5. November 1920

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

[…] Ich sende die Beilagen das nächste Mal zurück. […] Der Römerbrief 📖 bringt mich arg ins Gedränge. Eben schickt mir Lempp einen Klagebrief: der Absatz unter seinen letzten Mohikanern von der 1. Auflage 📖 nehme überhand (an einem Tag 12!). Er hätte auf Weihnachten einen großen Schlag führen wollen mit der 2. Auflage, er hätte es sogar für möglich gehalten, eine 2. Auflage [der 1. Fassung] noch vor der Neubearbeitung (die dann zur 3. geworden wäre) zu verkaufen. Und nun drängt er: «so schnell wie irgend möglich». Was soll ich tun? Hätte ich nur einen Vikar und könnte drauflosarbeiten. Wenns geht, hoffe ich ihm anfangs nächster Woche wenigstens das 1. Kapitel in den Rachen werfen zu können. Und dabei die Aussicht, daß die zweite, nicht mehr so handliche Gestalt des Buches kaum so «gehen» wird wie jetzt die erste zur Freude des Herrn Lempp. Was soll ich tun? Den Kessel unter Volldampf setzen, daß die Ventile heulen, oder seinem Drängen ein grundsätzliches: «numme nit gsprängt!»1 entgegensetzen? Das mit dem Neuabdruck der 1. Auflage ist natürlich nichts. Aber was dann?

Mit herzlichem Gruß
dein
Karl

Sachfußnoten

1
= nur nicht überstürzt.↩