Brief Nr. 21 · 15. Juli 1924

Karl Barth an Rudolf Bultmann

36

21

Lieber Herr Bultmann!

Ich wollte wohl kommen, aber ich habe hier so heillos viel Werg an der Kunkel, daß es unmöglich geht. Überdies ließ ich mich letztes Mal durch Rades Protest gegen mein Erscheinen endgültig belehren, daß ich dort zu Gastrollen irgendwelcher Art nicht erwünscht bin. Und endlich bin ich als schwerfälliger Schweizer doch nicht so rasch von Begriffen, daß ich hurtig genug einsehen würde, was Heidegger, den ich noch gar nicht kenne, will, um mich nützlich an der Debatte beteiligen zu können. Wollen wir nicht einmal eine kleine Marburg-Göttingen-Konferenz an einem dritten Ort veranstalten? Frl. Haas scheint Ihnen ausgerechnet die finstersten Partieen aus meiner Vorlesung1 vorgetragen zu haben.

Mit herzlichem Gruß und Dank
Ihr
Karl Barth

Sachfußnoten

1
D.h. wohl: aus ihrer Nachschrift von Barths Dogmatik-Vorlesung im Sommersemester 1924; s. Nr. 12, Anm. 13.↩