6. Oktober 1952

Gespräch in Neuchâtel

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GESPRÄCH IN NEUCHÂTEL

1952

Dieses Gespräch ist Teil einer ganzen Reihe von Gesprächen, zu denen Barth seit den frühen 1940er Jahren von Alcide Roulin1 nach Neuchâtel eingeladen wurde.

Alcide Roulin war einer der profiliertesten Vertreter der Theologie Barths unter den Pfarrern im französischsprachigen Teil der Schweiz. Seit den Vorbereitungen zu den ersten Gesprächen über Calvins Katechismus, die am 2. Oktober und 30. Dezember 1940 in Travers stattfanden,2 standen er und Barth in einem andauernden brieflichen Austausch.3 Mehrere weitere Gespräche zunächst in Bayards bzw. im Val-de-Travers, dann in Neuchâtel wurden dabei verabredet.4 Noch |388 im Nachruf auf Roulin hieß es: «C’est grâce à lui, en particulier, que Karl Barth vint souvent à Neuchâtel et au Val-de-Travers, diriger, pendant et après la guerre, des séminaires passionnants.»5

Für den Herbst 1952 war zunächst wohl ein weiteres Gespräch über Calvin geplant, das Barth jedoch im März mit dem Hinweis auf seine Arbeitsbelastung absagte.6 Postwendend reagierte Roulin und teilte Barth mit, dass es nicht unbedingt ein Calvin-Gespräch sein müsse, sondern dass die Neuenburger Pfarrer gern – und wenn es für Barth besser sei, auch in Basel – auch an einem allgemeineren Austausch über Fragen, mit denen Barth im Augenblick beschäftigt sei, interessiert seien.7 Eine Antwort Barths ist nicht erhalten, er muss jedoch zustimmend reagiert haben, denn am 12. Juli suchten Roulin und eine Gruppe von Pfarrern ihn in Basel auf und legten ihm bereits gesammelte Fragen vor, deren Beantwortung Barth für den 6. Oktober 1952 in Neuchâtel zusagte. In der Zwischenzeit, so hatte Roulin versprochen, würde er diejenigen, die auf seinen Aufruf hin bereits Fragen für das Gespräch eingesandt hatten, um nähere Erläuterungen bitten und diese anschließend Barth zusenden.8

Das Gespräch wurde zwar in «La Vie Protestante» angekündigt,9 teilnehmen durfte aufgrund des «privaten Charakters» der Veranstaltung aber nur, wer eine Einladung erhalten hatte, in der die vorgesehenen Themen und Fragen aufgelistet waren. Die Einladung war bereits mit dem Hinweis versehen: «Da die meisten der vorgeschlagenen Themen von besonderer Tragweite sind und die Liste im Nachhinein noch um weitere Fragen erweitert wurde, kann das vorgese|389hene Programm an diesem Tag vielleicht nicht abgearbeitet werden. In diesem Fall bitten wir im Voraus um Entschuldigung.»10

Barth bereitete das Gespräch wie üblich mit eigenen, relativ ausführlichen Notizen vor, die er entsprechend der von ihm teils variierten Abfolge der ihm übermittelten Fragen niederschrieb.11 – Über den Ablauf des Gesprächs, das am 6. Oktober 1952, morgens um 9 Uhr im Pastorenhaus begann und wohl bis zum Nachmittag dauerte,12 sind über die Fragen und Notizen hinaus keine Aufzeichnungen Barths erhalten. Es erschien aber zwei Tage nach dem Gespräch ein Bericht darüber in der Zeitung «Feuille d’Avis de Neuchâtel», der aus einer Barth gegenüber eher kritischen Position seine Aussagen zu einzelnen Punkten (Leid, Sünde, [christliche] Kunst) knapp wiedergab. Übergreifend hieß es dort jedoch zu Barths Auftreten und dem Eindruck, den er hinterließ, dass er «nie ein Problem für sich allein betrachtet, als ob man es isolieren und zu einer eigenständigen Realität machen könnte, sondern es immer auf Jesus Christus bezieht. […] Es ist also eine Botschaft des Optimismus, die Professor Barth uns gestern überbrachte; aber natürlich darf es kein optimistisches ‹System› oder eine billige Orthodoxie sein.» Der Verfasser resümierte: «Selbst wenn er manchmal die Gefühle seiner Zuhörer schockiert, tut Barth dies mit einer ansteckend guten Laune. Fast immer stark, immer persönlich, üben seine Gedanken eine große Anziehungskraft aus. Hinzu kommt, |390 dass wir die gestern angenommene Form von freier Diskussion als besonders glücklich empfanden.»13

Die Edition bietet die Barth vorgelegten ausführlichen Fragen (KBA 9352.774) und seine Antwort-Notizen (KBA 45220). Die im zwei Tage später erschienenen Zeitungsbericht enthaltenen Ausführungen zu einzelnen Fragen sind angemerkt.

Neuchâtel – 6. Okt[ober] 1952

Frage 1: Beziehungen zwischen Gott und der Natur.

Was ist der Unterschied zwischen 1) dem Menschen, wie er von Gott geschaffen wurde, 2) dem alten Menschen und 3) dem neuen Menschen?

