1937

Questions relating to the subject of the Christian Faith and the Common Life (Oxford-Conference 1937)

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QUESTIONS RELATING TO THE SUBJECT OF THE CHRISTIAN
FAITH AND THE COMMON LIFE
(OXFORD-CONFERENCE 1937)

1937

Mit diesen Antworten auf ihm vorgelegte Fragen beteiligte Barth sich an der Arbeit des Theologischen Forschungsausschusses, der mithalf, die für 1937 nach Oxford einberufene zweite Weltkonferenz für Praktisches Christentum zum Thema «Kirche, Volk und Staat» vorzubereiten.

Zu ersten Kontaktaufnahmen mit Barth war es im Frühjahr 1935 gekommen, als Wilhelm Menn,1 damals Pfarrer in Andernach, ihn noch in Bonn anschrieb und ein Treffen mit John H. Oldham2 arrangieren wollte.3 Oldham hatte im Jahr zuvor den Vorsitz im Theologischen Forschungsausschuss zur Vorbereitung der Oxforder Konferenz übernommen, dem auch Menn angehörte;4 eine Woche später bekam Barth auch Oldhams Broschüre «Church, Community, and State» zugeschickt, ein «Büchlein», wie Menn dazu schrieb, das eine «Eröffnung der Studienarbeit für die Weltkonferenz von 1937» sein wolle.5 Danach riss der Gesprächsfaden zwischen Oldham und Barth nicht ab, und im August 1936 trafen sich beide im Bergli in Oberrieden,6 wo |704 Barth wie fast immer in diesen Jahren einen Teil der Ferien verbrachte. Im Anschluss versuchte Oldham, Barth zu einer Teilnahme an der Oxforder Konferenz zu bewegen: «I hope also that you will make your plans to attend the Oxford Conference. I feel increasingly how important it is that you should come to this ecumenical gathering and give your testimony.»7 Barth wartete lange mit einer Antwort, doch dann sagte er bedauernd ab: «Sie haben mir im vergangenen Sommer auf dem Bergli so freundlich und eindringlich zugeredet hinsichtlich meiner Beteiligung an der Vorbereitung und an der Arbeit der in diesem Jahr stattfindenden ökumenischen Konferenz in Oxford. Ich habe Ihnen wirklich willig zugehört und ich kann Ihnen sagen, dass es Ihnen gelungen ist, mehr als ein Vorurteil, das ich gegen diese Sache hatte, aus dem Wege zu räumen oder doch abzuschwächen. […] Indem ich jetzt meine ganze Lage im angefangenen Jahr im Voraus überblicke, muss ich Ihnen ehrlich und um Sie nicht später zu enttäuschen sagen: es geht nicht.»8 Aus den weiteren Zeilen geht hervor, dass Barth von Oldham auch schon mit Material aus der Arbeit des Theologischen Forschungsausschusses9 versorgt worden war: «Nach meinem bisherigen, oberflächlichen Einblick in das mir übersandte Material habe ich den Eindruck, dass die mir wichtigen Grundeinsichten an der Konferenz auch ohne meine persönliche Mitwirkung nicht unvertreten sein, sondern durch manche der beteiligten jüngeren Mitarbeiter aus Deutschland, wenn auch in selbständiger Nuancierung, wirkungsvoll zu Worte kommen werden.»10

705 Oldham bedauerte diese Absage; er legte seinem Schreiben zugleich einige Fragen bei, die im Blick zu haben er auch die Autoren des aus der Forschungsarbeit entstehenden Bandes Christian faith and the common life11 gebeten hatte.12 Vermutlich handelt es sich dabei um die Fragen, die Barth in diesem am 13. April 1937 geschriebenen Text13 beantwortete. Unklar ist, warum Barths Antworten nicht im genannten Band und auch sonst nicht in den Materialien zur Konferenz erschienen sind. Möglicherweise passten sie nicht in das Konzept, weil er die Fragen direkt beantwortete statt sie nur ‹im Blick› zu haben. Aus dem Dankesbrief Oldhams geht jedenfalls keine Unzufriedenheit über Barths Text hervor.14

