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Schönen Dank für Ihren gestrigen Brief. Sie haben mir in Bismarckischer Weise «ans Portepee gegriffen»1, und so habe ich keine andere Wahl, als Ihnen zuzusagen, daß ich an jener Konferenz, wenn ich bis dann noch lebe, teilnehmen und auch den gewünschten Vortrag übernehmen werde. So ungünstig meine Stellung in einem aus lauter Schü|105lern von Ihnen zusammengesetzten Kreise dann zum vornherein sein wird. Aber das Wichtigste kann und soll ja dann in der Tat die Aussprache im engsten Kreise sein. Ich bitte Sie nur, das Datum möglichst frühzeitig festzulegen, damit Alle sich einrichten können. Ich werde Alles tun, um Thurneysen zu veranlassen, sich ebenfalls einzufinden, und außerdem muß doch wohl wegen ZdZ auch Georg Merz zugegen sein. Wie das Alles werden wird, ist mir zwar reichlich schleierhaft, weil die Möglichkeit, mit Gogarten zu reden wie mit andern vernünftigen Lebewesen, für mich zu jenen ontologischen Möglichkeiten gehört, denen ich mit soviel Unglauben gegenüberstehe. — Das Schicksal wollte inzwischen noch eine erhebliche Verstärkung meines «Pessimismus»: in unserer Fachschaft sprach am Freitag vor acht Tagen eben jene mit Gogarten nach dessen eigenen Erklärungen theologisch durchaus solidarische Frau von Tiling, eine baltische Baronin, der nur die Reitpeitsche fehlt, um ganz klar zu machen, wo die Sache mit dem Nächsten, mit der Liebe und mit den Ständen eigentlich hinauswill, und angesichts derer mir sowohl die tiefe Berechtigung des mulier taceat in ecclesia2 als auch der mögliche Sinn der angeblichen Christenverfolgungen im Baltikum sehr deutlich geworden ist: es war eine solche Offenbarung von intellektueller Brutalität, daß es mich noch heute schüttelt, wenn ich an jene Diskussion zurückdenke.3 Mit diesem typos didaches4 soll mir dann Gogarten im Oktober nicht kommen, wenn das zweite Marburger Gespräch nicht ebenso unergiebig verlaufen soll wie das erste.5
Sie werden auch froh sein, das Semester langsam seinem Ende entgegen gehen zu sehen. Auf uns wartet nun viel Abschied, Aufbruch und Neuanfang. Mit Heinrich Scholz bin ich im Lauf dieses Winters in so gute und nahe Fühlung gekommen, daß ich nicht weiß, ob ich, noch einmal vor die Wahl gestellt, Bonn nicht um seinetwillen ablehnen würde. Solche Nachbarschaft mit dem Philosophen werde ich dort sicher nicht wieder finden.6
106 Lassen Sie sich’s mit allen Ihrigen gut gehen und seien Sie herzlichst gegrüßt von