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7. November 1916
Lieber Freund!
Da bringt mir die Post zwei Dedikationen, die dich auch interessieren werden, von Wendland1 und von unserm bösen Geist welsche et laïque. Es zeichnet sich zwar keine durch Tiefe aus. Doch wird man ja der Frl. Monastier2 nun schon einmal erklären können, daß unser «Individualismus» noch viel verwunderlicher ist, als sie sich vorstellt. Kutter schreibt mir, ich solle die Besprechung3 […] nur bleiben lassen und das tue ich nun gerne; ich habe jetzt mit Abraham [Röm 4] zu tun.
Gegen deine gestrige Besprechung Becks opponiert etwas in mir. Ich habe noch zu wenig von ihm gelesen, um dir einfach zu sagen, du habest ihm Unrecht getan. Ich übersehe sein Ganzes zu wenig, um einfach zu behaupten, deine Darstellung von einem Teil aus sei eine Entstellung. Aber lies doch nur einmal die Übersicht, die Eck in der R. G. G.4 davon gibt. Das ist doch etwas ganz Anderes, Fruchtbareres als das ordinäre positive Christentum! Sollte dieses Andere nicht auch in der Pastoraltheologie5 bei einiger Liebe auszugraben gewesen sein? Dürfen und sollen wir (bei der Kritik Anderer!) unsre speziellen Blumhardtischen Erleuchtungen über Kirche, Staat, Krankheit etc. zum Kriterium machen? Wer kann dann eigentlich vor uns bestehen? Und ist dieses Vorgehen nicht allzu eilig und billig? Ich möchte ja das Alles nur fragen. Aber es ist mir einfach, um nützlich von Andern |161 zu lernen, müßten wir geduldiger auf das aufpassen, was eventuell jenseits der verschiedenen «Orientierung» in ihrem Denken zum Vorschein kommt. Ich könnte ja z. B. auch meine 20 Schünken6 über den Römerbrief an einen Haufen werfen und frischweg sagen, wie es nach «unsrer» Orientierung Paulus meinen muß, denn da wimmelt es ja nur so von falschen Gesichtspunkten. Aber der Geprellte wäre dabei doch ich selbst. Es kommt mir vor, du habest da gestern ein Verfahren geübt, das du sonst selber eher mißbilligst. Mir aber gebührt für dieses Bedenken ein Käppli mit goldener Troddel! […]
Mit den herzlichsten Grüßen in großer Vorfreude auf Sonntag