Nach den langen Jahren der Vorbereitung trafen sich vom 12.–26. Juli 1937 schließlich 425 Teilnehmer, 40 zusätzlich eingeladene Fachleute und zahlreiche Gäste aus fast der ganzen christlichen Welt zur Weltkonferenz in Oxford.15 Die römisch-katholische Kirche verzichtete auf eine Teilnahme. Den Vertretern der deutschen evangelischen Landeskirchen war im Zuge der erneuten Verschärfung des Kirchenkampfes und der verbreiteten Skepsis der Machthaber in Staat und Kirche gegenüber den zahlreichen Auslandskontakten vor allem bekenntniskirchlicher Kreise die Teilnahme auf direkte Intervention Hitlers hin verboten worden.16

706 Die Oxforder Konferenz wurde zusammen mit der kurz darauf abgehaltenen Zweiten Weltkonferenz der Bewegung für Glaube und Kirchenverfassung («Faith and Order movement») vom 3.–18. August 1937 in Edinburgh17 zu einem wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Entstehung des Ökumenischen Rates der Kirchen, einigte man sich doch darauf, in Zukunft gemeinsam zu agieren und die Kräfte der Ökumenischen Bewegung zu bündeln. Insofern sind beide Konferenzen als unmittelbare Vorläufer der Amsterdamer Weltkirchenkonferenz von 1948 zu betrachten, auf der der Ökumenische Rat der Kirchen gegründet wurde.

Barths Skepsis gegenüber der Ökumenischen Bewegung war trotz des Einwirkens Oldhams auf ihn nicht ganz verflogen, und sie wurde durch den Verlauf der Konferenz und besonders die in seinen Augen einmal mehr zu weiche Reaktion auf den Ausschluss der deutschen Teilnehmer noch einmal befeuert.18 Vom teilnehmenden Eduard Thurneysen informiert, schrieb er schon einen Tag nach dem Ende der Konferenz von der «Limonade der Oxforder Erklärung zur deutschen Kirchenlage»19 und führte seine Kritik drei Wochen später nach gründlichem Studium dieser Erklärung in einem langen Brief an Willem A. Visser ’t Hooft aus; die Quintessenz lautete: «Was hilft denn alle noch so richtige Erkenntnis: Let the church be the church, wenn eine Versammlung von Kirchenmännern aus der ganzen Welt das wohl sagt, wohl durch schöne Gottesdienste darstellt, aber offenbar gar nicht daran denkt, dass vor allem jener Erkenntnis entsprechend (und nicht nur sie wiederholend!) gehandelt, das heißt gemeinsam geredet werde müsste? Wenn die Ergebnisse ihres Zusammenseins […] nach den übereinstimmenden Hinweisen aller Berichte ‹nicht das Wichtigste› gewesen sind […] –, sondern das Wichtigste war ganz wie bei |707 einem schönen und zugleich interessanten Ferienaufenthalt: das Sichkennenlernen, die bewegte Gemeinschaft, der brüderliche Austausch usw., usw.? […] Wie soll irgend jemand dazu kommen, eine so in die Hände genommene ‹ökumenische Sache› ernst zu nehmen?»20

Vom Text liegt ein Typoskript vor; das die Überschrift und die Barth vorgelegten Fragen nur auf Englisch, die Antworttexte jedoch auf Deutsch bietet.21 Hierbei wird es sich um einen Durchschlag des an Oldham geschickten Exemplars handeln. Ein erster, mit einer deutschen Übersetzung der englischen Textteile versehener Abdruck erfolgte schnell: Zur theologischen Vorbereitung der Weltkonferenz von Oxford: Questions relating to the subject of the Christian Faith and the Common Life (Oxford-Conference 1937) (Fragen den Gegenstand des christlichen Glaubens und das Gemeinschaftsleben betreffend), in: Ökumenischer Nachrichtendienst der Vorläufigen Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche, Nr. 4, 31.5.1937, S. 7–10. 📖22 Die Edition folgt dem – authentischeren – Typoskript; die dem Abdruck beigefügten Übersetzungen finden sich in den Fußnoten.