Hat die Sünde im Menschen das «alles war sehr gut» aus Gen. 1[,31] zerstört? Wenn die Sünde Gottes Schöpfung, das «alles war sehr gut», im Menschen nicht zerstört hat, was bedeutet dann die Auferstehung? Ist sie immer noch eine Neuschöpfung? Und ist die Auferstehung nicht eine Neuschöpfung? Wurde das Bild Gottes im Menschen nicht durch die Sünde ausgelöscht?

Wie kann man den Unterschied zwischen dem Gott der Vorsehung (Dieu-Providence) und Gott als dem himmlischen Vater (Dieu-Père céleste) deutlich markieren? (Allgemeines und besonderes Handeln Gottes).

Was denken Sie über das «ewige Leben» in Bezug auf die gegenwärtige Schöpfung? Was ist in Ihren Augen der zweite Tod? (Offb. 2,11; 20,6; 21,8)

391 Gab es etwas, bevor Gott sein Schöpfungswerk begann? Kann man sagen, dass Gott das Böse «erscheinen» ließ, als er die Finsternis vom Licht trennte?

[Barth14:]

a) Der Mensch als Geschöpf

┌ Dazu bestimmt, Gott zu kennen und ihm zu dienen
Alles war sehr gut! ┤ Zusammen mit seinem Nächsten existierend
│ In der Einheit von Seele und Körper existierend
└ In den Grenzen seiner Zeit existierend

Als solcher die Spiegelung (le reflet) der Menschheit J[esu] C[hristi]!

b) der «alte» Mensch: dieses Geschöpf, das – ohne aufzuhören, in dieser Natur zu existieren (ohne Unterscheidung) –

     sich selbst gegenüber Gott und seinem Nächsten verleugnet ┐ die «Sünde» =
     sich gegen das auflehnt, was es ist ┘ Perversion
das schuldig wird an einer
Handlung ohne ontologische Grundlage («die unmögliche Möglichkeit» Fr[age] 4!)
läuft Gefahr,

verloren zu gehen: zum Nichts zu gehören, das es gewählt hat

Als solcher das Spiegelbild (le reflet) der Erlösung in J[esus] C[hristus]

c) der «neue» Mensch: dasselbe Geschöpf, das in J[esus] C[hristus] getötet wurde und in der Hoffnung auf seine Auferstehung mit ihm lebt

________

Gott der Vorsehung ┐ der eine Gott ┌ Schöpfer (im Blick auf Jesus Christus)
├ in seiner ┤
Gott als himmlischer Vater ┘ Eigenschaft als └ Versöhner (als Herr der Welt)

________

392 «Ewiges» Leben: Unser gegenwärtiges Leben, das in seiner Wahrheit (deren Richter J[esus] C[hristus] sein wird) offenbart wird, wie es schon jetzt in der Sicht Gottes ist («so erkennen, wie wir erkannt sind») [vgl. 1.Kor. 13,12].

________

Der «zweite Tod»: Existenz in der Gottvergessenheit. «Ich kenne euch nicht…» [Mt. 7,23] Sturz ins Nichts (= Hölle)

________

Etwas vor der Schöpfung? Per definitionem: Nein

________

Lässt Gott das Böse «erscheinen»? Ja – und er beweist damit, dass er auch sein Herr ist. Eph. 5,13!


Frage 2: [Könnten Sie] die Rolle der Vernunft im Leben des Christen bestimmen?

Ist die Vernunft per se ein Übel oder ein seinem Wesen nach neutrales Instrument, das sowohl zum Guten als auch zum Bösen eingesetzt werden kann?

Kann die «Wahrheit» der Vernunft mit der «Wahrheit» der Offenbarung in Übereinstimmung gebracht werden? Wie bestimmt man den Unterschied zwischen dem, was die Wissenschaft als Wahrheit bezeichnet (zwei mal zwei ist vier), und der Wahrheit, von der Jesus sprach: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben» [vgl. Joh. 14,6].

Hat Luther nicht gegen die Vernunft gewettert (vituperé)?15 Warum?

[Barth:]

Da Gottes Ordnung auf seiner Erwählung gründet, gibt es keine «neutralen» Gegebenheiten.

«Die Vernunft»: eine Eigenschaft des Menschen, die nicht von seiner Existenz gemäß seiner (guten) Natur zu trennen ist: sehen, hören, unterscheiden, verstehen – Die äußere und innere Welt, in letzter (erster!) Instanz: Gott, der in der Welt handelt[,] sein Wort, seine Taten in der Geschichte, also[:] dem Guten dienen

Der Mensch, der sich Gott widersetzt, handelt gegen die Vernunft; er ist ein nabal16, ein Narr.

393 Also: Die «Wahrheit» der Vernunft kann nicht nur mit der Wahrheit der Offenbarung übereinstimmen. Sie ist «Wahrheit», sofern sich der Mensch dieser unterwirft.

Keine Schlussfolgerung (z.B. 2 x 2 = 4) ist in sich «wahr», sondern nur im Zusammenhang mit der entdeckten[?] Erkenntnis, mit der Wahrheit, die identisch ist mit Gott in J[esus] C[hristus]!

