Predigt: Matthäus 7,24-27
Diese Worte Jesu, mit denen die Bergpredigt endigt, beschreiben klar und gewaltig das Bestehen und Vergehen des menschlichen Tuns und Wesens.
Es gibt ein Tun und Wesen, das hat Kraft und Wert und Bestand. Das ist und gilt. Das ist Leben aus Leben, Licht aus Licht. Das leuchtet und wirkt wie Gott selber. Das ist Gewalt und Seligkeit, wie sie im Himmel sind. Solches Tun und Wesen kann das unsrige sein. Es ist da, wo die Menschen die Wahrheit Gottes hören und ernst nehmen und ihr gehorsam sind. Aus der Tiefe der Ewigkeit bricht sie auf in des Menschen Herz, zwingt ihn, sie zu sehen und zu anerkennen, nimmt ihm alle Einwände und Bedenken hinweg, macht seine Unsicherheit, Schwachheit und Sündhaftigkeit zunichte, gibt ihm eine siegreiche Macht, die durch keine Zweifel und Schicksalsschläge mehr überwunden werden kann, lehrt ihn, sich selbst vergessen, sich ganz nur noch brauchen lassen, schafft in ihm eine Freude und Seligkeit, die einfach da ist und nicht mehr hinweggenommen werden kann. Ein Stück Gotteswelt bricht da an mitten in der alten Menschenwelt. Wer diese meine Rede hört und tut sie, den vergleiche ich einem klugen Manne, der sein Haus auf den Felsen baute.
Es gibt aber ein anderes Tun und Wesen, und das ist von vornherein Schwachheit, Nichtigkeit und Vergänglichkeit. Das scheint wohl etwas, aber ist nichts. Das raucht wohl und macht Geräusch, aber es wirkt nichts. Das ist kurz, unbedeutend, wertlos, obgleich es sich eine Weile gar groß und gewaltig und wichtig ausnehmen mag. Unser Tun und Wesen kann auch dieser Art werden! Es ist da, wo die Menschen die Wahrheit Gottes zwar auch hören, aber nicht ernst nehmen und ihr nicht gehorsam sind. Die Wahrheit Gottes ist ja überall. Kein Mensch ist ihr so fern, daß er sie nicht vernehmen könnte. Die Tiefen der Ewigkeit könnten überall aufbrechen, nicht nur bei den Propheten und Aposteln und Dichtern. Kein Menschlein ist so töricht und sündhaft, daß es sie nicht schauen könnte. Aber die Menschen können den Brunnen Gottes auch rauschen lassen, ohne daraus zu trinken. Sie können vor Gott die Knie beugen und ihm Opfer bringen, ihn anbeten in Tempeln und Kir|304chen und dabei tatsächlich an ihm vorbeigehen. Sie können eine Religion haben, ein Christentum, und dabei in Wirklichkeit die göttliche Quelle ängstlich und krampfhaft verschlossen halten für sich, den lieben Gott in Ehren halten und auf die Seite stellen als ein schönes Schmuckstück, mit dem man aber nichts anfängt. Das zeigt sich dann in dem, was sie tun und sind. Sie mögen wohl ganz gute, nette Leute sein, aber sie sind keine Helden. Sie mögen allerlei leisten und verrichten, aber es geht kein Segen von ihnen aus. Sie mögen sich wacker halten und in Ehren durchbringen, aber es ist keine Siegeskraft in ihnen für das Gute. Sie mögen zufrieden und glücklich sein, aber sie wissen nicht, was Seligkeit ist. Und die großen Proben und Prüfungen bestehen sie nicht. Wenn die Mächte der Hölle dahergestürmt kommen, wenn die Kräfte des Bösen losgebunden sind und ihr Spiel mit den Menschen treiben, dann sind sie sicher wehrlos mit allem Guten, was sie zu haben meinen. Was nicht aus Gott geboren ist, das überwindet die Welt nicht [vgl.
