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        <title type="volume" n="vol-01">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 67</title>
        <title type="content">Karl Barth an Rudolf Bultmann</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Rudolf Bultmann, 17. Februar 1930</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/1069 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966, hrsg. v. Jaspert, Bernd (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 1994, S. 104–106.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
          <title type="text">Brief Nr. 67: Karl Barth an Rudolf Bultmann</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Jaspert, Bernd</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1994</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 104-106</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.1, Karl Barth Rudolf Bultmann Briefwechsel 1911-1966, letter 67</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Karl Barth an Rudolf Bultmann, 17. Februar 1930. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/17449">KBA 9230.43</ref>. </bibl>
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          Barth
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                        <placeName ref="kbga-places-44">Münster</placeName>, <date when="1930-02-17">17.II.1930</date>
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          <salute>Lieber Herr <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName>!</salute>
        </opener>
        <p>Schönen Dank für Ihren gestrigen Brief. Sie haben mir in Bismarckischer Weise «ans Portepee gegriffen»<note xml:id="n01">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1134">
                            <persName ref="kbga-actors-500">O. Fürst von Bismarck</persName>, <hi rend="italic">Gedanken und Erinnerungen</hi>, gegen Ende von Kap. 12 (Taschenausgabe in einem Band, Stuttgart/Berlin 1926, S. 271–274).</bibl> <persName ref="kbga-actors-500">Bismarck</persName> berichtet dort von einem Gespräch, das er, zwei Wochen nach seiner Ernennung zum preußischen Ministerpräsidenten, am <date when="1862-10-04">4.10.1862</date> während einer Eisenbahnfahrt von <placeName ref="kbga-places-801">Jüterbog</placeName> nach <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> mit König <persName ref="kbga-actors-427">Wilhelm I.</persName> geführt habe. Der König befand sich nach Presseberichten über eine <persName ref="kbga-actors-500">Bismarck</persName>-Rede und einem Besuch bei der zur Kur in <placeName ref="kbga-places-409">Baden-Baden</placeName> weilenden Königin in trüber Stimmung. <persName ref="kbga-actors-500">Bismarck</persName> versuchte ihn für sich zu gewinnen. Er schreibt (S. 273f.): «Je länger ich in diesem Sinne sprach, desto mehr belebte sich der König und fühlte sich in die Rolle des für Königthum und Vaterland kämpfenden Offiziers hinein. […] Er hatte sich bis dahin auf seiner Fahrt nur gefragt, ob er vor der überlegenen Kritik seiner Frau Gemahlin und vor der öffentlichen Meinung in <placeName ref="kbga-places-289">Preußen</placeName> mit dem Wege, den er mit mir einschlug, würde bestehn können. Dem gegenüber war die Wirkung unsrer Unterredung in dem dunklen Coupé, daß er die ihm nach der Situation zufallende Rolle mehr vom Standpunkte des Offiziers auffaßte. Er fühlte sich bei dem Porte-épée gefaßt und in der Lage eines Offiziers, der die Aufgabe hat, einen bestimmten Posten auf Tod und Leben zu behaupten, gleichviel, ob er darauf umkommt oder nicht. Damit war er auf einen seinem ganzen Gedankengange vertrauten Weg gestellt und fand in wenigen Minuten die Sicherheit wieder, um die er in <placeName ref="kbga-places-160">Baden</placeName> gebracht worden war, ja selbst seine Heiterkeit.»