Questions relating to the subject of the Christian Faith
and the Common Life

(Oxford-Conference 1937)23

1. How far are the various spheres of common life (e. g. family, national, state, economics) to be regarded as a manifestation of the will of God?24

708 Was wir als «die verschiedenen Sphären des Gemeinschaftslebens» kennen, sind die Versuche des Menschen, seinem Leben durch Ordnung seiner Beziehung zum Mitmenschen Würde, Sicherheit, Bestand und Gestalt zu geben. Sie sind also als solche nicht Manifestationen des Willens Gottes, sondern durch die Geduld Gottes zugelassene Manifestationen des Willens des von Gott geschaffenen, aber Gott widerstrebenden Menschen. – Der Wille Gottes begegnet dem in diesem Versuch begriffenen Menschen. Der Wille Gottes bezieht sich auf das Leben des Menschen und auf seinen Willen, sein Leben im Rahmen und durch das Mittel jener Ordnungsversuche zu erhalten und zu gestalten. «Die verschiedenen Sphären des Gemeinschaftslebens» bezeichnen also den Bereich, in welchem der Mensch durch den Willen Gottes vor Fragen und Aufgaben gestellt wird.

Is there a hierarchy of such spheres?25

Es gibt verschiedene Rangordnungen dieser Sphären kraft der Veränderlichkeit jenes Versuchs des menschlichen Willens und kraft der Freiheit der Offenbarung des Willens Gottes. Die Proklamation der absoluten Gültigkeit einer bestimmten derartigen Rangordnung würde die Leugnung der Offenbarung des Willens Gottes bedeuten, weil sie die göttliche Freiheit durch die menschliche Willkür verdrängen würde.

2. Has God a purpose for the ordering of the various spheres of the common life as well as for the action of Christians in these spheres?26

Der offenbarte, dem Menschen begegnende Wille Gottes ist Jesus Christus. Noch ist der Wille des Menschen, wie er sich in jenen Ordnungsversuchen manifestiert, ein in sich böser Wille. Noch ist also der in jenen Ordnungsversuchen begriffene Mensch derselbe, der Jesus Christus verworfen und ans Kreuz geschlagen hat. Noch ist ihm freilich auch Zeit und Raum gelassen, um als der Sünder, der er ist, an |709 Jesus Christus zu glauben als an den, der gut gemacht hat, was er selbst böse macht. Aber schon ist ihm, indem er an Jesus Christus glaubt, die Sünde, die er auch in und mit seinen Ordnungsversuchen begeht, vergeben. Schon ist also die Erwartung, in der er diese Versuche unternimmt, der Hochmut, mit der er an ihr Gelingen glaubt, die Not, die ihm ihr Misslingen bereitet, begrenzt. Schon ist ja Jesus Christus auferstanden und damit das Reich Gottes als die rechte Ordnung menschlichen Lebens und Zusammenlebens nahe herbeigekommen. Die in Jesus Christus offenbarte Absicht Gottes hinsichtlich der menschlichen Ordnungsversuche und hinsichtlich der Stellung, die die Christen dazu einzunehmen haben, ist, allgemein gesprochen, diese, dass sie als mit der zeitlichen Existenz des Menschen notwendig verknüpfte Betätigung noch unternommen werden müssen und als vergebene Sünde nur noch in der Hoffnung auf seine Gerechtigkeit unternommen werden können.

Is there, e. g., a Christian judgment on the structure of society?27

Es gibt ein «christliches Urteil» über die «Struktur der Gesellschaft». Es ist in Jesus Christus ein für allemal gesprochen und wird in allen möglichen Wiederholungen und Varianten nur lauten können: «Es vergehe diese Welt und es komme dein Reich!»28

3. If God has a purpose for the ordering of the common life, what are the sources and grounds of the Christians knowledge of that purpose (e.g. the Bible, the teaching of the Church, nature and history)?29

Der Erkenntnisgrund für die Absicht Gottes hinsichtlich der menschlichen Ordnungsversuche ist allein das der Kirche geschenkte, durch die Kirche zu verkündigende und in der Gemeinschaft der Kirche zu vernehmende prophetisch-apostolische Zeugnis von Jesus |710 Christus. – «Natur und Geschichte» können darum dieser Erkenntnisgrund nicht sein, weil das, was wir in ihnen sehen – obwohl die Absicht Gottes, der ihr Herr und Schöpfer ist, auch in ihnen offenbar ist! –, nicht sowohl der Wille Gottes als vielmehr das Spiegelbild unserer eignen Wünsche und also ein Produkt unseres Widerstrebens gegen den Willen Gottes ist.