Meine Freunde! Am heutigen Tag eilen unsere Gedanken zunächst unwillkürlich rückwärts zu dem, was wir am letzten 1. August erlebt haben.1 Wir haben es damals erlebt, mit Schaudern begonnen zu erleben, wie es mit dem menschlichen Tun und Wesen geht, das auf den Sand gebaut ist. Ihr wißt noch, wie es war, als das Weltgewitter losbrach, in dem wir immer noch stehen. Ein Wölklein, so groß wie eines Mannes Hand [
Es kam der Krieg, wir wußten nicht woher und wußten es doch nur zu gut. Es kam eine Zeit, und sie ist noch nicht vorbei, die es mit furchtbarer Ehrlichkeit an den Tag gebracht hat, was der Mensch eigentlich ist. Es kam die Zeit, wo aus der ganzen schwindelhaften Hölle von Moral und Fortschritt und Idealen die Grundsätze: Jeder ist sich selbst der Nächste!2 und: Not kennt kein Gebot!3 hervortraten als der rohe Sinn des Menschenlebens in einer Weise, daß auch der zuversichtlichste Bürger etwas merken mußte. Wir staunten damals und wir staunen ja wohl noch heute, wie das alles möglich war und daß das nun wirklich so sein und andauern kann. Zu sinnlos und schrecklich ist ja das alles, was da kam und bis heute ist. Aber wir sollten endlich aufhören mit dieser kindlichen Verwunderung über den Krieg, als wäre er etwas Unbegreifliches; und auch mit dem Wunsch: Wenn sie doch bald aufhören wollten da draußen!, den wir auf unserer neutralen Friedensinsel immer wieder aussprechen, ist wenig oder gar nichts getan. Der Krieg ist die unmittelbar notwendige Folge des Geistes, in dem die europäische Menschheit bis jetzt gelebt hat. So mußte es kommen, wo die eigentlichsten, tiefsten Wahrheiten des Lebens wohl anerkannt und verehrt, aber nicht ernst genommen und befolgt werden. Ich meine damit nicht das, was man von christlicher Seite gewohnt ist, den «modernen Unglauben» zu nennen. Der ist eine nebensächliche Erscheinung, die es in anderer Weise früher auch gab. An Religion und Kirchlichkeit hat es der Menschheit in den letzten zwanzig Jahren nicht gefehlt. Und wahrhaftig auch nicht an Bildung, an tieferer Einsicht in die Ziele und Aufgaben des Menschenlebens, an guten Gedanken und Bestrebungen zur Hebung der persönlichen und öffentlichen Verhältnisse. Es war viel gutes Wollen und Verständnis zum Helfen da bei den oberen Klassen, mehr, als man manchmal zugibt, und viel aufrichtige Sehnsucht nach Gerechtigkeit in den unteren Klassen, von deren Bedeutung sich die |306 Herren meist keine Rechenschaft geben. Und das waren ja ganz zweifellos Fünklein und Strahlen von dem Lichte des Gottesreiches, das in Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren angebrochen ist.
Aber, ich kann es nicht anders ausdrücken: wir haben das alles nicht ernst genommen. Wir haben wohl alle unser Fünklein in der Seele4 in uns herumgetragen, wir haben da und dort geholfen, ein heiliges Feuerlein zu hüten und zu pflegen, wir waren keine Gottlosen und Lasterknechte, es gab verhältnismäßig wenig Tyrannen und Schurken; wir wollen die Welt gar nicht so schwarz anstreichen, wie es von mancher Seite gemacht wird, sie bot im Ganzen kein unerfreuliches Bild, und es war manches recht und gut, so wie es war. Aber wir merkten nicht, daß das nicht genug ist. Eine gewisse Unruhe in uns sagte uns wohl, daß das noch nicht das Leben sein kann, daß, bevor das wahre Leben anbrechen kann, noch etwas ganz Anderes kommen müßte, aber wir waren schnell bereit, diese Unruhe in uns wieder zu ersticken und weiter zu machen, jedes in seinen kleinen Sörgelein und Freudelein. Wir merkten wohl an gewissen traurigen Erscheinungen des sozialen Lebens, die immer wieder kamen und sich nicht ausrotten ließen, daß in der Tiefe noch schwere, ungelöste Fragen da seien, die einmal in Ordnung kommen müßten, aber wenn es uns nicht ganz persönlich anging, waren wir sehr hurtig, uns wieder zufrieden zu geben und getrost an etwas Anderes zu denken. Wir merkten nicht, daß Gott viel, viel mehr sein will als ein Fünklein in der Seele und ein Trost in der Kirche und ein Flämmlein da und dort in einer christlichen Familie oder bei einer gemeinnützigen Bestrebung oder in einer guten neuen Idee. Wir merkten nicht, daß Gott das ganz Neue ist, das Licht und die Kraft einer ganzen neuen Welt, die Lösung gerade der verborgenen Fragen des Lebens, die die schwersten sind, die Befreiung gerade von den unterirdischen Mächten, die uns beherrschen und die die eigentlichen Höllenmächte sind, der Gott, der allen Jammer stillt5 und allem ungerechten Wesen ein Ende macht, der lebendige Gott!
