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Gerne erfülle ich Ihren Wunsch! Ich sende Ihnen mein Konzept für die Ausführungen, die
ich ehemals in unserer Fakultät vorgetragen und dann in meinem Separatvotum dem Minister
geschickt habe (ziemlich genau in der gleichen Form). Vorher ging das Votum über die von
der Majorität der Fakultät vorgeschlagenen Kandidaten; es folgte das Votum über Sie, über
Brunner und Schumann.1 Ich hoffe, Sie können das |97 Konzept
lesen, und freue mich, wenn es Ihnen noch einen Dienst leisten kann. Hat es das getan, so
erbitte ich es mir zurück für etwaige künftige Fälle.
Ich habe damals das Telegramm an Sie nicht leichten Herzens abgesandt. Denn so sehr ich
Gogarten die Professur in Münster wünsche, so widerstrebte es mir doch, mich
ungefragt in irgend einer Weise einzumischen. Erst als ich von Berlin telefonisch dazu aufgefordert wurde, habe ich
telegraphiert und geschrieben, um nun doch auch an meinem Teile nichts zu versäumen.
Da ich nun schon von verschiedenen Seiten hörte, Rade habe in der Schweiz gesagt:
er müsse an Gogartens Zurechnungsfähigkeit zweifeln, so habe sich dieser in Eisenach aufgeführt, so darf ich Sie vielleicht
fragen, ob Rade Ihnen gegenüber diesen
Ausspruch getan hat, oder ob Sie mir ihn sonst beglaubigen bzw. seine Quelle nachweisen
können.2 Ich möchte diese
Äußerung, wenn sie wirklich getan ist, doch nicht so hingehen lassen. Denn sie ist eine
unerhörte Verleumdung und kann nur auf einem erschreckenden Pharisäismus beruhen. Daß
Gog. sich gelegentlich — und so auch in
Eisenach — leidenschaftlich geäußert hat, das ist ihm doch nur hoch anzurechnen und kann nur
in dieser Pharisäergesellschaft des «Gegenwarts-Christentums» Anstoß erregen. Daß er das
in Eisenach in irgend einer
das Maß des Anstands überschreitenden Weise getan hätte, ist einfach nicht wahr, und ich
darf mich dafür auf das Urteil meiner in diesen Dingen empfindlichen Frau berufen, die mit dabei war.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus