Brief Nr. 91 · 13. Juli 1934

Rudolf Bultmann an Karl Barth

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Lieber Herr Barth!

Herzlichen Dank für Brief und Zusage! Ich freue mich sehr und hoffe, daß unser Zusammensein sich als fruchtbar erweist. Vielleicht haben Sie gelegentlich Zeit, meinen Paulus-Artikel in RGG2 📖 zu lesen1 oder einen meiner Artikel im Theol. Wörterbuch (etwa γνῶσις2); denn ich dächte, daß darin zu Tage kommen muß, was Sie als meine Fundamentaltheologie bezeichnen. Und dann werden Sie mir am konkreten Einzelnen zeigen können, wo ich irre. — Aber es hat ja keine Eile; denn in diesen Tagen hat man, wenn nicht Wichtigeres, so doch Dringenderes zu tun, als intra muros zu diskutieren. — Stauffers unglaublichen Artikel gegen die «Maulwurfstheologie» in der «Westdeutschen Akadem. Rundschau»3 werden Sie wohl gelesen haben. Es freut mich, daß ich |153 diesen großsprecherischen Gesellen neulich in der Theol. Lit. Ztg. nicht geschont habe.4

Mit Dank sende ich Ihnen Ihre treffliche Antwort an Kittel zurück. Daß K. den Briefwechsel publizieren will, ist ja amüsant. Aber mich freut es, wenn diese Dokumente allgemein zugänglich werden.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr
R. Bultmann

Sachfußnoten

1
R. Bultmann, Art. «Paulus», in: RGG2 IV, Sp. 1019–1045. 📖 ↩
2
R. Bultmann, Art. γινώσκω, γνῶσις …, in: ThW I, S. 688–719. 📖 ↩
3
Ethelbert Stauffer (8.5.1902–1.8.1979), 1934 Ordinarius für Neues Testament in Bonn, 1948–1967 in Erlangen, schrieb: Liberalistisches und mythisches Denken im Kampf um die Bibel, in: Westdeutsche Akademische Rundschau, Jg. 4 (1934), Nr. 17, S. 1f. 📖 ↩
4
Rezension von R. Bultmann über E. Stauffer, Grundbegriffe einer Morphologie des neutestamentlichen Denkens (BFChTh 33/2), Gütersloh 1929 📖, in: ThLZ, Jg. 59 (1934), Sp. 211–215 📖.↩