In what respects does the Christian differ from the non-Christian in his understanding of that purpose?30

Das christliche Verständnis der Absicht Gottes hinsichtlich der menschlichen Ordnungsversuche unterscheidet sich dadurch vom nicht-christlichen, dass es sich – indem es als Verständnis der Natur und Geschichte keine anderen Möglichkeiten hat als die allen Menschen gegebenen! – allein durch den Heiligen Geist der Propheten und Apostel bedingt weiß und in ihm allein seine letzte Begründung und entscheidende Bestimmung sucht.

Has the Church as a corporate society a specific capacity for understanding and interpreting God’s purpose in these spheres of life?31

Die organisierte und sichtbare Kirche hat eine besondere Möglichkeit, Gottes Absicht hinsichtlich der menschlichen Ordnungsversuche zu verstehen, sofern sie zwar über den Heiligen Geist so wenig Macht hat wie irgend eine andere menschliche Gemeinschaft, wohl aber um ihn weiß als um den Heiligen Geist der Propheten und Apostel und also weiß, dass sie um die Erleuchtung und Führung durch ihn bitten darf und wo sie diese zu suchen hat.

4. The bearing on all these questions of the fact of sin and evil.32

Der Sinn und die Tragweite der «Tatsache der Sünde und des Übels» ergibt sich daraus, dass Gott um der Sünde willen in seinem Sohn das letzte Übel, nämlich den Tod, auf sich selbst genommen hat. Wir sind in unserem Erkennen und Wollen Gefangene der Sünde und des To|711des; nur die Wahrheit kann uns frei machen [vgl. Joh. 8,32]. Wer das bedenkt, dem ist es verboten, die menschlichen Ordnungsversuche mit den göttlichen Lebensordnungen gleichzusetzen, dem ist es vielmehr geboten, die Offenbarung des Willens Gottes allein in Jesus Christus zu suchen und allein von seinem Heiligen Geist zu erwarten.

5. What is the relation between creation and the moral law?33

In und mit seiner Schöpfung ist dem Menschen auch das seine Existenz beherrschende «moralische Gesetz» gegeben: die göttlichen Lebensordnungen, die in den menschlichen Ordnungsversuchen gemeint sind, mit denen diese aber nie identisch sein werden, weil sich der Mensch durch die Sünde nicht nur Gott, sondern mit Gott auch dem Sinn und Gesetz der Schöpfung und also seiner eigenen Existenz entfremdet hat, so dass seine Gedanken über «Moral» mit den Gedanken Gottes über seine Gerechtigkeit vor ihm so wenig zusammentreffen können wie sein «moralisches» Werk mit dem in und mit seiner Schöpfung von ihm geforderten Gehorsam.

Is the moral law to be known a) through reason, b) through revelation, c) through both?34

Das «moralische Gesetz» kann nicht durch die sich selbst überlassene Vernunft, sondern allein durch Gottes Offenbarung, d. h. in seiner stellvertretenden Erfüllung im Gehorsam Jesu Christi erkannt werden, wie wir ihm auch nur im Glauben an Jesus Christus tatsächlich gerecht werden können.

How far is there a common ground between Christians and non-Christians for practical action?35

Der Christen und Nicht-Christen gemeinsame Boden zu praktischem Handeln ist das, was die Christen den Nicht-Christen in Wort, Tat und Haltung zu bezeugen und zugleich selber jeden Tag neu zu glauben haben: Gottes Heiligkeit, vor der keiner bestehen, und Gottes Barmherzigkeit, von der sich keiner ausgeschlossen wissen kann.

712 6. In how far has man, in virtue of creation, certain natural rights and liberties?36

In und mit seiner Schöpfung hat der Mensch das Recht und die Freiheit empfangen, mit seiner Existenz der Ehre Gottes zu dienen. Die «natürlichen Rechte und Freiheiten», die der Mensch für sich selbst in Anspruch nimmt, verraten schon als solche, dass sie nicht aus Gottes Schöpfung, sondern aus der Phantasie des auf der Flucht vor Gott befindlichen Menschen stammen.