Luther «wetterte» gegen den Menschen, der seine Vernunft für ein absolutes Prinzip hält – für einen Maßstab des Wortes –, anstatt seine Schlussfolgerungen vom Wort messen zu lassen.


Frage 3: Worauf lässt sich der Wert des menschlichen (körperlichen) Lebens begründen?

Man hat heute den Eindruck, dass es vor allem um das Leben in «dieser Welt» geht. So lange wie möglich leben! Denn was danach kommt, weiß man nicht…! Man lässt sich scheiden und sagt sich: «Ich habe mein Glück in der Ehe, die ich eingegangen bin, verpasst. Wir sollten uns trennen und uns beeilen, die richtige Ehe zu schließen![»] Über den Krieg sagt man: «Alle diese geopferten Menschenleben!» Die Medizin scheint nur ein Ziel zu haben: das Leben so lange wie möglich zu verlängern. Leben, um zu leben: eine andere Rechtfertigung wird nicht gegeben. Was bedeutet es aus christlicher Sicht, Ja zum Leben zu sagen?

[Barth:]

Das christliche Ja ist der Akt der Dankbarkeit, den wir Gott, dem Schöpfer unserer (psycho-physischen) Existenz, schulden

Von diesem unvergleichlichen Geschenk – nicht gleich, aber vergleichbar
mit der Existenz Gottes selbst!
unverdient
begrenzt

          Geschenk? Weil es die Möglichkeit enthält, Gott zu kennen, ihm zu dienen, uns
          zu lieben – denn um dieses (um dieses eine) [Leben] wird es im ewigen Leben
          gehen!

394   Ich lebe und ihr sollt auch leben! [Vgl. Joh.14,19]

  Du sollst nicht töten! [Ex. 20,13]


Frage 4: Könnten Sie erklären, warum Sie sagen, dass das Böse, die Sünde die unmögliche Möglichkeit ist?17

Kann man sagen, dass das Böse, die Sünde eine «Wirklichkeit» ist? Wenn ja, in welchem Sinne? Wenn nein, wie kann man ausdrücken, was es ist? In der Umgangssprache sagt man auf Französisch, wenn man von jemandem spricht, der ein Leben in moralischer Unordnung führt: er lebt ein unmögliches Leben (il mène une vie impossible). Oder von einem Menschen, mit dem zusammenzuleben schwierig ist: Er hat einen unmöglichen Charakter! Hat diese Redensart etwas mit dem zu tun, was Sie sagen möchten?

Barth:

siehe Frage 1


Frage 518: Man hört gelegentlich, dass das menschliche Leiden wenig Platz in Ihrem theologischen Denken habe, dass es etwas an Mitgefühl fehlt. Was sagen Sie dazu?

Diese Bemerkung kommt eher aus pietistischen Kreisen, in denen man den etwas zu sentimentalen Aspekt des Lebens gerne ausnutzt (exploite). Sie denken zum Beispiel an Wilfred Monod19, der so viel über das Leiden, über das Problem des Leidens gesprochen hat. Sie denken auch an die ganze fromme Literatur rund um christliches Leben, das im Leiden gelebt wurde. Dem Christentum mangelt es heute allgemein an Männlichkeit. Und vom Pastor wird oft ein Trost im Leiden erwartet, das eher in den Kontingenzen des Lebens als in der Stellung des Christen vor Gott begründet ist. – Kann man aus christlicher Sicht sagen, dass es ein Problem mit dem Leiden gibt?20

395 Barth:
Das menschliche Leiden
Bin ich wirklich so «unbarmherzig»?
Wer spricht zu viel über    Gottes Erbarmen (Barmherzigkeit, Mitgefühl, Herablassung)?
den großen Schmerz, den J[esus] C[hristus] für uns erlitten hat?

Von dem unsere Leiderfahrungen nur ein Schatten sein können?

  •     zu seiner Verherrlichung zu durchlaufen
  •     in der Hoffnung auf das ewige Leben zu erdulden?
  •     in Gemeinschaft mit anderen zu tragen, und indem jeder die Last seines Nächsten trägt [vgl. Gal. 6,2]

Gibt es eine eigenständige Theologie des Leidens


Frage 6: Ist es richtig zu sagen, dass Jesus Christus nicht alles offenbart hat, was Gott ist, sondern alles, was der Mensch von Gott empfangen kann? «Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen» (Joh. 16,12)

Steht diese Aussage von J[esus] C[hristus] in Zusammenhang mit der gestellten Frage? Oder bezieht sie sich auf Dinge, die den Jüngern nach seiner Auferstehung offenbart würden? Wie es auch sei – wie kann man auf die gestellte Frage antworten?

Barth:

J[esus] C[hristus] hat alles, was Gott ist, offenbart (1.Kor 2, 10!), aber auf geeignete Weise

    a) für den Menschen als solchen (irdische Gefäße 2.Kor. 4,7)

    b) für die gegenwärtige Situation des Menschen
                 (durch den Glauben 2.Kor. 5,7
                   in einem Spiegel 1.Kor. 13,12)

396     in seinem Wort durch seinen Heiligen Geist
    in der Welt durch den Dienst seines Volkes
    (endgültige Offenbarung ohne diese formale Einschränkung!)


