Brief Nr. 22 · 18. Juli 1924

Rudolf Bultmann an Karl Barth

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L. H. B.!

Ihren ersten Grund muß ich anerkennen; bitte Sie aber, noch einmal zu erwägen, ob Sie sich nicht doch für den einen Tag frei machen können. Ich vermute, daß es Ihnen selbst als lohnendes Opfer erscheinen |37 wird, wenn Sie hier gewesen sind. — Was nun den 2. Grund betrifft, daß hier keine Gastrollen von Ihnen gewünscht werden, so bin ich einigermaßen böse und werde, wenn der Protest von Rade wirklich ernstlich ein Grund für Sie ist, nicht zu kommen, in der Fakultät Krach machen. Ich finde das unerhört, Sie mit solchen Erwägungen fern zu halten, und muß in diesem Fall doch geltend machen, daß auch ich zur Marburger Fakultät gehöre und nicht einmal der einzige bin, der der Meinung ist, daß Ihr Kommen nur zu einem fruchtbaren Austausch führen kann. Übrigens würde auch Heidegger großen Wert auf Ihr Kommen legen. — Ihr 3. Grund, daß Sie H. noch nicht kennen, begründet im Gegenteil die Notwendigkeit, daß Sie kommen. Es ist dann höchste Zeit, daß Sie ihn kennen lernen.

Ich hoffe also, Sie kommen doch. Damit soll im übrigen Ihr Vorschlag einer Zusammenkunft am 3. Ort nicht abgewiesen sein. Darüber können wir dann reden.

Mit herzlichem Gruß
Ihr
R. Bultmann