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2. Juni 1915
Mein Lieber!
Leider traf ich Wernle gestern nicht an, und zu weitern Unternehmungen war nicht Zeit, sodaß der Tag [in Basel] eher familiär nett als gerade ertragreich war. Ich hörte, daß meine Schwägerin Lenchen dein Verfahren, die ernstesten Sachen lachenden Mundes zu behandeln, sehr mißbilligt (Nachtessen damals in Bern!!). Da siehst du, wie wir bei allen rechten Leuten immer mehr hinten ab kommen und auf was für gefehlten Wegen wir sind. Aber am Montag wars sehr nett, und hoffentlich findet man sich wieder. Am Sonntag will ich über das Gewissen reden. Du sagtest da etwas, was mich sehr angeregt hat. Im «Freien Aargauer» gestern wird Traub als «freisinnig-sozialer Pfaffe» abgesägt mit dem Schluß: es ist eine Schmach, eine Schande!
Herzlichen Gruß