27. Juli 1915

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Du Armer, nun sind deine schönen Tage [mit deiner Braut], die wir im Gemüte miterlebt haben, vorbei und du bist wohl eben in voller Fahrt Richtung Aargau. Da möchte ich dir ein paar herzliche Begrüßungsworte schicken, damit es dir nicht allzu traurig vorkommt, wieder so allein sein zu müssen. Ich zweifle zwar gar nicht, daß du heute Abend im Blaukreuz gewaltig reden wirst, und daß deine Seele überhaupt noch lange voll Klarheit und Freudigkeit sein wird im Gedanken an […] die Braut, deren Angesicht du nun acht Tage lang gesehen hast. […]

Auf der Heimfahrt von Leutwil letzten Dienstag erlebte ich eine Velopanne und sah dafür, wie man in der Velo- und Nähmaschinenfabrik Gränichen Schrapnellzünder für die Franzosen zu Tausenden macht. […] Am letzten Sonntag habe ich deine Predigt noch einmal gehalten, aber ein wenig anders und lange nicht so schön. Du kannst sie dann einmal lesen und dich freuen über die Anregung, die du mir gegeben [hast]. Es war überhaupt fein bei dir damals. Gestern war ich an der Beerdigung des alten Pfarrers Haller, und die Wogen des kirchlichen Lebens schlugen mir über dem Kopf zusammen. M. redete sehr konventionell, F. zweimal lang und erbaulich z. B. über «Väter in Christo» und solche Sachen. […]

Mit herzlichem Gruß
dein
K. Barth

Beiwagen: […] Wir beabsichtigen nun im Ernst, auf die Besuche deiner lieben Braut hin, ein Klavier anzuschaffen. Nelly freut sich aufs Ernsthafteste auf sie und läßt dir sagen, auch dir müsse Musik und Natur wirklich wichtig werden, und wir dürften nicht fernerhin in diesem leichten Ton über diese Dinge reden und schreiben. Ich machte da doch etwas Opposition. Am Sonntag Predigt über die Zukunft der Schweiz Matt. 7,24-27.