An diesen lebendigen Gott haben wir nicht geglaubt, ihn haben wir nicht ernst genommen, sondern bei all unserem Christentum, bei all unserer Bravheit und gutem Bemühen auf der Seite gelassen. Es war uns |307 immer gerade in den entscheidenden Augenblicken, wo es sich fragte: willst du nun mit? bist du nun zu brauchen? ist’s dir nun ernst? irgend etwas Anderes wichtiger als Gott. Ganz freundlich, ganz wohlmeinend, ganz christlich stießen wir der eigentlichen, siegreichen Wahrheit Gottes, die bei uns eingreifen wollte, den Riegel und machten es ohne sie. Statt Gott durfte dann das Geld, die Sorge, der Ehrgeiz, das liebe Ich uns regieren. Wir wagten es nicht mit Gott. Aber wir beteten, wir glaubten Alles, wir gaben uns viel Mühe. Und so war unser Tiefstes und Bestes ein Hören und Nicht-Tun, wie es Jesus beschrieben hat. O, wo wir’s so machen, da kann dann eben der Teufel triumphieren mitten im Christentum und im Fortschritt. Und hat es schon lange getan in der christlichen Menschheit von Europa. Wo man so allerlei glaubt und allerlei Gutes tut und erstrebt, aber für den lebendigen Gott sich nicht entscheiden mag, da ist Arbeit für den Teufel. Da kann er seine Götzen aufrichten, von denen wir gar nicht merken, daß es Götzen sind, und hat es reichlich getan, hat die Leidenschaften und Begierden geschürt, hat die verdrehten Gedanken geweckt und bestärkt oben und unten, hat die Sackgassen und Holzwege weit und breit gemacht, in die wir uns hineinverlaufen haben. Und so gingen wir alle unseres Weges, die Völker und die Einzelnen, die Regierungen und die Massen, bis wir auf einmal an einem Ort waren, wo wir gar nicht hin wollten.
Auf einmal war der Krieg da., das Sinnloseste und Erschrecklichste, was man sich denken kann. Das sieht jedes Kind ein. Da haben wir nun gut rufen: Das ist ja der Teufel, das ist ja die Hölle! Ja wohl, aber warum verwundert uns das: wo der Glaube an den lebendigen Gott nicht ist, da ist eben die Sinnlosigkeit und der Schrecken verborgen, und wenn Alles aufs Beste bestellt wäre; und einmal muß ja das Verborgene an den Tag. Da regiert der Teufel, da ist die Hölle, denn diese Worte bedeuten doch einfach: Nicht-Gott, Nicht-Leben, das Unmögliche, das Schauderhafte. Mitten im siebenten Himmel müßte es so sein, wo Gott nicht ist, und einmal mußte es an den Tag, der Weltkrieg hat es nun an den Tag gebracht: es geht eben nicht ohne Gott, ohne daß wir mit Gott ernst machen. Das Hören und Nicht-Tun gegenüber den ewigen Wahrheiten, in dem wir uns bis jetzt gefallen haben, genügt nicht. Die alte Art Christentum genügt nicht. Die alte Art, brave Leute zu sein und gelegentlich etwas Gutes zu tun, genügt nicht. Es genügt nicht, weil wir damit den Segen, den wir haben könnten, gar nicht empfangen |308 und die Mächte des Bösen, die überwunden sein müssen, gar nicht anrühren, geschweige denn besiegen. Es genügt nicht, weil wir6 gegenüber den Gewalten, die solche Weltkatastrophen wie diesen Krieg herbeigeführt, ratlos und hilflos sind. Da nun ein Platzregen fiel und kam ein Gewässer und wehten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und tat einen großen Fall.