</note>, und so habe ich keine andere Wahl, als Ihnen zuzusagen, daß ich an jener Konferenz, wenn ich bis dann noch lebe, teilnehmen und auch den gewünschten Vortrag übernehmen werde. So ungünstig meine Stellung in einem aus lauter Schü<pb xml:id="p105" ed="pga" break="no"/>lern von Ihnen zusammengesetzten Kreise dann zum vornherein sein wird. Aber das Wichtigste kann und soll ja dann in der Tat die Aussprache im <hi rend="italic">engsten</hi> Kreise sein. Ich bitte Sie nur, das Datum möglichst frühzeitig festzulegen, damit Alle sich einrichten können. Ich werde Alles tun, um <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> zu veranlassen, sich ebenfalls einzufinden, und außerdem muß doch wohl wegen <orgName ref="kbga-actors-6169">ZdZ</orgName> auch <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> zugegen sein. Wie das Alles werden wird, ist mir zwar reichlich schleierhaft, weil die Möglichkeit, mit <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> zu reden wie mit andern vernünftigen Lebewesen, für mich zu jenen ontologischen Möglichkeiten gehört, denen ich mit soviel Unglauben gegenüberstehe. — Das Schicksal wollte inzwischen noch eine erhebliche Verstärkung meines «Pessimismus»: in unserer Fachschaft sprach am Freitag vor acht Tagen eben jene mit <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> nach dessen eigenen Erklärungen theologisch durchaus solidarische Frau <persName ref="kbga-actors-405">von Tiling</persName>, eine baltische Baronin, der nur die Reitpeitsche fehlt, um ganz klar zu machen, wo die Sache mit dem Nächsten, mit der Liebe und mit den Ständen eigentlich hinauswill, und angesichts derer mir sowohl die tiefe Berechtigung des <foreign xml:lang="lat">mulier taceat in ecclesia</foreign><note xml:id="n02">Vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.14.34">1.Kor. 14,34</ref>.</note> als auch der mögliche Sinn der angeblichen Christenverfolgungen im Baltikum sehr deutlich geworden ist: es war eine solche Offenbarung von intellektueller Brutalität, daß es mich noch heute schüttelt, wenn ich an jene Diskussion zurückdenke.<note xml:id="n03">Vgl. <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bericht über diesen Vortrag von <persName ref="kbga-actors-405">Magdalene von Tiling</persName> am <date when="1930-02-07">7.2.1930</date> in seinem Brief an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom <date when="1930-02-08">8.2.1930</date>, <bibl corresp="kbga-bibls-932">
                            Bw.Th. II, 
                                <ref type="pub-" target="../volume/04/p715#p715">S. 715f.</ref></bibl></note> Mit diesem <foreign xml:lang="lat">typos didaches</foreign><note xml:id="n04">Vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.6.17">Röm. 6,17</ref>.</note> soll mir dann <persName ref="kbga-actors-137">Gogarten</persName> im Oktober nicht kommen, wenn das zweite Marburger Gespräch nicht ebenso unergiebig verlaufen soll wie das erste.<note xml:id="n05">Siehe <ref type="pub" target="1068#fn_n06">Nr. 66, Anm. 6</ref>.</note>
            </p>
        <p>Sie werden auch froh sein, das Semester langsam seinem Ende entgegen gehen zu sehen. Auf uns wartet nun viel Abschied, Aufbruch und Neuanfang. Mit <persName ref="kbga-actors-374">Heinrich Scholz</persName> bin ich im Lauf dieses Winters in so gute und nahe Fühlung gekommen, daß ich nicht weiß, ob ich, noch einmal vor die Wahl gestellt, <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> nicht um seinetwillen ablehnen würde. Solche Nachbarschaft mit dem Philosophen werde ich dort sicher nicht wieder finden.<note xml:id="n06">
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hatte zum Sommersemester 1930 einen Ruf an die Universität <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> angenommen. Seine Freundschaft mit dem Philosophen <persName ref="kbga-actors-374">Scholz</persName> (17.12.1884–30.12.1956), mit dem auch <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName> in Kontakt stand, überdauerte auch die Trennung durch <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Weggang nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>.</note>
            </p>
        
        <closer>
          <salute>
                        <pb rend="noPipe" xml:id="p106" ed="pga"/> Lassen Sie sich’s mit allen Ihrigen gut gehen und seien Sie herzlichst gegrüßt von</salute>
          <salute>Ihrem</salute>
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                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>
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