Eduard Thurneysen an Karl Barth
Vor dem Zubettegehen noch zwei Worte über die vier Berge an euch. Wir danken dir für die «Merkwürdigkeiten», die uns von dir zukamen. Vor allem aber für die 2 Predigten; in der vom letzten Sonntag sagst du ganz besonders viel Klares und Hilfreiches. Mich hätte es interessiert, wenn du noch mehr nach den eigentlichen Gründen, die hinter dem «Muß» des Leidens stehen, gegraben hättest. Aber zwischen den Zeilen liegt vieles, was als Antwort darauf dienen kann. Ich lege dir meine letzte Predigt bei, sie ist unvollkommen ausgeführt, aber der Gedanke ist doch wohl erkennbar. Im Übrigen habe ich das Gefühl, augenblicklich gar nicht aus irgendeiner Vollmacht reden zu können, ich weiß nicht recht was sagen und wie reden. Ich habe vielleicht ähnlich wie du den Eindruck, man sollte nur so reden, daß der Entscheidungscharakter des Evangeliums klar wird, d.h. nicht über die Sache reden, sondern getragen von der Sache wie auf hoher Flut, sodaß kein intellektuelles und kein erbauliches und kein moralisches Ausweichen davor mehr möglich ist, daß es nur zum Ja oder Nein des Glaubens oder Unglaubens kommen kann, aber es kommt bei mir nicht dazu.
129[…] Daneben gehen umständliche Schulexamina vor sich. Sie enden jeweils bei einem Hock in der Beiz,1 wobei die Tagesfragen aufgerollt werden: Vermutungen über die nächsten Absichten der Entente gegen