Frage 7: Wie soll man sich die Leitung der Kirche gemäß der Offenbarung vorstellen?

Ist die Unterscheidung, die gerade viele Theologen zwischen Institutionalismus und Prophetie machen (wenn sie über den Begriff der Kirche und insbesondere über die Kirchenleitung sprechen), biblisch begründet? Gründet diese Unterscheidung nicht eher in einer «konfessionalistischen» Theologie als in einer biblisch-objektiven? Anders ausgedrückt: Was ist die wahre Natur der Kirche und ihrer Leitung gemäß der Offenbarung?

Kann man aus dem Dilemma «Institutionalismus-Prophetie» herauskommen, das in ökumenischen Diskussionen und in der Praxis des ökumenischen Lebens heute ein Stein des Anstoßes ist (z.B. beim Problem der Interkommunion oder bei der Entscheidung für eine bestimmte Form der Leitung bei der Gründung junger Kirchen)? Wie können wir es schaffen, uns in den verschiedenen Zweigen (branches) der Kirche dem neutestamentlichen Verständnis der Kirchenleitung anzunähern?

Denken Sie, dass diese Frage mit dem Kirchenbegriff zusammenhängt, mit dieser Frage: Was ist die Kirche? Und mit dieser anderen Frage: Braucht man eine solide und wohlgeordnete Organisation, die den Gläubigen und der Welt ein Gefühl der Stärke vermittelt? Oder sollte man so wenig «sichtbare» Organisation wie möglich haben und die Wirklichkeit der Kirche auf andere Weise bezeugen? Aufgrund der gegenwärtigen Verwirrung der Geister möchten viele Menschen die Kirche in ihren äußeren Institutionen sehen; sie glauben, dass ihnen dadurch geholfen würde und sie mehr Sicherheit hätten.


Frage 8:21 Die Ordnung in der Kirche.

Ich habe keine weiteren Informationen zu dieser Frage erhalten. Ich denke, dass sie mit der vorherigen in Verbindung steht. Aber sie würde wahrscheinlich eher auf Fragen der Disziplin abzielen. Es geht eher um das Leben innerhalb der Kirche als um das, was sie gegenüber der Welt darstellt.

397 Barth:

Die Kirche: Der Leib Christi, der keine andere Ordnung [und] Existenz als die seines lebendigen Hauptes hat – keine andere Einheit und Kontinuität als die in ihm gegebene – keine andere Regierung als die seine – kein anderes Vorrecht als das, ihm zu folgen und auf ihn zu warten – keine andere Autorität als sein Wort

Die «Institutionen» (Beiträge, Ordnung, Traditionen, Dogmen, Funktionäre, Gottesdienst) sind unvermeidbar, aber[?] sie gehören zum menschlichen Recht, sind veränderbar, sind nur Instrumente für den Dienst der Kirche – der Frage des Gehorsams unterworfen, der täglich erneuert werden muss.

Das «Dilemma» Institutionalismus – Prophetie? Unterwerfung der Institutionen unter die Prophetie J[esu] C[hristi] = des Wortes Gottes

  • Junge Kirchen? Mögen sie ihre eigenen Erfahrungen machen!
  • Interkommunion? Wer lädt zum Abendmahl ein? Wer ist würdig heranzutreten[?]?
  • Solide Organisation? Dienst – die […]23 öffnen[?]!
  • Keine «Verwirrung» der Geister mehr – mehr Freude, auf den Geist zu hören!


Frage 9: Wie kann man das Werk der Gnade in den Sakramenten verstehen? Was geschieht da?

Was ist das Wesen des Sakraments? Ist es die Wiederholung des von Christus gesprochenen Wortes, die die Gaben (das Wasser der Taufe, das Brot und der Wein des Abendmahls) zum Sakrament macht? Ist der Heilige Geist an die Wiederholung der von Christus bei der Einsetzung der Sakramente gesprochenen Worte gebunden?

Welche Wirkung hat das Sakrament? Bringt es objektiv die Gnade? Oder ist es eine objektive Bestätigung der Gnade? – Hat es einen Wert und eine Kraft in sich selbst und daher immer eine Wirkung, entweder eine der Rettung oder eine der Verurteilung, je nach der geistigen Haltung dessen, der es empfängt? Anders gesagt: Ist der Heilige Geist, ohne auf das Sakrament beschränkt zu sein, immer an das Sakrament gebunden?

Hat das Sakrament eine physische, körperliche Wirkung (1.Kor. 11,30)? Was soll dem Gläubigen über das Sakrament gesagt werden? |398 Ist es legitim, die Wirkweise des Sakraments definieren zu wollen? Ist es nicht ein Versuch, die Wirkweise Gottes bestimmen zu wollen? Worauf sollte man also die Unterweisung an diesem Punkt beschränken?

