Karl Barth an Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung
Anhang 11
II
[Separatvotum
Da ich nicht in der Lage bin, mich dem Votum der
Folgendes vorzutragen:
I. Der Name, der nach meiner Einsicht in diesem Fall so entscheidend in Betracht kommt, daß ich ihn allein nennen möchte, ist der von
Pfarrer D.
237 Ich habe zu dieser Nennung die beiden folgenden Gründe:
Gogarten hat sich in den rund 10 Jahren, seit denen sein Name eine weitere theologische und nicht-theologische Öffentlichkeit beschäftigt, als ein Mann erwiesen, der (im qualifizierten Sinn des Ausdrucks) etwas zu sagen hat. Seine Arbeit gilt, wie es heute unumgänglich notwendig ist, den Voraussetzungen und Grundbegriffen der Theologie. Gogarten, «der Typus eines deutschen kritischen Geistes», wie ihn ein ausländischer Beurteiler genannt hat, machte sich mit einer Zähigkeit, wie sie nur Wenige aufbringen, an die hier vorliegende Aufgabe. Er wußte, was er preisgab, als er sich von der in seinem LehrerTroeltsch klassisch repräsentierten Vorkriegstheologie lossagte, und er wußte um die Schwere des Unternehmens, als er sich, zunächst anLuther ganz allein sich orientierend, einen neuen Weg zu bahnen versuchte. Er tat dies in einer erstaunlichen Selbständigkeit auch uns Anderen gegenüber, die zur gleichen Zeit ähnlichen Zielen nachgingen. Er hat als Ergebnisse seiner Nachforschung gewisse Dinge, unter denen besonders seine Nachweisungen über die Zusammenhänge zwischen Geschichte und Ethik neu gewesen und wichtig geworden sind, mit einem Nachdruck ausgesprochen, wie es in der neueren Zeit vor ihm und nach ihm kein Anderer getan hat. Die drei Bände gesammelter Vorträge und das größere Buch «Ich glaube an den dreieinigen Gott», die er beiE. Diederichs inJena hat erscheinen lassen, sind, wie man sich auch zu ihrem Inhalt stellen möge, nicht nur merkwürdige Zeugnisse eines unmittelbaren Wissens um die Dinge, von denen sie sprechen, sondern auch Beweis eines ungewöhnlichen Willens zur Konzentration auf die Sache und Dokumente einer Sprache, die in jedem Satz verantwortlich geformt ist und keine ungewichtigen Worte kennt. Man kann ruhig voraussagen, daß sie sich für das Auge einer künftigen Zeit als charakteristisch für das ernsthafteste Suchen der Theologie unserer Tage von Dutzenden anderer Werke abheben werden. Und es kann kein Zweifel sein, daß wir auch in Zukunft noch Anlaß haben werden, auf diesen Mann vor Anderen zu hören als auf einen berufenen Theologen, wie es deren nur ganz Wenige gibt. Daß sich bis jetzt noch keineFakultät hat entschließen können, Gogarten bei eintretenden Vakanzen so zu empfehlen, daß seine Berufung aussichtsreich geworden wäre, halte ich für eine Unterlassung, an der ich mich nicht beteiligen will.- Man wird es verständlich finden, wenn ich den starken Wunsch |238 habe, die Arbeit meines hiesigen Nachfolgers möchte eine
solche sein, die ich als eine Fortsetzung der meinigen einschätzen darf. Die
Fakultät Münster ihrerseits hat in der Zeit, in der ich ihr anzugehören die Ehre hatte, an Ansehen und Studentenzahl jedenfalls nicht verloren. Ich darf darum annehmen, daß dieser mein Wunsch auch mit dem wohlverstandenen Interesse der Fakultät selbst vereinbar sei. Ich habe zuGogarten das unbedingte Zutrauen, daß er die Richtung und das Niveau der Forschungs- und Unterrichtsarbeit, wie ich sie in Vorlesungen und Übungen und in meiner literarischen Tätigkeit zu halten suchte, nicht nur halten, sondern in seiner Weise verbessern wird. Und ich bin überzeugt, daß der Ernst seiner wissenschaftlichen Haltung und die schon inJena bewiesenen Qualitäten seiner Unterrichtstätigkeit auch der Fakultät Münster in jeder Beziehung gute Dienste leisten würden.
II. Was die im Schreiben der Fakultät ebenfalls berührte Frage bezüglich der künftigen
Stellung und Einkünfte des bisherigen Inhabers des planmäßigen Extra-Ordinariats
Professor D.