11. September 1917

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Ich war in Bern und habe mit «unserm Verleger», Herrn Bäschlin, ein längeres Gespräch gehalten. Er ist, durch Pestalozzis Auftreten sichtlich mitbestimmt, sehr höflich und willig und wird |230 sich sicher Mühe geben. Es wurde deutlich, daß ihm eine Abhandlung über das, was wir sagen wollen, eigentlich lieber wäre als eine Predigtsammlung, die viele Vorurteile gegen sich habe. Die zwei Vorträge zum Schluß sind ihm sehr wichtig, wir dürfen sie also nicht fallen lassen.1 Sehr billig kann das Buch 📖 nicht werden: er berechnet es auf 4-5 Fr. Ich denke kaum, daß wir weniger als je 6 Predigten geben können, wenn die Sache auch nur einigermaßen abgerundet herauskommen soll. Praktisch wäre das Resultat dieses: 1. Auf den 1. Oktober müssen wir ihm unser Manuskript einsenden. Also sei gewaltig an der Arbeit. 2. Innerhalb der nächsten 4 Tage müssen wir ihm definitiv den Titel angeben können, wegen des Weihnachtskatalogs, in welchen wir noch (unter «Religiöse Literatur»!) hinein müssen. Darüber müssen wir uns also sofort schlüssig werden. «Es ist Alles bereit» fand er gefährlich, Spott und Widerspruch sofort herausfordernd. Was für ein dummes Geschäft, so nach einer Fahne zu suchen! Aber die Sache sei höchst wichtig und entscheidend, sagt er. Bitte, bitte setze dich hin, besinne dich, und mach mir umgehend Vorschläge. Mir fällt gar nichts ein. Vielleicht: «Die eherne Schlange»!! oder irgendetwas Schönes aus den Patriarchengeschichten. Also schnell, schnell! Ich verlasse mich ganz auf dich.

Es steht uns dann noch viel Schlimmeres bevor, nämlich die Abfassung eines Waschzeddels für die Versendung, auf dem wir in vier Sätzen packend und sensationell sagen müssen, was wir eigentlich wollen!!! Aber das kommt später.

Der Römerbrief 📖 muß auf 1. September 1918 fertig vorliegen, weil immer die Weihnacht der Termin ist, auf den solche Schläge geschehen müssen. Ohne einige Wochen oder Monate Urlaub wird es kaum abgehen, wenn die Sache gut werden soll. Und auch so wird es ein gedrängtes Jahr werden für mich. […]

Die Organisationsbewegung hier geht weiter, die Mitgliederzahl hat sich mehr als verdoppelt. Der Fabrikant wehrt sich krampfhaft, bald mit Einzelkündigungen (die Gesamtkündigung wird revoziert!), bald mit Einzellohnerhöhungen. Am Samstag war eine weitere Versammlung, an der Lejeune und ich redeten. Heute |231 Abend gehts wieder los. Es ist eine Zeit, wo sich allerlei bewährt und nicht bewährt.

Was machst du am Bettag?

Herzliche Grüße dir und Marguerite.
Dein
Karl

Schreibe bald! Brich hervor!