Kann man von einer Taufgnade und einer Gnade des Abendmahls sprechen? Handelt es sich nicht immer und im vollen Umfang um die [eine] Gnade Gottes? Wie kann man den besonderen Aspekt der Sakramente hervorheben, ohne diesbezüglich Missverständnisse im Geist der Gläubigen zu provozieren?

[Barth:]

Vorläufige24 Antwort!

1.) Was ist «Sakrament» im N[euen] T[estament]: Effektive oder zeichenhafte Gnadenmittel? Können Kirche, Predigt, Taufe, Abendmahl, christliches Leben etwas anderes sein als Zeugnisse der Gnade, deren Wirkungen und Zeichen allein und ausschließlich das Werk J[esu] C[hristi] und seines Geistes sind?

2.) Zwei Anordnungen, die sich von allen anderen durch ihre spezifische […]25 – konkret in Bezug auf die Position des Christen gegenüber seinem Herrn – unterscheiden

     Tauft! Lasst euch taufen! Sie glauben (ihr glaubt) – also: lassen Sie sie sich engagieren, sich verpflichten[?] (engagieren Sie sich, verpflichten Sie sich), einzeln, ein für alle Mal!

     Tut dies zu meinem Gedächtnis [vgl. Mt. 26,26 par., 1.Kor. 11,24f.]! Ihr glaubt an mich – also: Bezeugt euch gegenseitig (die einen den anderen!) euer Bewusstsein meiner Gegenwart!

3.) Tat des Gehorsams, des Glaubens, daher:
     ohne dass der Heilige Geist auf solche Worte oder Gestalten beschränkt oder an sie gebunden wäre
     ohne einen intrinsischen Wert, eine intrinsische Kraft zu haben («Taufgnade» etc.)
     ohne Ursache bestimmter Wirkungen zu sein

Sondern Ausdruck des Vertrauens, der Treue, der Erwartung des Christen

399 in Form von Bekenntnissen, die Gott hört ┐
Versprechen, die Gott annimmt ├ Antworten!
Gebeten, die Gott erhört ┘
Ausdruck der Freiheit des Christen, der mit Gottes eigener Macht und Gnade
konfrontiert ist


Frage 10: Wie [soll] man die Kunst aus christlicher Sicht betrachten?

Die Künstler, die sich (mit vielen anderen Personen) mit dieser Frage beschäftigen, sind derzeit in Frankreich, werden aber beim Seminar anwesend sein. Ich meine mich zu erinnern, dass eines Ihrer Anliegen folgendes war: Sind Sie der Ansicht, dass das Kunstwerk in christlicher Sicht mit jeder anderen menschlichen Arbeit auf dieselbe Stufe gesetzt werden kann? Dass es gut oder schlecht ist, je nachdem, welchen Geist man hineinlegt? Und dass Gott es nach seiner freien Entscheidung gutheißt oder nicht gutheißt? Oder glauben Sie, dass die Kunst jenseits davon (abgesehen davon) aus christlicher Sicht einen besonderen Charakter hat? Weil sie mehr als andere Bereiche Gefahr läuft, zu einer «Religion» zu werden? – Die Maler, von denen ich spreche, glauben nicht an eine «religiöse Kunst», die sich von anderer Kunst unterscheidet und besondere Qualitäten hat; vielmehr gibt es, wie sie sagen, nur Kunstwerke, die Themen behandeln, die das religiöse Leben oder andere Aspekte des Lebens berühren. Wenn man die Dinge so sieht, ist es dann legitim, Kunstwerke an einem Ort aufzustellen, an dem Gottesdienst gefeiert wird? […]

Barth26:

Lasst «die Künstler» sprechen!

  • 1.) «Kunst» – ein Beruf wie jeder andere. Kriterien für ihren Wert:
    400 untergeordnet: das «Wissen» – also die Kenntnis der Werkzeuge und der Regeln, […]27, Lernen, Arbeit – Anwendung
        hauptsächlich: zu welchem Ziel? (Frage nach dem «Geist»)
  • 2.) Besonderer Charakter: Repräsentation der Welt, die ihre Wirklichkeit transzendiert –
        Erschaffung von Bildern (Nacheifern28, Imitieren) der «eschatologischen» Wirklichkeit
    Vergöttlichung? Herstellung von Götzen?29 Nicht notwendigerweise
        Ein ernsthaftes Spiel. Aber man sollte aufpassen!
  • 3.) Kunst, die «Themen» behandelt, die «das religiöse Leben berühren»? Im Heidentum ist
    Kunst als solche ein religiöses Werk.
    [Kunst,] die christliche Themen behandelt? Fast unvermeidliche Versuchung
    (Fleisch gewordenes Wort [vgl. Joh. 1,14]) «Kunst» in christlicher Zeit – ist sie legitim?
    Über diese Realität «urteilen»? Was erlauben Sie sich?
  • 4.) Nur Kunstdieser Art an Gottesdienststätten (aux lieux de culte)?
    Nein, weil sie die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung dieser «Bilder» fixiert – an sich und in jedem einzelnen Fall problematisch – da, wo das Wort frei sein müsste


Frage 1131: Ihnen wird immer wieder vorgeworfen, dass Sie die moralischen Forderungen nicht ausreichend berücksichtigen. [Könnten |401 Sie] die Bedeutung des moralischen Gesetzes präzisieren? Wie sehen Sie den Übergang vom Wissen zum Handeln?

