30. Oktober 1915

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Hier ein kleiner Sonntagsgruß, der dich freuen wird. Dank für deinen Brief. Daß der La Roche mich in Schöftland so schwerfällig mißverstehen konnte! […] Was soll ich auch dagegen machen, daß sich die Leute links und rechts persönlich von mir betupft fühlen? Und ich meine es doch so harmlos sachlich!! Auf morgen habe ich eine Predigt über die Freude gemacht: Nehemia 8,1–12. Wenn sie mich morgen auch noch etwas freut, so sende ich sie dir zur Einsicht und Vernehmlassung.1 Ich bin durch die Unterweisung u. a. wieder fester in die Sache hineingetrieben worden.

Die Ausnützung der Arbeiterinnen in der Strickerei ist gegenwärtig wieder skandalös. Es könnte wohl sein, daß ich vor der Synode noch einen lokalen Durchbruchsversuch unternehmen muß wie vor 1 1/2 Jahren. Unser Volk ist wirklich wie die Schafe, die keinen Hirten haben [vgl. Mt 9,36], und wie eingeengt sind wir, die wir Hirten heißen, durch unsern Pfarrerkittel.

Herzlichen Gruß und beste Sonntagswünsche und schönen Gruß nach Basel
dein getreuer
Karl Barth

Sachfußnoten

1
= Rückäußerung.↩