Und nun trifft es sich, daß der gleiche heutige Tag, der uns an den Beginn des unglücklichen Krieges erinnert, dem Gedächtnis der Gründung unserer schweizerischen Eidgenossenschaft gewidmet ist.7 Und unwillkürlich verbindet sich der eine Gedanke mit dem anderen. Gehört unseres lieben Vaterlandes Wohlfahrt und Freiheit, unsere Liebe und Treue zu ihm, die Hoffnungen, die wir haben für seine Zukunft, zu dem Menschenwesen, das besteht, oder zu dem anderen, das vergehen muß, ist das Schweizerhaus auf den Felsen oder auf Sand gebaut? Wenn wir im Sturm der Weltgeschichte, in dem wir uns befinden, geneigt sind, diese Frage gleichsam gen Himmel, an den lieben Gott zu richten, so kehrt er sie gerade an einem solchen Gedenktage wie dem heutigen um und richtet sie an uns. Wir müssen darauf antworten, und dann allein haben solche Gedenktage einen Sinn, wenn wir an ihnen versuchen, auf solche Fragen uns Antwort zu geben.
Das ist sicher, daß wir es als Schweizer unverhältnismäßig gut gehabt haben in diesem Kriegsjahr. In jeder Beziehung: es ist uns fast ganz erspart geblieben, Böses erleiden zu müssen, und, was noch viel wichtiger ist, wir sind nicht genötigt gewesen, selber tätig an diesem Ausbruch des Bösen mitzuwirken. Ihr erinnert euch hoffentlich noch daran, wie es war vor einem Jahr, wie wir mit schwerem Herzen und tränenden Augen hieher zusammenkamen im Gedanken an all die Männer, die in den folgenden Tagen an die Grenze rücken sollten: sie sind uns alle gesund und wohlbehalten wieder zurückgekehrt, und wenn sie auch zeitweilig wieder gehen müssen, so ist das doch gar nichts gegen das Abschiednehmen für immer, das sich jetzt draußen in lausenden und abertausenden von Familien immer aufs neue vollzieht. Wir fürchteten, Arbeit und Verdienst würden aufhören: und siehe da, sie sind so wenig |309 ausgeblieben wie in anderen Jahren, und gewisse Berufsklassen haben jetzt geradezu gute Zeiten. Wir machten uns besonders für den Fall, daß der Krieg auch im Süden ausbräche, gefaßt auf Lebensmittelnot und Hunger, und nun hat es uns das ganze Jahr hindurch nie am täglichen Brot gefehlt, obwohl wir längst von dem Feuerbrand des Krieges ganz eingeschlossen sind. Wir haben es aber auch darin unvergleichlich gut gehabt, daß wir inmitten einer blutbefleckten Welt bis jetzt mit reinen Händen dastehen dürfen, daß unser weißes Kreuz im roten Feld8 bis jetzt als ein Zeichen des Friedens und der Barmherzigkeit erscheinen durfte den Kämpfern zur Linken und zur Rechten und nicht als ein feindliches Zeichen wie die Farben der meisten anderen Nationen. Wir mußten nicht mithassen, wo Alles einander haßte, wir konnten uns innerlich frei halten von dem fürchterlichen Zwang der Meinung: wir sind im Recht und ihr im Unrecht, unter dem jetzt auch die besten Geister des Auslands seufzen, wir brauchten nicht miteinzustimmen in den mörderischen Wunsch nach Sieg, der jetzt in der ganzen Welt auch den aufrichtigsten Christen aus den Herzen und über die Lippen quillt. Wir hatten und haben bis jetzt Frieden mitten im Krieg, mit einem Wort.