7. How far are human existence and behaviour conditioned, for better or for worse, by sub-personal factors? How far are these controllable by human thought and will?37

Diese Fragen gehören in die psycho-physiologische Anthropologie. Ich bin zu ihrer Beantwortung nicht kompetent und kann auch nicht einsehen, inwiefern ihre Beantwortung zur Beleuchtung des vorliegenden theologischen Fragenkomplexes bedeutsam sein sollte.

8. Are the various spheres of life subject to relatively independent and diverse laws of their own? If so, what is the extent and what are the limits of that autonomy?38

Die «verschiedenen Sphären des Gemeinschaftslebens» verraten schon darin ihre Verschiedenheit von den göttlichen Lebensordnungen, dass ihre «Gesetze» bzw. deren Auffassungen und Deutungen durch die Menschen nicht nur je in sich veränderlich sind, sondern sich auch untereinander gegenseitig begrenzen, widersprechen und aufheben, ohne dass eine sie alle vereinigende Norm durchzusetzen oder auch nur namhaft zu machen wäre. Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen den Eigen|713gesetzlichkeiten der «verschiedenen Sphären des Gemeinschaftslebens», d. h. zwischen den verschiedenen menschlichen Ordnungsversuchen. Die Gültigkeit dieser Eigengesetzlichkeiten stammt nicht aus dem Schöpferwillen Gottes, sondern aus der Sünde des Menschen, und auch ihre Überwindung ist nicht von Menschen, sondern allein von Gott als dem Erlöser der Menschen zu erwarten.

9. May there be a difference in the will of God for a Christian in regard to his action as a private person and his action in office and in public capacity?39

Der Wille Gottes verlangt von jedem Menschen in jeder Lebenslage besonderen, d. h. konkret gestalteten Gehorsam. Eine prinzipielle Unterscheidung zwischen einem Willen Gottes für den privaten und einem Willen Gottes für den öffentlichen Bereich würde sich nur unter offener oder heimlicher Leugnung der Offenbarung des Willens des einen einzigen Gottes rechtfertigen lassen.

10. Is the Christian law of love realisable in all spheres of life? If not, what are the limits to such realisation, and what alternative principles are applicable and binding (e. g. justice and loyalty)?40

Das «christliche Gesetz der Liebe» ist in allen Lebensbereichen realisierbar, sofern darunter biblisch richtig verstanden wird: das Gesetz des Glaubens an die in Jesus Christus erschienene Liebe Gottes, die jeden Menschen demütigt, um jeden anzunehmen und jeden in Anspruch zu nehmen.