Der Mensch bemüht sich, er hat etwas zu tun und muss sich bemühen, um es zu erreichen. Aber ist es nicht der Geist Gottes, der dieses Bemühen (cet effort) in ihm unternimmt? Kann (und muss) man den Anteil Gottes und den Anteil des Menschen voneinander abgrenzen? Wie kann man das präzise bestimmen? (Wenn der Herr nicht das Haus baut… Ps. 127[,1]). Kann man den Angelpunkt zwischen Gesetz und Evangelium bestimmen? Warum muss man stets auf der Hut sein, wenn man über das Gesetz und über das Tun des Gesetzes spricht?

Barth:

«…vorgeworfen, die moralischen Forderungen nicht ausreichend zu berücksichtigen»

Aber, aber aber!    «Moralisches Gesetz»: Keine Vorwürfe machen, bevor man die
betreffenden Fälle erarbeitet hat!

«Moralisches Gesetz» = Göttliche Anordnung, [göttlicher] Befehl, Imperativ

J[esus] C[hristus] – der nicht der Herr wäre? Der Geist – der nicht bewegendes[?]
Prinzip[?] wäre?
Rechtfertigung – ohne Heiligung? Berufung – zur Trägheit?
Prädestination – ohne Berufung? Evangelium – ohne Gesetz?
Glaube – ohne Gehorsam? Ohne Werke? Gott – ohne den verantwortlichen Menschen?
Erkenntnis (connaissance) – χάρις    εὐχαριστία
    ohne Dankbarkeit (reconnaissance)? Gnade – ohne Dankbarkeit?
Eschatologie – Kirche – ohne politische, missionarische
    ohne Bedeutung für die Gegenwart?     Verantwortung?


Frage 12: Krieg und Frieden. Position der (christlichen) Kirche

Wenn es einen direkten Zusammenhang (KD III/4, S. 524f. 📖) zwischen «Frieden» und Krieg gibt, wenn «der Staat seiner normalen Aufgabe nicht recht nachgeht»32, weil er es beispielsweise zulässt, dass |402 sich einige Privilegierte auf Kosten anderer Menschen bereichern, hat dann die Kirche nicht die Pflicht, diese «Korruption des Friedens» energisch anzuklagen, anstatt sich in ihren Synoden und Räten nur aus der Ferne um den Status von [Wehrdienst-]Verweigerern aus Gewissensgründen zu kümmern, was eine geschickte und harmlose Art ist, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen?

Mit anderen Worten: Ist es beim Problem von Frieden und Krieg nicht die Aufgabe der Kirche, Verantwortung zu übernehmen, solange Frieden herrscht, um den Staat immer gerechter zu machen, so dass jeder bekommt, was ihm zusteht? Dies setzt voraus, dass sie in der Lage sein muss, sich mit den ihr eigenen Mitteln in politische Fragen einzumischen, wobei jedes Zögern in dieser Hinsicht ein Zeichen von Schwäche ist.

Besteht an diesem Punkt die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Kirche und Welt?

Barth:

Einverstanden! Wichtiger Grund, gewisse Tendenzen unserer Zeit zu bekämpfen, insbesondere die Wiederbewaffnung Deutschlands!

