Rudolf Schlunck an Karl Barth
Anhang 5
[Aus einem Brief von
Pfarrer
Du sprachst von
Ob Du nun jetzt den Katheder aufgibst, ist natürlich eine Frage der persönlichen Führung durch Gott, die Du letzten Endes allein entscheiden kannst und zwar ohne die Wünsche mitspielen zu lassen. Es kann sehr wohl sein, daß Dich Gott vom exponierten Außenposten auf den Mutterboden zurückversetzen will, daß Du daraus neue Kraft saugst und Dich für den Generalkampf stärkst und sammelst. Auch wohl möglich, daß Du Deine bei dieser kühnen Sendung gewonnenen Erkenntnisse mit der Schweizer Kanzel in Ausgleich bringen sollst und also zu nächst wieder in die Schweiz gewiesen wärest. Dieser geistige Ausgleich würde dann, wenn er gelingt, den engen Konnex der durch Dein weiter greifendes Zeugnis Gewonnenen mit Deiner Mutterkirche herbeiführen und das begonnene ökumenische Gespräch von dort aus fortsetzen.
Aufgeben darfst Du den geschaffenen Kreis nicht und das würde ja durch Deine
Rückversetzung in die Schweiz nicht bedingt
sein. Nur käme es in diesem Falle darauf an, ob Du das Zutrauen hättest, daß der
gestreute Same sich in
Wenn Kutter den prinzipiellen Vorrang der Kanzel vor dem Katheder behauptet, so hat er recht. Aber diese Anschauung ist nicht herrschend, sondern das Gegenteil. Indem Du zur Kanzel zurückkehrtest, |219 würdest Du weithin ihr Erstgeburtsrecht bezeugen. Und das wäre angesichts der Beschaffenheit der Katheder gut. Du würdest die Augen aller für Deinen Kampf Bewegten auf die Kanzel und ihre Ehre lenken und damit der «Wissenschaft» die verdiente Lektion geben.
Was tut Dir diese «Wissenschaft»? Rechts und Links befehden Dich. Wenn Du sie in
Dornenlos wird dieser Weg nicht sein, aber Du bleibst der freie Steuermann Deines Schiffes. Dornenlos wird das Bleiben und Warten in Göttingen auch nicht sein, aber die Erquickung wäre viel geringer.
Nun hast Du meine Gedanken. Dazu noch einen herzlichen Gruß von