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Soeben wurde ich von Berlin telephonisch
angerufen. Streng vertraulich wird mir mitgeteilt, daß Becker und Richter1 geneigt
seien, Gogarten als Ihren Nachfolger nach
Münster zu berufen2, wenn von Ihnen ein Sondervotum
für Gogarten vorliege. Ich werde gebeten, Ihnen
das telegraphisch mitzuteilen, und werde sofort telegraphieren3, schreibe |95 aber
doch auch diesen Eilbrief, der vielleicht auch noch vor Ihrer Fakultäts-Sitzung
eintrifft.
Ich hatte ohnehin angenommen, daß Sie ein Sondervotum für Gog. machen würden, erfülle aber den Berliner Wunsch gerne; denn ich habe ja auch den dringenden Wunsch, daß er
endlich eine Professur bekommt4, — zumal unter dem Eindruck
unseres Zusammenseins vor und in Eisenach.5 Wie trostlos es dort war, davon ein andermal! Rade war ratlos und verzweifelt, weil er Gog.’s und meine Verzweiflung an der theologischen Situation im Kreise des
«Gegenwarts-Christentums» nicht verstehen konnte.
Sie werden sich ja nicht auf eine Kompromißliste einlassen, es sei denn, daß Gog. an deren erster Stelle mit allem
Nachdruck genannt ist. Da das nicht zu erreichen sein wird, wie ich vermute, bleibt nichts
als Ihr Sondervotum, durch das Sie — vielleicht ist es nicht zu viel gesagt — Gogarten retten und der Deutschen Theologie einen entscheidenden Dienst
erweisen.
Herzliche Grüße von Haus zu Haus!