Anhang Nr. 33 · 28. Januar 1956

Autobiographische Bemerkungen von Rudolf Bultmann

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Anhang 33

[Diese autobiographischen Bemerkungen schrieb R. Bultmann am 28. Januar 1956 in Marburg. Die Erstfassung wurde von Schubert M. Ogden ins Englische übersetzt und veröffentlicht in: Existence and faith. Selected, Translated and Introduced by S. M. Ogden, New York 1960, S. 284–288. 📖 Bultmann überarbeitete seine Bemerkungen 1963 und ergänzte sie. Seine Tochter, Antje Lemke-Bultmann, übersetzte die Zweitfassung, die nach Durchsicht von Betsy Knapp in The Theology of Rudolf Bultmann. Edited by C. W. Kegley, New York 1966, S. XIX-XXV, 📖 veröffentlicht wurde. Die folgende, mit freundlicher Genehmigung des Verlages Harper; Row, New York, von Meredith Butler und Bernd Jaspert angefertigte Übersetzung aus dem Englischen beruht auf der von Kegley veröffentlichten Fassung. 📖 Fehler der englischen Vorlage wurden stillschweigend korrigiert und Anmerkungen hinzugefügt:]

Autobiographische Bemerkungen Rudolf Bultmanns

Ich, Rudolf Karl Bultmann, wurde am 20. August 1884 als ältester Sohn des evangelisch-lutherischen Pfarrers Arthur Bultmann und seiner |303 Ehefrau Helene, geborene Stern, in Wiefelstede geboren, einem Dorf in dem damaligen Großherzogtum Oldenburg. Mein Vater, geboren in Freetown, Sierra Leone (Westafrika), stammte aus einem Bauerngeschlecht aus der Gegend von Bremen; sein Vater war Missionar. Mein Großvater mütterlicherseits war Pfarrer in Baden.

Die ersten Jahre meines Lebens verbrachte ich auf dem Lande, und von 1892 bis 1895 besuchte ich die Volksschule in Rastede, wohin mein Vater von Wiefelstede versetzt worden war. Von 1895 bis 1903 besuchte ich das humanistische Gymnasium in Oldenburg, wo mein Vater nach 1897 als Pfarrer an der Lambertikirche Dienst tat. Ich blicke mit Freude auf die Jahre meiner Schulzeit zurück, auf die in der Volksschule wie auf die im Gymnasium. Was mich außer dem Religionsunterricht besonders interessierte, war der Unterricht im Griechischen und in der deutschen Literaturgeschichte. Auch ging ich gerne in Konzerte und ins Theater.

1903 legte ich das Abitur am Gymnasium ab und begann an der Universität Tübingen Theologie zu studieren. Nach drei Semestern ging ich für zwei Semester nach Berlin und schließlich für zwei weitere nach Marburg. Ich belegte ebenso Vorlesungen in Philosophie und Philosophiegeschichte wie in Theologie. Während der Berliner Zeit erfreute ich mich auch an Theater-, Konzert- und Museumsbesuchen. Die theologischen Lehrer, denen ich besonders dankbar bin, waren in Tübingen der Kirchenhistoriker Karl Müller, in Berlin der Alttestamentler Hermann Gunkel und der Dogmenhistoriker Adolf Harnack, in Marburg die Neutestamentler Adolf Jülicher und Johannes Weiß und der systematische Theologe Wilhelm Herrmann. Johannes Weiß ermutigte mich, den Doktortitel zu erwerben und mich als Dozent für Neues Testament zu habilitieren.

Bevor ich das tat, legte ich 1907 mein erstes theologisches Examen vor dem Hohen Konsistorium in Oldenburg ab und blieb für ein Jahr lang (1906–1907) als Lehrer am dortigen Gymnasium, hauptsächlich um Erfahrung zu sammeln. Als ich im Herbst 1907 eine Repetentenstelle am Seminarium Philippinum in Marburg erhielt, konnte ich an meiner Promotion und Habilitation arbeiten. 1910 wurde ich aufgrund meiner Arbeit der paulinischen Predigt und die kynisch-stoische Diatribe 📖 zum Lic. theol. promoviert. Das Thema hatte mir Johannes Weiß gestellt. Das Thema meiner Habilitation, Die Exegese des Theodor von |304 Mopsuestia 📖, hatte Adolf Jülicher vorgeschlagen. 1912 habilitierte ich mich damit als Dozent für Neues Testament in Marburg und lehrte dort als solcher bis zum Herbst 1916.

