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17. Juli 1917
Liebe Freunde,
Hier allerlei vom Tage. Nr. 1 Brief von Pestalozzi mit Auskünften über die wahren Gesinnungen der Außersihler Pfarrer. Man ersieht daraus deutlich, wie in der Außersihler Kirchenpflege keiner dem andern über den Weg traut, und wie jeder den Versuch macht, den zu wählenden Jugendpfarrer von vornherein für sich in Beschlag zu nehmen. Jeder hat kirchen- und parteipolitische Erwägungen und von daher bestimmte Absichten im Blick auf das Jugendpfarramt. Es herrscht da jetzt schon ein seltsames Schieben und Schachern. O Kirchenpolitik! O Parteiwesen! Natürlich ist uns nun klar, daß wir absagen und alle weitern Schritte unterlassen.
Weiter der Artikel im «Kirchenblatt», woraus sich ergibt, daß unsre Bündnerfreunde, Gerber und Cie., nun plötzlich kirchenratsfähig werden und an der neuen Kirchenverfassung mitarbeiten wollen. Ein gefährlicher Weg! Ob es ihnen gelingt, dabei der Sache treu zu bleiben?
Ich bin dieser Tage noch einmal hinter die Lektüre der Schaffhauser Pfarrer Spleiß und Hurter1 gegangen. Spleiß ist wirklich ein selten kräftiger Pietist. Wäre er nur aufrecht und gerade seinen Weg weitergegangen! Ein Hauptfehler bei ihm ist doch, daß er seine Erkenntnisse und Tiefblicke in die Zusammenhänge von Natur und Gnade nicht zu einem Entweder-Oder zusammenfaßt und damit zum Zentrum hindurchbricht, wie es beim altern Blumhardt mit seiner Einsicht in die Wahrheit von Pfingsten geschehen ist. Da zeigt es sich, daß man alle Erkenntnisse nicht um ihrer selbst willen haben darf, sondern nur als Schlüssel, mit dem es Türen zu erbrechen gilt. Da scheidet sich der Weg des spekulativen Betrachters, erst recht des Kirchenmannes von dem des Propheten. Spleiß war doch anfangs auf dem prophetischen Weg, aber nicht entschlossen genug. Es wäre alles recht gewesen: Erweckung und Anstaltsgründung, aber nur als Stationen auf dem Wege, nicht als letzte Ziele und Ergebnisse. Es macht doch einen |215 seltsamen Eindruck, wenn man seine Zeugnisse aus den Jahren der Kraft liest und dann weitergeht und sieht, daß es zu nichts Stärkerem kommt als eben zu einer Erweckung und Anstaltsgründung und endlich zum Antistes.
Also nichtwahr, ihr kommt bald! Von Herzen