wieder zu bekommen, wird die Hauptaufgabe für unsere Zeit sein, wenn es uns ernst ist mit unserem Reden von Jesus. Nicht das Reden tut’s, sondern daß wir durch das Reden immer merkiger10 und gelehriger werden für Jesus selbst, immer bereiter, empfänglicher, empfindlicher für sein bevorstehendes neues Auftreten, immer erwartungsvoller für seine Lebensoffenbarung. Ihr Reden von ihm kann uns darin sogar hindern und damit auch ihm selbst im Wege stehen, wenn wir nicht Sorge |171 tragen. Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß die Vollendung des göttlichen Werkes auf Erden durch die neue Erscheinung des Heilands zwar eine plötzliche Tat Gottes sein wird, die zur bestimmten Zeit eintreten wird, wenn Alles reif dazu ist, gerade wie die Auferstehung Jesu selbst. Sie wird aber uns nicht plötzlich zum Bewußtsein kommen, sondern nach und nach wird das neue Jesusleben, das von oben kommt auf den Wolken des Himmels, wie es im Neuen Testament heißt [vgl. Mk. 13,26 par.], sich auf der Erde geltend machen in Taten und Ereignissen, in Befreiungen und veränderten Verhältnissen. Jesus wird nicht da oder dort sein [vgl. Mk. 13,21 par.] wie etwa Calvin in Genf11 oder Wilson in Paris12, um seine Rolle zu spielen nach Menschenart. Sondern hier und dort wird er sein als lebendige, persönliche, göttliche und doch menschliche Macht, die die Menschen angreift, beunruhigt, erleuchtet und umgestaltet und ihr Leben damit. Bis sie alle so weit sind, daß sie ihn sehen können, wie er ist. |

Es wird also Alles darauf ankommen, daß wir offen sind zu merken, daß er selbst es ist, der da kommt in neuer Macht vom Himmel her. Dieser Offenheit stand schon damals viel im Wege und so erst recht bei uns. Die Jünger haben wohl etwas von ihm gesehen und gehört, aber sie meinten, es sei ein Geist. Sie hatten vielleicht schon etwas zu viel von ihm geredet und waren nun nur auf etwas Geistiges gefaßt, merkten nicht, daß es ernst wurde. Wie es etwa uns geht, wenn wir aus einer schönen Predigt nach Hause kommen und vor lauter Geist gar nicht merken, daß es nun ernst wird. Wo man zu viele Worte macht und sich zu sehr verliert und begeistert daran, verliert man leicht den Geschmack für das Wirkliche. Wir sind heute ziemlich sehr in der Gefahr, daß wir bei den vielen und schönen Worten, die wir jetzt haben, uns doch nur auf etwas Geistiges gefaßt machen, auf neue Gedanken, neue Theorien, eine neue Religion und wie diese Gespenster alle heißen. |172 Nicht umsonst redet heute schon das einfältigste Zeitungsblatt von dem neuen Geist, der jetzt nächstens kommen müsse. Wir könnten über diesen schönen geistigen Erwartungen leicht die Hauptsache vergessen und verkennen, die persönliche, lebendige Macht Jesu selbst, die sich da und dort, hier so, dort anders sichtbar und greifbar geltend machen wird, wenn es Zeit ist, und für die dann offene Augen und Ohren nötig sein werden. Vielleicht, daß Jesus in seiner Herrlichkeit uns schon viel näher ist, als wir denken. Als er am Abend des Ostertages unter seine Jünger trat, da zeigte er ihnen seine Hände und Füße, da aß er mit ihnen. Er wird auch zur Vollendung seines Werkes ebenso menschlich, irdisch und lebendig in unsere Mitte treten. Nicht als neuer Geist, sondern in lauter neuen Lebenserscheinungen. Gerade darin, daß er uns so leiblich, lebendig, wirklich, praktisch begegnen wird, wird er sich unterscheiden von den falschen Christussen, an denen es bis ans Ende nicht fehlen wird [vgl. Mk. 13,6 par.]. Selig sind, die dann nicht an ihm vorbeisehen, sondern ihn suchen dort, wo er zu finden ist. Denn zu denen, die dann offen sein werden, nicht nur für Gedanken und Religionen, sondern für seine wachsende Macht im Leben, wird er sagen und sagt es schon heute: Ich bin’s selber!

Lieder:
  • Nr. 43 «Morgenglanz der Ewigkeit» von Chr. Knorr von Rosenroth, Strophen 1.4.5 (RG [1998] 572,1.4.5; EG 450,1.4.5) 🎵
  • Nr. 163 «Eine Herde und ein Hirt» von Fr. A. Krummacher, Strophen 2.5.6 (GERS [1952] 385,2.5.6; EKG 220,2.5.6)13

Sachfußnoten

1
In Leutwil vertrat Barth seinen Freund Thurneysen (Kanzeltausch?); in Seon, ca. 5 km nördlich von Leutwil, vertrat er den von beiden Freunden sehr geschätzten Pfarrer Max Dietschi (vgl. Bw. Th. I, S. 18, Anm.1 📖).↩
2
Eingangslied; s. unten.↩
3
Aus der ersten Zeile des Eingangsliedes.↩
4
Markierung durch senkrechten Blaustiftstrich.↩
5
Markierung durch senkrechten Blaustiftstrich.↩
6
= immerfort.↩
7
Vgl. J. W. von Goethe, Faust I, V.214f. (Vorspiel auf dem Theater) 📖:
Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
↩
8
Es ist beispielsweise an die wiederholten Unruhen in Deutschland zu denken (6./7. April 1919: Ausrufung der Räterepublik Bayern in München) und an die wachsende Zentralisierung in Rußland nach dem 8. Parteitag der KPR (18.- 23.3.1919).↩
9
Am 13. April schrieb Barth an Thurneysen: «Dazu eine Serie von Bolschewiki-Abenden im Arbeiterverein mit Betrachtungen über die Lenin’schen Vorder- und Hintergründe». Barths Manuskripte dazu werden in Abteilung III der Gesamtausgabe veröffentlicht werden.↩
10
= aufmerksamer.↩
11
J. Calvin, im April 1538 vom Rat der Stadt ausgewiesen, folgte im September 1541 nach längerem Widerstreben den dringlichen Rufen der Genfer, die ihm mit weitgehenden Zusicherungen für die Gestaltung der Kirchenordnung entgegenkamen.↩
12
Woodrow Wilson, von 1913 bis 1921 Präsident der USA, formulierte 1918 ein amerikanisches Friedensprogramm und war an der Abschwächung der französischen Forderungen im Versailler Friedensvertrag von 1919 wesentlich beteiligt.↩
13
Unter die Liednummern hat Barth mit Bleistift geschrieben: «162,2,8». Möglicherweise ließ er im Nachmittagsgottesdienst in Seon statt des Morgenliedes Nr.43 das Lied Nr.162 «Wach auf, du Geist der ersten Zeugen» von K. H. von Bogatzky und A. Knapp, Strophen 2 und 8 singen (RG [1998] 797,2.7; EG 241,2.8 🎵; jeweils mit Textabweichungen).↩