1908 wurde mein Lehrer Johannes Weiß nach Heidelberg berufen. Mit seinem Nachfolger, Wilhelm Heitmüller, hatte ich bald ein freundschaftliches Verhältnis, und ihm fühle ich mich besonders verpflichtet. Während dieser Jahre verbrachte ich einen großen Teil meiner Zeit im Hause von Martin Rade. Ich war ein eifriger Leser der Zeitschrift Die Christliche Welt, die er herausgab, und ich war auch Mitglied der Vereinigung der Freunde der Christlichen Welt und besuchte wie zeitlebens mein Vater regelmäßig ihre jährlichen Treffen. Hier traf man die Theologen des freien Protestantismus und nahm an den Diskussionen teil, die Theologie und Kirche in den Jahren unmittelbar vor und nach dem Ersten Weltkrieg bewegten. Ich erlebte auch persönlich einen beachtlichen Teil der Geschichte, die Johannes Rathje in seiner Rade-Biographie Die Welt des freien Protestantismus 📖1 (1952) beschrieben hat.

Im Herbst 1916 wurde ich als außerordentlicher Professor nach Breslau berufen, wo ich bis 1920 wirkte. Dort heiratete ich, und dort wurden unsere beiden ersten Töchter geboren.2 In den harten Zeiten der letzten Kriegsjahre und der Nachkriegszeit mit mancherlei Entbehrungen sahen wir viel Not und Elend. 1917 ist mein jüngster Bruder in Frankreich gefallen.3 Wir erfuhren aber auch viel Freundschaft und Hilfe. In Breslau schrieb ich Die Geschichte der synoptischen Tradition 📖, die 1921 veröffentlicht wurde.4

Im Herbst 1920 wurde ich als Ordinarius zum Nachfolger Wilhelm Boussets nach Gießen berufen. Auf die dortige Zeit sehe ich mit besonderer Freude zurück, weil der freundschaftliche geistige Austausch mit den Kollegen — und zwar nicht nur innerhalb der theologischen Fakultät — außerordentlich lebendig war. In der Tat war es nicht leicht, Gießen zu verlassen, aber ich war überzeugt, daß ich den Ruf nach Marburg, das sozusagen meine akademische Heimat war, nicht ablehnen durfte. So kehrte ich im Herbst 1921 als Nachfolger von Wilhelm Heit|305müller nach Marburg zurück. Ich blieb in Marburg, lehnte 1930 einen Ruf nach Leipzig ab5 und wurde im Herbst 1951 emeritiert.

Die Jahre in Marburg waren zum einen erschwert durch die politische Entwicklung nach 1933 und zum andern durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939. Während der 20er Jahre waren die äußeren Lebensbedingungen angenehm, und 1924 wurde unsere dritte Tochter6 geboren. Die Arbeit mit den Studenten, die noch von der «Jugendbewegung» vom Anfang des Jahrhunderts geprägt waren, war höchst erfreulich. Dann kam das Hitler-Regime mit seiner Zwangsherrschaft und seinen korrupten Methoden. Das Leben in Universität und Gesellschaft war weitgehend von Mißtrauen und Denunziationen bestimmt. Nur in einem kleinen Kreis von gleichgesinnten Bekannten konnte man sich des offenen und stärkenden Austausches der intellektuellen Welt erfreuen. Viele jüdische Freunde wurden zum Emigrieren gezwungen. Während des Krieges, in dessen Verlauf mein einziger überlebender Bruder7 in einem Konzentrationslager starb, wurde die Unterdrückung durch den Nazi-Terror am schlimmsten. Als die Alliierten (in Marburg die Amerikaner) schließlich einmarschierten, begrüßte ich mit vielen Freunden das Ende der Nazi-Herrschaft als eine Befreiung. In den Jahren des Hitler-Regimes war meine Arbeit beeinflußt vom Kirchenkampf. Ich gehörte seit ihrer Gründung 1934 der Bekennenden Kirche an und bemühte mich — zusammen mit meinem Freund Hans von Soden — darum, daß die freie Gelehrtenarbeit ihren eigenen Platz in ihr erhielt, trotz gegenteiliger Tendenzen.8

Die Jahre unmittelbar nach 1945 waren nicht leicht, obwohl unsere äußere Not durch freiwillige Spenden aus dem Ausland beträchtlich leichter wurde, und wir denken immer dankbar an jene — Bekannte und |306 Unbekannte —, die Geschenke geschickt hatten. Es kann nicht geleugnet werden, daß zuerst viele Fehler von Seiten der Besatzungsmächte den Aufbau eines neuen gesellschaftlichen Lebens und gesunder politischer Verhältnisse erschwerten. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der amerikanischen Besatzung war trotzdem möglich, da es auf beiden Seiten nicht an gutem Willen mangelte, die Schwierigkeiten zu überwinden. Besonders dankbar werde ich immer den amerikanischen Beamten sein, die sich um die Wiederherstellung der Universität Marburg bemühten. Nach und nach kehrten wieder normale Zustände ein; und solange noch die gegenwärtige politische Lage neue weitreichende Probleme bietet, will ich diese hier nicht berühren, vor allem da ich mich nie unmittelbar und aktiv an politischen Vorgängen beteiligt habe. Ich möchte einfach nur einen Überblick über meine theologische Arbeit während der Marburger Jahre geben.

Als ich das erste Mal nach Marburg kam, lehrte ich zusammen mit Adolf Jülicher bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1923. Sein Nachfolger war Hans von Soden, dem ich bis zu seinem Tode im Jahre 1945 freundschaftlich verbunden war und mit dem ich in ständigem wissenschaftlichen Austausch stand. Dasselbe gilt für meine Beziehung zu dem Alttestamentler Gustav Hölscher, mit dem ich schon in Gießen zusammen gearbeitet hatte und der 1921 als Nachfolger Karl Buddes nach Marburg kam. Ich war auch Walter Baumgartner verbunden, der zu dieser Zeit Dozent war. Die theologische Fakultät war in jenen Tagen keineswegs einmütig, und die verschiedenen Auseinandersetzungen in ihr, vor allem die Spannung zwischen mir und Rudolf Otto, dem Nachfolger Wilhelm Herrmanns, bewegten sogar die Studenten und führten zu lebhaften Diskussionen. Diese wurden immer dann besonders lebendig, wenn Theologen von anderen Universitäten, wie z. B. Karl Barth und Friedrich Gogarten, zu Vorlesungen nach Marburg eingeladen wurden. Bereichert waren diese Jahre auch durch den sehr lebhaften Austausch zwischen Theologen und Philosophen — so wie früher zur Zeit Wilhelm Herrmanns, Hermann Cohens und Paul Natorps. Das war besonders der Fall, als Martin Heidegger in Marburg lehrte: 1923 bis 1928. Ich pflegte bald einen Austausch mit ihm, wie ich es früher mit Nicolai Hartmann getan hatte und wie ich es später mit Erich Frank und Julius Ebbinghaus tun sollte. Auch mit den Philosophiedozenten, die sich für Theologie interessierten — Hans-Georg Gadamer, Gerhard Krüger und |307 Karl Löwith —, gab es eine fruchtbare Zusammenarbeit, an der auch die Dozenten des Neuen Testaments, Heinrich Schlier und Günther Bornkamm, teilnahmen. Besonders erwähnen muß ich meine Freundschaft mit dem klassischen Philologen Paul Friedländer, der damals in Marburg lehrte und dem ich mich sehr verpflichtet fühle. Später wurde der Austausch mit den klassischen Gelehrten H. Dahlmann, Friedrich Müller und Carl Becker und dem Historiker Friedrich Taeger für meine Arbeit äußerst fruchtbar.

Die Veröffentlichungen, die aus meiner Arbeit in Marburg hervorgingen, sind in der Bibliographie zusammengestellt, die in der Theologischen Rundschau 1954 📖 publiziert wurde.9 In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg hatte ich mehrmals Gelegenheit, ins Ausland zu reisen. Ich wurde zu Vorlesungen in skandinavischen Ländern, [England,] Holland und in der Schweiz eingeladen. Nach dem Krieg wurde ich 1947 vom Schwedischen Institut für Kulturaustausch für acht Wochen nach Schweden eingeladen. Ich erinnere mich dessen mit besonderer Dankbarkeit. Ich erlebte viel menschliche Güte, freute mich über den Austausch mit anderen Gelehrten und hatte Gelegenheit, die wissenschaftliche Literatur kennenzulernen, die in anderen Ländern, von denen wir während des Krieges abgeschnitten waren, publiziert wurde. Besonders dankbar bin ich für die Freundschaft mit Anton Fridrichsen.