Sachfußnoten

1
Alcide Roulin (1893–1976), zunächst Bankkaufmann, dann Theologiestudium in Neuchâtel, im Anschluss daran Pfarrer in Beaufort-sur-Gervannes (Drôme, Frankreich), 1927 in Bayards, 1944 in Neuchâtel; seit 1942 auch Redakteur von «La Vie Protestante».↩
2
Roulin war einer der «8 Pfarrer aus Neuchâtel», die Barth am 24. Juli 1940 deshalb und, um mit ihm über «Kirche und Staat» zu reden, besuchten (Taschenkalender Barth, Eintrag vom 24.7.1940; vgl. auch den Brief F. Rysers an Barth vom 9.7.1940 [KBA 9340.338]).↩
3
Im KBA sind 88 zwischen 1940 und 1968 geschriebene Briefe erhalten (14 von Barth und 74 von Roulin).↩
4
Allein zu Calvins Katechismus fanden zwischen 1941 und 1943 noch vier weitere Gespräche statt (vgl. K. Barth, La Confession de Foi de l’Eglise. Explication du Symbole des Apôtres d’après le catéchisme de Calvin. Sténogrammes de 6 séminaires, adaptés par J.-L. Leuba [CThAP 2], Neuchâtel / Paris 1943 📖; dt.: K. Barth, Das Glaubensbekenntnis der Kirche. Erklärung des Symbolum Apostolicum nach dem Katechismus Calvins, aus dem Französischen übers. von H. Goes, Zürich 1967 [vgl. dort S. 7] 📖). Daneben verabredeten beide unter anderem für den 8./9. Januar 1945 ein Gespräch zum Kolosserbrief (das in Lausanne stattfand) und den Vortrag «Les Allemands et nous», den Barth am 21. Januar 1945 zunächst in Couvet NE hielt und dann am Abend in Neuchâtel wiederholte (vgl. K. Barth, Die Deutschen und wir, Zollikon-Zürich 1945 [auch in: ders., Eine Schweizer Stimme 1938–1945, Zollikon-Zürich 1945, S. 334–370 📖]; frz.: K. Barth, Les Allemands et nous, trad. de J.-L. Leuba, Neuchâtel / Paris 1945 📖).↩
5
† Le pasteur Alcide Roulin, in: FAN / Feuille d’Avis de Neuchâtel. L’express, Jg. 238, Nr. 49 vom 28./29.2.1976, S. 3 📖 (dt.: «Ihm ist es insbesondere zu verdanken, dass Karl Barth häufig nach Neuenburg und ins Val-de-Travers kam, um während und nach dem Krieg spannende Seminare zu leiten.»).↩
6
Vgl. Brief Barths an Roulin vom 22.3.1952 (KBA 9252.47).↩
7
Vgl. Brief Roulins an Barth vom 24.3.1952 (KBA 9352.168).↩
8
Vgl. das Schreiben Roulins an Barth vom 18.9.1952, mit dem er die inzwischen ausgearbeiteten Fragen übersandte (KBA 9352.774). Den Besuch in Basel hatte Roulin in einem Brief an Barth vom 13.6.1952 (KBA 9352.374) angekündigt.↩
9
Ein Ausriss der Ankündigung aus der Ausgabe vom 26.9.1952 ist im KBA erhalten (KBA 15109).↩
10
KBA 14554 (undatierte Einladung). Im frz. Original: «Les sujets proposés ayant pour la plupart une ampleur particulière, et d’autres questions étant venues allonger encore la liste après coup, le programme prévu ne pourra peut-être pas être épuisé ce jour-là. Dans ce cas, nous nous en excusons d’avance.» Auf der Einladung war ebenfalls vermerkt, dass sie zum Eintritt berechtigte: «Cette rencontre a un caractère privé. La présente invitation donne droit d’entrée.»↩
11
Es finden sich sieben DIN A5-Blätter (acht beschriebene Seiten) mit handschriftlichen Notizen Barths (KBA 45220), die sich an den ihm übermittelten ausführlichen Fragen (KBA 9352.774; vgl. Anm. 8) orientierten, von denen er einige noch aufgliederte.↩
12
Die Angabe von Uhrzeit und Ort findet sich in der veröffentlichten Ankündigung (Anm. 9) und in der Einladung (Anm. 10). Da Barth laut seinem Taschenkalender am gleichen Tag noch nach Bern reiste, wird das Gespräch vor dem Abend beendet gewesen sein.↩
13
P. L. B., Un Séminaire Karl Barth à la Salle des pasteurs à Neuchâtel, in: Feuille d’Avis de Neuchâtel, Jg. 214, Nr. 235 vom 8.10.1952, S. 4 📖; im frz. Original: «[…], que jamais Barth ne considère un problème en lui-même, comme si l’on pouvait l’isoler, en faire une réalité autonome, mais toujours le rapporte à Jésus-Christ. […] C’est donc un message d’optimisme que le professeur Barth nous apportait hier; mais, bien entendu, ce ne doit pas être un ‹système› optimiste, ni une orthodoxie à bon marché. […] Même lorsque parfois il choque le sentiment de ses auditeurs, Barth le fait avec une bonne humeur contagieuse. Presque toujours forte, toujours personnelle, sa pensée exerce une grande séduction. Ajoutons que la formule de libre discussion adoptée hier nous a paru particulièrement heureuse.»↩
14
P. L. B., Un Séminaire Karl Barth (Anm. 13) 📖 gibt Teile von Barths Antwort so wieder: «Il y a un vieil homme, tout chargé de problèmes insolubles, et un homme nouveau, sauvé par Jésus-Christ, qui a résolu ou qui du moins porte allégrement tous ces problèmes. Le sérieux de la vie humaine est déplacé: Jésus-Christ étant maintenant centre, l’homme est déchargé, libéré, illuminé.» (Deutsch: «Es gibt einen alten Menschen, der mit unlösbaren Problemen beladen ist, und einen neuen Menschen, der durch Jesus Christus gerettet wurde, der alle diese Probleme gelöst hat oder zumindest fröhlich erträgt. Der Ernst des menschlichen Lebens wird verlagert: Da Jesus Christus jetzt im Zentrum steht, wird der Mensch entlastet, befreit, erhellt.»).↩
