Brief Nr. 64 · 3. Februar 1930

Rudolf Bultmann an Karl Barth

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Lieber Herr Barth!

Eben aus dem Kolleg gekommen, finde ich das neue Heft von Zw.d.Z. vor und lese «Quousque tandem …?»1 Da muß ich doch gleich sagen, daß ich Ihnen selten für etwas so dankbar gewesen bin wie jetzt für diesen Ruf (obwohl ich auch sonst wahrlich Anlaß genug für Dankbarkeit hatte). Ich wünsche und hoffe, daß er gehört wird und die Sache nicht auf die Sensation beschränkt bleibt.

Es war doch ein Jammer, daß Sie neulich2 nicht noch einen Tag blieben! Viele waren doch umgekehrt und wollten Sie am 2. Tage hören; viele wollten Sie zum 2. Male hören, — und ich hätte doch gerne noch ein wenig mit Ihnen disputiert.

Herzliche Grüße von meiner Frau und mir an Sie und die Ihre!
Ihr
Rudolf Bultmann

Sachfußnoten

1
K. Barth, Quousque tandem …?, in: ZdZ, Jg. 8 (1930), S. 1–6 📖 (= K. Barth, «Der Götze wackelt». Zeitkritische Aufsätze, Reden und Briefe von 1930 bis 1960, hrsg. von K. Kupisch, Berlin 1961, S. 27–32 📖).↩
2
Am 20.1.1930 hatte Barth vor der Marburger Theologischen Fachschaft einen Vortrag über «Theologische und philosophische Ethik» gehalten. Veröffentlichung vorgesehen in dem Band Vorträge und kleinere Arbeiten 1925–1930 (Gesamtausgabe, Abt. III) 📖. Vgl. seinen Bericht vom 26.1.1930 an Thurneysen, Bw.Th. II, S. 700–702. 📖 ↩