1951 ging ich auf Einladung der Yale University in die Vereinigten Staaten, um die Shaffer Lectures zu halten, die später unter dem Titel Jesus Christ and Mythology 📖10 veröffentlicht wurden. Weitere Einladungen von verschiedenen Universitäten und theologischen Seminaren gaben weitere Gelegenheiten, amerikanische Gelehrte zu treffen. Der geistige Austausch, der im Laufe dieses dreimonatigen Besuches möglich war, war ein bedeutsames Erlebnis für mich. Ein paar Jahre später, 1955, nahm ich die Einladung der Edinburgh University an, die Gifford Lectures zu halten, die später als Buch unter dem Titel The Presence of |308 Eternity 📖11 erschienen. 1959 ging ich auf Einladung der Syracuse University wieder in die Vereinigten Staaten, um dort am Department of Bible and Religion während des Frühjahrssemesters Vorlesungen zu halten. Wieder war es ein interessantes und fruchtbares Erlebnis.

Alle wissenschaftlichen Gedankenaustausche und Diskussionen, sowohl in Marburg als auch in anderen Ländern, halfen mir nicht nur in meiner eigenen Arbeit am Neuen Testament, sondern auch in meinem theologischen Denken überhaupt. Ich habe persönlich eine wichtige Umkehr in der Geschichte der Theologie und in der Geschichte der modernen Philosophie durchlebt — Entwicklungen, die seltsam parallel laufen. Im Jahre 1919 erschien Karl Barths Buch Der Römerbrief 📖.12 Barths Einfluß auf die theologische Arbeit wuchs vom Beginn der 20er Jahre an ständig. 1920 hielt Gogarten seinen Vortrag Die Krisis unserer Kultur 📖 auf der Jahrestagung der Freunde der Christlichen Welt.13 1923 begann die Zeitschrift Zwischen den Zeiten, herausgegeben von Barth, Gogarten und Thurneysen, als das Organ der theologischen Bewegung zu erscheinen, die bald als «dialektische Theologie» bezeichnet wurde. Ich versuchte, in die Diskussion mit dieser Theologie einzutreten, zuerst in dem Aufsatz Die liberale Theologie und die jüngste theologische Bewegung 📖14 und später in dem Vortrag Die Bedeutung der «dialektischen Theologie» für die neutestamentliche Wissenschaft 📖15. Ich arbeitete auch an der Zeitschrift Zwischen den Zeiten mit.16

In dieser neuen theologischen Bewegung schien mir im Unterschied zur «liberalen» Theologie, von der ich herkam, richtig erkannt, daß der christliche Glaube kein Phänomen der Religionsgeschichte ist, daß er |309 nicht auf einem «religiösen apriori» (Troeltsch)17 beruht und daß daher die Theologie den christlichen Glauben nicht als ein Phänomen der religiösen oder kulturellen Geschichte zu betrachten hat. Von einer solchen Sicht unterschieden, schien mir die neue Theologie richtig zu sehen, daß christlicher Glaube die Antwort auf das Wort des transzendenten Gottes ist, der dem Menschen begegnet, und daß die Theologie sich mit diesem Wort und dem Menschen, der davon getroffen worden ist, zu befassen hat. Dieses Urteil hat mich jedoch nicht zu einer leichtfertigen Verurteilung der «liberalen» Theologie geführt. Im Gegenteil: durch meine ganze Arbeit versuchte ich, die Tradition der historisch-kritischen Forschung, wie sie in der «liberalen» Theologie praktiziert wurde, weiterzuführen und sie für unsere gegenwärtigen theologischen Kenntnisse möglichst fruchtbar zu machen.

Dabei wurde die Arbeit der Existenzialphilosophie, die ich durch meine Diskussionen mit Martin Heidegger kennengelernt hatte, von entscheidender Bedeutung für mich. Hier fand ich die Begriffe, mit denen es möglich wurde, angemessen von menschlicher Existenz und damit auch von der Existenz des Glaubenden zu sprechen. Durch meine Bemühung, die Philosophie für die Theologie fruchtbar zu machen, bin ich jedoch immer mehr in Opposition zu Karl Barth geraten. Ich bleibe ihm jedoch dankbar für die entscheidenden Dinge, die ich von ihm gelernt habe. Ich glaube nicht, daß eine endgültige Klärung unserer Beziehung schon erreicht ist; Heinrich Ott hat hier einen guten Anfang gemacht mit seinem Buch Geschichte und Heilsgeschichte in der Theologie Rudolf Bultmanns (1955) 📖.18 Auf der anderen Seite ist die Gemeinsamkeit in den theologischen Intentionen von Gogarten und mir immer deutlicher geworden.

310 Diese autobiographischen Bemerkungen wären unvollständig, ohne den Begriff der «Entmythologisierung» erwähnt zu haben, der zum Brennpunkt vieler theologischer Debatten geworden ist. Ich benutzte diesen Ausdruck zum ersten Mal 1941 in einem Vortrag, der später in dem Band Offenbarung und Heilsgeschehen 📖19 veröffentlicht wurde. Die Entmythologisierungsdebatte ist noch im Gange. Seit 1948 wurden verschiedene Bände mit Kommentaren unter dem Titel Kerygma und Mythos 📖, herausgegeben von H. W. Bartsch, veröffentlicht.20 Band IV (1963) enthält einige Vorlesungen des römischen Symposions Il problema della Demitizzazione 📖, das 1961 unter der Leitung von Enrico Castelli stattfand.21 Unter den Kritikern meiner Theologie ist der Philosoph Karl Jaspers. Unser Gedankenaustausch wurde 1954 unter dem Titel Die Frage der Entmythologisierung 📖 veröffentlicht.22 Auf der anderen Seite schrieb Friedrich Gogarten, ein Befürworter der Entmythologisierung, 1953 Entmythologisierung und Kirche 📖.23 In jüngerer Zeit habe ich die Ansichten unterstützt, die Bischof John A. T. Robinson in seinem Buch Honest to God (1963) 📖24 vertrat. Die Honest to God Debate, 1963 von Robinson und David L. Ewards 📖 veröffentlicht25, enthält einen Auszug |311 meines ursprünglich für die deutsche Wochenzeitung Die Zeit 📖 geschriebenen Diskussionsbeitrages.26 Ich bin froh, unter den gegenwärtigen Entwicklungen in der theologischen Wissenschaft den fruchtbaren Austausch zwischen jenen zu beobachten, die auf dem Gebiet der historischen Interpretation des Neuen Testaments arbeiten, und denen, die es auf dem Felde der systematischen Theologie tun. In diesem Zusammenhang verfolge ich mit besonderem Interesse die Arbeit von amerikanischen Theologen wie James M. Robinson, Schubert Ogden und Van Harvey.

