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17. Juli 1917
Liebe Freunde!
Was macht ihr? Wie gehts? […] Ich habe unterdessen den Tholuck1 ganz gelesen und allerlei Merkwürdiges entdeckt, aber mehr Merkwürdiges als Erfreuliches. Das Bild vom Pietismus, das man sich macht, rundet sich nach und nach ab, und man wird nun wirklich bald auch wieder etwas anderes lesen können. Doch bin ich jetzt am Menken,2 und da ist der positive Ertrag in der Tat besser. Hast du den ausführlichen Traum von Tholuck3 gesehen im Anhang, über die Wiederkunft Christi, die er quasi verglunggt?4 Da wirds ziemlich deutlich, was sie im Grunde selber von sich denken mußten! Gestern und heute habe ich nun meinen Vortrag für die Basler Knaben5 gemacht, das Meiste in großer Morgenfrühe. Es ist ein ziemlich großes Werk mit mehreren auf- und niederklappenden Scharnieren, wie du sie nicht so liebst. […] Es wäre diesmal wirklich gut, wenn du auch kämest, schon um mir in der Diskussion beizustehen, wo ich allein unter Geisteskämpfern wie Wirz6 und Arnold7 vielleicht bedroht wäre. Wie wäre es, wenn du am Sonntag 29. hierher kämest und dann am Montag früh mit mir nach Buus? Ich habe ihnen versprechen müssen, ein paar Tage zu bleiben, und würde es etwa bis Donnerstag tun, je nachdem es dort ist. Ich komme am Dienstag dran. Von dir [als] «Jugendpfarrer» könnte ich bei dem Anlaß lernen, wie |216 man mit solchen Jünglingen väterlich und doch fest verkehrt. — Mit [den Predigten über] Jeremia ists unter dem Segen der Boller «Briefblätter» von 18878 weitergegangen, nächsten Sonntag die «eherne Mauer» [Jer 1] v. 18. Ich habe jüngst Nelly die gewaltige Hofacker-Predigt XLIV «wider das Hinken auf beiden Seiten»9 vorgelesen. Sie machte uns starken Eindruck. Abends nahmen wir dann als Gegenstück die Blumhardt’sche von der «Magerkeit der Kirche»10 entgegen. […] Wir lesen auch «Prometheus» von Spitteler11 zusammen.
Herzliche Grüße von Groß und Klein!