5. Juni 1915

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Ich habe mirs diese Woche geleistet, die Predigt schon am Freitag zu machen, und hatte heute einen schönen Samstag mit allerlei Allotria. Eben las ich deinen Vortrag im «Monatsblatt» [der aargauischen Kirche] und sehe, daß du da auch stark mit dem «Gewissen» arbeitest. Etwas anders freilich als ich, und ich hoffe, es könne sich daran am Montag eine ersprießliche Aussprache anknüpfen. Ich lese nun das Leben von J. Chr. Blumhardt1 [von F. Zündel] und bin ganz betroffen, wie stark da schon alle «unsere» besten Gedanken erfaßt und ausgesprochen sind. Wenn mans auch so hätte wie solche Leute! Was soll übrigens dies Spiel mit der Kriegsversorgung im Monatsblatt? Ist das jetzt die arbeitende Kirche, von der Haller2 so schön redet?! Was sagst du zum Bauder-Prozeß? Ich meine ganz abgesehen von dem genialen Bauder3 selbst wird da wieder einmal ganz übel aufgedeckt, wies gemacht wird in der hohen Finanzwelt. […]

Von Wernle liegt ein halb versöhnlicher halb aufs Neue angriffiger Brief vor. Wir erwarten dich also zum Mittagessen am Montag.

Herzlichst
dein
K. Barth

Sachfußnoten

1
Fr. Zündel, Pfarrer Joh. Christoph Blumhardt. Ein Lebensbild, Zürich/ Heilbronn 1880. 📖 ↩
2
Traugott Haller (1867–1940), Pfarrer in Kölliken (Nachbargemeinde von Safenwil).↩
3
Veranlasser eines Finanzskandals in Basel.↩