R. B.

Sachfußnoten

1
Untertitel: Ein Beitrag zur deutsch-evangelischen Geistesgeschichte. Dargestellt am Leben und Werk von Martin Rade, Stuttgart 1952. 📖 ↩
2
Antje (geb. 27.7.1918) und Gesine (geb. 1.7.1920) Bultmann.↩
3
Arthur Bultmann als 17jähriger Kriegsfreiwilliger.↩
4
(FRLANT 29), Göttingen 1921 (19799). 📖 ↩
5
Vgl. G. Wartenberg, Verpaßte Chance oder vergebliche Mühe? Dokumente zu dem Versuch, Rudolf Bultmann Anfang des Jahres 1930 nach Leipzig zu berufen, in: ThLZ, Jg. 115 (1990), Sp. 385–398. 📖 ↩
6
Heilke Bultmann (geb. 21.2.1924).↩
7
Peter Bultmann, verstorben unter nicht näher bekannten Umständen in einem KZ in Südfrankreich.↩
8
Vgl. A. Lindemann, Neutestamentler in der Zeit des Nationalsozialismus. Hans von Soden und Rudolf Bultmann, in: Wort und Dienst. Jahrbuch der Theologischen Schule Bethel, Bd. XX, Bielefeld 1989, S. 25–52 📖; B. Jaspert, Sachkritik und Widerstand. Das Beispiel Rudolf Bultmanns, in: ThLZ, Jg. 115 (1990), Sp. 161–182. 📖 ↩
9
Veröffentlichungen von Rudolf Bultmann, in: ThR, Jg. 22. (1954), S. 3–20. 📖 Die bisher vollständigste Bibliographie Bultmanns einschließlich seiner erst posthum erschienenen Arbeiten bietet E. Hauschildt, Rudolf Bultmanns Predigten. Existentiale Interpretation und lutherisches Erbe. Mit einem Verzeichnis der Veröffentlichungen Bultmanns (MThSt 26), Marburg 1989, S. XX-XXXIX. 📖 ↩
10
Siehe Anh. 31, Anm. 1.↩
11
New York 1957 📖; im selben Jahr in Edinburgh unter dem Titel History and Eschatology erschienen 📖; deutsch: Geschichte und Eschatologie, Tübingen 1958 (19793). 📖 ↩
12
Siehe Anh. 32, Anm. 14. ↩
13
In: CW, Jg. 34 (1920), Sp. 770–776.786–791 📖; wieder abgedruckt in: Fr. Gogarten, Die religiöse Entscheidung, Jena 1921, S. 32–53 📖 (= Anfänge II, S. 101–121 📖).↩
14
In: ThBl, Jg. 3 (1924), Sp. 73–86 📖 (= GuV I, S. 1–25) 📖.↩
15
In: ThBl, Jg. 7 (1928), Sp. 57–67 📖 (= GuV I, S. 114–133 📖)↩
16
Bultmanns Beiträge in ZdZ: Geschichtliche und übergeschichtliche Religion im Christentum?, Jg. 4 (1926), S. 385–403 📖 (= GuV I, S. 65–84 📖); Zur Frage der Christologie, Jg. 5 (1927), S. 41–69 📖 (= GuV I, S. 85–113); Die Eschatologie des Johannes-Evangeliums, Jg. 6 (1928), S. 4–22 📖 (= GuV I, S. 134–152); Kirche und Lehre im Neuen Testament, Jg. 7 (1929), S. 9–43 📖 (= GuV I, S. 153–187).↩
17
Vgl. E. Troeltsch, Das Historische in Kants Religionsphilosophie. Zugleich ein Beitrag zu den Untersuchungen über Kants Philosophie der Geschichte, in: Kant-Studien, Jg. 9 (1904), S. 21–154 📖, gleichzeitig als Monographie erschienen: Berlin, 1904; ders., Psychologie und Erkenntnistheorie in der Religionswissenschaft. Eine Untersuchung über die Bedeutung der Kantischen Religionslehre für die heutige Religionswissenschaft, Tübingen 1905 (19222) 📖; ders., Zur Frage des religiösen Apriori. Eine Erwiderung auf die Bemerkungen von Paul Spieß, in: Religion und Geisteskultur (Göttingen), Jg. 3 (1909), S. 263–273 📖, in überarbeiteter und erweiterter Fassung in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. II: Zur religiösen Lage, Religionsphilosophe und Ethik, Tübingen 1913 (2. Nachdruck der 2. Aufl. Tübingen 1922: Aalen 1981), S. 754–768. 📖 ↩
18
(BHTh 19), Tübingen 1955. 📖 ↩
19
Siehe Anh. 26, Anm. 4. ↩
20
Innerhalb der Reihe «Theologische Forschung — Wissenschaftliche Beiträge zur kirchlich-evangelischen Lehre» gab Hans-Werner Bartsch zusammen mit anderen von 1948 bis 1963, dem Jahr der Überarbeitung der autobiographischen Bemerkungen Bultmanns, 6 Bände Kerygma und Mythos mit Diskussionsbeiträgen heraus. Der 5. Band erschien mit zwei Ergänzungsbänden (Monographien), der 6. in zwei Teilbänden 📖.↩
21
E. Castelli (ed.), Il Problema della Demitizzazione, Roma 1961 ; darin: R. Bultmann, Zum Problem der Entmythologisierung, S. 19–26 📖; Nachdruck in: KuM IV/1 (1963), S. 19–27 📖 (= GuV IV, S. 128–137 📖). Die römischen Kolloquien wurden in den folgenden Jahren unter Leitung von Enrico Castelli am Istituto di Studi Filosofici der römischen Staatsuniversität fortgesetzt. Eine Auswahl der Akten wurde in Deutschland weiterhin in KuM publiziert.↩
22
München 1954; Neuausgabe mit einer Einführung von H. Ott («Zur Wirkungsgeschichte der Entmythologisierungs-Debatte») München 1981 📖.↩
23
Stuttgart 1953 (19674). 📖 ↩
24
London 1963; deutsch: Gott ist anders — Honest to God, München 1963 (196713). 📖 ↩
25
London 1963. Einige Beiträge der englischen Ausgabe sind übersetzt in: H. W. Augustin (Hrsg.), Diskussion zu Bischof Robinsons Gott ist anders, München 1964 📖; darin S. 104–117 Nachdruck vonR. Bultmann, Der Gottesgedanke und der moderne Mensch, aus: ZThK, Jg. 60 (1963), S. 335–348 📖 (= GuV IV, S. 113–127 📖).↩
26
R. Bultmann, Ist der Glaube an Gott erledigt?, in: Die Zeit, Nr. 19 vom 10.5.1963, S. 18 📖 (= GuV IV, S. 107–112 📖).↩