Wollen wir daraus den Schluß ziehen, daß wir allein, wo Alles zusammenbricht, in dem Haus wohnen, das auf den Felsen gebaut ist? Können und dürfen wir uns als die Gerechten ausnehmen inmitten der in Ungerechtigkeit und Not versunkenen Menschheit? Können und wollen wir etwa sagen: wir haben den lebendigen Gott ernst genommen, und darum konnte der Teufel bei uns nicht triumphieren, und darum haben wir den Frieden und werden ihn behalten? Meine Freunde, wenn wir in dieser Stimmung heute Gott danken wollten für unser schönes, freies, friedengesegnetes Vaterland, dann wären wir jetzt schlimmer dran als die Kriegführenden draußen, weil wir uns dann außer dem Zusammenbruch, an dem wir auch teilnehmen, noch mit der fürchterlichsten und folgenschwersten Lüge und Selbsttäuschung beladen würden.
Jawohl, wir nehmen auch teil an dem Zusammenbruch, den das menschliche Tun und Wesen, das sich im tiefsten Grunde vom lebendigen Gott geschieden hat, jetzt durchmacht. Wir sind nicht besser als die |310 Anderen, wir gehören zu ihnen, wir wollen uns gerade am heutigen Tage nicht selbstgerecht von ihrer Sünde und Not trennen, auch wenn es uns jetzt besser geht als ihnen, auch wenn wir jetzt äußerlich mit reineren Händen dastehen dürfen als sie. Es ist eine unbegreifliche Fügung göttlicher Gnade, daß wir so dran sind und nicht anders, und nicht unser Verdienst. Und wenn wir vorhin gesungen haben: Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen!, dann war hoffentlich nichts in uns von dem Dank des Pharisäers, der sich besser wußte als die Mörder und Räuber und als der Zöllner neben ihm [
Wo bleibt denn das andere Haus, das Haus, das auf den Felsen gebaut ist? O, das ist auch da in der Welt, und seine Mauern stehen wirklich fest, auch wenn Alles wankt und fällt. Und unser Schweizerland und Schweizervolk, das sich heute auf sich selber besinnt, kann auch ein Teil davon sein, und wir dürfen daran weiterbauen helfen, gerade wie wir jetzt auch ein Teil des Zusammenbruchs sind, weil wir mitgeholfen haben, auf falschem Grunde zu bauen. Dieses feste Haus ist die Menschheit, die in Jesus angebrochen ist wie ein neuer Tag nach finsterer Nacht, die Menschheit, die aus den Kräften Gottes lebt im Lichte Gottes, die Menschheit, in der Friede, Freude, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Verständnis und Gemeinschaft, Reinheit und Liebe quellen und leben aus der Tiefe Gottes und solchen Schaden, wie wir ihn jetzt erfahren müssen, von selbst unmöglich machen. Daß wir Schweizer mit unserer Art zu dieser Menschheit mitberufen sind, daß wir mit unserer einzigartigen Stellung und unseren hohen Vorrechten vielleicht noch viel für sie tun dürfen, das sei unsere vaterländische Hoffnung. Gott im hehren Vaterland11 und das Vaterland in Gott — das ist wirkliche Vater|313landsliebe. Ob wir davon etwas gemerkt haben in diesem Kriegsjahr? Ob wir damit nun ernst machen werden in den nächsten kommenden Zeiten? Sie werden wahrscheinlich große Veränderungen bringen, große Aufgaben und Fragen für die ganze Völkerwelt und auch für uns. Es wird sich dabei zeigen müssen, ob uns in dieser Zeit, wo Gott so gewaltig mit uns redet, etwas aufgegangen ist. Es ist Saatzeit, die Ernte wird kommen, im Guten oder Bösen. Wir werden einmal von der Weltgeschichte, nein von Gott gefragt werden, was wir mit den erschütternden Offenbarungen dieser Zeit, die wir zu vernehmen soviel Muße hatten, gemacht haben für sein Reich. Die Hoffnung könnte sich auch für uns in ein Gericht verwandeln.
Gott braucht die Schweiz nicht. Aber wir brauchen ihn. «Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Früchte bringt, der wird abgehauen und ins Feuer geworfen!» [
Suchet Gott, solange er zu finden ist [
- Nr. 2: «Nun danket alle Gott» von
M. Rinckart , Strophen 1-3 (= GERS [1952] 44,1-3; EG 321,1-3) - Nr. 266: «Befiehl du deine Wege» von
P. Gerhardt , Strophen 1-3 (= GERS [1952] 275,1-3; EG 361,1-3)