15
Vgl. dazu oben S. 131f., Anm. 70. ↩
16
Hebräisch für «Narr». Vgl. dazu KD IV/2, 463 📖: «Von Mangel an intellektueller Begabung, Auffassungs- und Denkkraft oder an der dem Menschen nötigen oder doch wünschbaren Erudition ist ja nicht die Rede, wenn die Bibel vom nabal oder chesil redet».↩
17
KD III/3, S. 405 📖: «Weil es [das Nichtige] nur zur Linken Gottes, nur unter seinem Nein, nur Gegenstand seines Eiferns, seines Zürnens, seines Gerichtes ist, darum ‹ist› es so problematisch: so gar nicht wie Gott, so gar nicht wie Gottes Geschöpf, sondern nur eben in seiner eigenen, schlechthin nichtigen Weise, nur als Widerspruch in sich selbst, nur als die unmögliche Möglichkeit.»↩
18
Handschriftliche Notiz Barths auf dem Frageblatt: «vgl. Fr[age] 11!»↩
19
Wilfred Monod (1867–1943), französischer reformierter Theologe, 1909 Prof. für Praktische Theologie an der freien protestantischen Fakultät in Paris.↩
20
P. L. B., Un Séminaire Karl Barth (Anm. 13) 📖, erwähnt eine spontane Zwischenfrage, die wohl im Kontext dieser Frage gestellt wurde, und Barths Antwort darauf: «A un pasteur de notre ville qui posait la question suivante: ‹Que devons-nous répondre à ceux qui nous disent: j’ai perdu la foi parce que j’ai trop souffert?›, Barth déclara voir là un raisonnement enfantin. Il ajouta, il est vrai, et avec combien plus de sérieux, que la foi en dirigeant nos regards vers Jésus crucifiée, nous dispose à accepter la souffrance avec amour et à venir en aide à ceux qui souffrent.» Deutsch: «Als ein Pfarrer unserer Stadt die Frage stellte: ‹Was sollen wir jenen antworten, die sagen: Ich habe den Glauben verloren, weil ich zu viel gelitten habe?›, sagte Barth, er sehe darin eine kindische Argumentation. Er fügte hinzu, es sei wahr und ungleich ernsthafter, dass der Glaube, indem er unseren Blick auf den gekreuzigten Jesus richtet, uns dazu bringt, das Leiden in Liebe anzunehmen und denen zu helfen, die leiden.»↩
21
Barth beantwortete die Fragen 7 und 8 gemeinsam.↩
23
Nicht entziffertes Wort.↩
24
Das hier im französischen Original verwendete Wort «préliminaire» könnte auch als «einleitend» übersetzt werden.↩
25
Nicht entziffertes Wort.↩
26
P. L. B., Un Séminaire Karl Barth (Anm. 13) 📖 gibt diesen Gesprächsgang folgendermaßen wieder: «Restait la difficile question de l’art. En donnant une image de ce qui est, l’artiste fait œuvre bonne, à condition toutefois que ni lui ni ceux pour qui il travaille ne voient dans cette image une idole. Sous cette condition, il faut louer tous les grands artistes, même et surtout les païens. Et les artistes chrétiens? là la question se complique; car s’ils prétendent faire autre chose que leur métier, s’ils veulent convertir ou ‹prêcher›, alors Barth proteste avec énergie. En fait, sur tout art dit chrétien, sur toute peinture représentant, par exemple, des scènes de la vie du Christ, pèse une équivoque: ce n’est pas, ce n’est jamais là le vrai Christ, celui que les Evangiles nous font connaître.» (Deutsch: «Es blieb die schwierige Frage nach der Kunst. Indem er ein Bild dessen gibt, was ist, schafft der Künstler ein gutes Werk, allerdings unter der Bedingung, dass weder er noch die, für die er arbeitet, in diesem Bild ein Götzenbild sehen. Unter dieser Voraussetzung sind alle großen Künstler zu loben, auch und gerade die heidnischen. Und die christlichen Künstler? Hier wird die Sache kompliziert, denn wenn sie vorgeben, etwas anderes als ihren Beruf zu tun, wenn sie bekehren oder ‹predigen› wollen, dann protestiert Barth energisch. In der Tat lastet auf jeder christlich genannten Kunst, auf jedem Gemälde, das beispielsweise Szenen aus dem Leben Christi darstellt, eine Zweideutigkeit: Das ist nicht, das ist niemals der wahre Christus; der, den die Evangelien uns zu erkennen geben.»↩
27
Nicht entziffertes Wort.↩
28
Im Mskr. steht, mit einer geschlängelten Linie unterstrichen, in Lateinisch: «aemulari» (möglicherweise «aemulor»).↩
29
Vgl. Inst. I, 11,8 📖: «Hominis ingenium perpetuam, ut ita loquar, esse idolorum fabricam.»↩
31
Handschriftliche Notiz Barths auf dem Frageblatt: «Fr[age] 5!»↩
32
Vgl. KD III/4, S. 524f. 📖: «Die normale Aufgabe des Staates […] besteht […] nach innen und nach außen nicht darin, menschliches Leben zu vernichten, sondern menschliches Leben zu erhalten und zu fördern. […] Wo ein Staat seiner normalen Aufgabe nicht recht nachgeht, da wird er sich früher oder später getrieben sehen, sich die abnormale Aufgabe des Krieges zu stellen und dann auch andere Staaten mit dieser abnormalen Aufgabe zu belasten. Wo die Staatsmacht den inneren Bedürfnissen des Landes nicht gewachsen ist, da wird sie für die dadurch erweckte Unruhe ein Ventil nach außen suchen und im Krieg zu finden meinen.»↩