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26. Oktober 1915
Lieber Freund!
Es war so gefreut gestern, sich wieder einmal zu sehen und auszusprechen. Du mußt wirklich als Gevatter erst recht fortfahren, mir unermüdlich ins Gewissen zu reden und gleichzeitig das Feuerlein heftig anzublasen; es ist beides sehr nötig. Es brennt bei mir allerlei Pech, Schwefel und Harz mit, um mit Schädelin zu reden, das besser wegbliebe. Und dann stehts oft wieder so flau mit mir, daß nur so ein schäbiges Räuchlein aufsteigt wie letzten Sonntag und meine Gestrenge mich unbarmherzig in die Nähe von Feldpredigern und Quaken1 versetzen muß.
Unser gestriges Gespräch wegen der Vorträge hier hat mich nun bei nochmaliger Überlegung doch dazu geführt, daß ich sie an einer Reihe aufeinander folgender Tage halten lassen will. […] Euer Verfahren in Seon hat sich eigentlich bewährt, warum soll es hier nicht auch gut sein, besser als wenn sich die Vorträge über einen Monat zerstreuen? Bist du so einverstanden? Faß die Sache harmlos als eine Predigt auf, die du vorher oder nachher in Leutwil auch hältst, mir ist nichts lieber, als wenn ihr den Safenwilern einfach predigt.
Es war doch recht gut, daß wir gestern in Schöftland waren. Ich habe den Epprecht eigentlich ganz gern, es steckt etwas so Solides hinter ihm, das mir Eindruck macht und dem gegenüber ich die etwas andere Orientierung nicht als so entscheidend empfinde. Du solltest La Roche2 wieder einmal aufsuchen, wer weiß, ob dann nicht mit den Jahren eine wunderbare «Straße» von Assyrien nach Ägypten [vgl. Jes 19,23], ich wollte sagen von
|98 Leutwil nach Safenwil hinüber entsteht. Es schreien es uns doch eigentlich alle innern und äußern Erfahrungen zu, daß man die Pfarrer nicht aufgeben darf. Genug heute.
Alle grüßen dich herzlich und freuen sich auf deine Wiederkehr und auf deine Braut.