Sachfußnoten

1
Wilhelm Menn (1888–1956), 1926–1934 hauptamtlicher Sozialpfarrer der rheinischen Provinzialkirche, nach Auflösung dieses Pfarramts seit 1934 Gemeindepfarrer in Andernach, 1946 Leiter der Ökumenischen Zentrale der EKD in Frankfurt/Main.↩
2
John H. Oldham (1874–1969), 1897–1901 als schottischer Missionar in Indien, nach einer Typhus-Erkrankung Rückkehr nach Schottland, Tätigkeit in diversen ökumenischen Gremien, seit 1921 Sekretär des International Missionary Council, seit 1934 verantwortlich für die Zusammenstellung des vorbereitenden Materials zur Oxforder Konferenz und auch für deren Konzeption.↩
3
Vgl. Brief W. Menns an Barth vom 27.3.1935 (KBA 9335.330). ↩
4
Vgl. ebd.↩
5
Brief Menns an Barth vom 5.4.1935 (KBA 9335.366). Oldhams Broschüre war 1935 in zwei Ausgaben in London und in New York erschienen, eine deutsche Ausgabe folgte 1936:J. H. Oldham, Kirche, Volk und Staat. Ein ökumenisches Weltproblem (Kirche und Welt, Bd. 6), Genf / Berlin 1936 📖.↩
6
Vgl. die Briefe Oldhams vom 11. und 15.8.1936 (KBA 9336.654 und KBA 9336.662).↩
7
Brief Oldhams an Barth vom 28.9.1936 (KBA 9336.771).↩
8
Brief Barths an Oldham vom 10.1.1937 (KBA 9337.13).↩
9
Oldham organisierte für den Ausschuss verschiedene kleinere Konferenzen und Arbeitstreffen und beförderte den internationalen Gedankenaustausch der Beteiligten durch den Versand der vorliegenden wissenschaftlichen Ausarbeitungen. Auf diese Weise sollten die «theologische Grundsatzreflexion» schon «vor der Weltkonferenz erarbeitet und die Ergebnisse als Vorbereitung vor der Konferenz publiziert werden»; so konnten «angesehene Experten für eine profunde Vorbereitung sorgen» und zugleich eine «Überfrachtung der Konferenz selber mit Material» vermieden werden (W. Weiße, Praktisches Christentum und Reich Gottes. Die ökumenische Bewegung Life and Work 1919–1937 [KiKonf 31], Göttingen 1991, S. 485f. 📖).↩
10
Brief Barths vom 10.1.1937 (Anm. 8).↩
11
N. Ehrenström u. a., Christian faith and the common life (Church, Community, and State, Vol. IV), London 1938 📖.↩
12
Vgl. Brief Oldhams vom 15.1.1937 (KBA 9337.26).↩
13
Vgl. Taschenkalender K. Barth, Eintrag vom 13.4.1937: «Aufsatz für Oldham».↩
14
Vgl. Brief Oldhams an Barth vom 30.4.1937 (KBA 9337.235): «I send you my grateful thanks for the answers to our questions on the subject of the Christian Faith and the Common Life which you were good enough to send.»↩
15
Tagungsbericht: Kirche und Welt in ökumenischer Sicht. Bericht der Weltkirchenkonferenz von Oxford über Kirche, Volk und Staat [1937], hrsg. von der Forschungsabteilung des Ökumenischen Rates für Praktisches Christentum, Genf 1938 📖.↩
16
Einzig die – wohl als politisch unbedenklich angesehenen – Teilnahmen von Otto Melle (1875–1947; 1920 Direktor und Dozent am Predigerseminar der Bischöflichen Methodistenkirche, seit 1936 Bischof) und von Hermann Keussen (1862–1943; Prof. Dr. phil., Stadtarchivar in Köln, Vertreter der altkatholischen Kirche) wurden ausdrücklich vom Verbot ausgenommen. Vgl. DKPDR 4, S. 64–68 📖; Weiße (Anm. 9), S. 484f. 📖 ↩
17
An der Vorarbeit zu dieser Konferenz war Barth mit seinem Aufsatz Das christliche Verständnis der Offenbarung (vgl. oben, S. 244–287) ebenfalls beteiligt.↩
18
In der diesbezüglichen Stellungnahme hatte man die Abwesenheit der deutschen Vertreter lediglich «beklagt», aber darauf verzichtet, zu den Gründen Stellung zu nehmen; vgl. Stellungnahme der Konferenz zur Abwesenheit der Delegation der Deutschen Evangelischen Kirche, in: Kirche und Welt in ökumenischer Sicht (Anm. 15), S. 267f. 📖 ↩
19
Brief Barths an W. A. Visser ’t Hooft vom 27.7.1937 (KBA 9237.117; Bw.Visser ’t Hooft, S. 60 📖). ↩
20
Brief Barths an W. A. Visser ’t Hooft vom 18.8.1937 (KBA 9237.145; Bw.Visser ’t Hooft, S. 68 📖). Vgl. auch Th. Herwig, Karl Barth und die Ökumenische Bewegung. Das Gespräch zwischen Karl Barth und Willem Adolf Visser ’t Hooft auf der Grundlage ihres Briefwechsels 1930–1968, Neukirchen-Vluyn 1998, S. 48–54 📖.↩
21
KBA 11324; Typoskript-Durchschlag DIN A4, 4 Seiten, eng beschrieben.↩
22
Ein Exemplar ist im KBA erhalten (KBA 11119). Der Abdruck ist, von den Übersetzungen und wenigen offensichtlichen und daher im Folgenden nicht ausgewiesenen Übertragungsfehlern abgesehen, identisch mit dem Typoskript.↩
23
Abdruck-Übersetzung: «Fragen den Gegenstand des christlichen Glaubens und das Gemeinschaftsleben betreffend». ↩
24
Abdruck-Übersetzung: «Inwieweit können die verschiedenen Gebiete des Gemeinschaftslebens (z. B. Familie, Volk, Staat, Wirtschaft) als Offenbarung des Willens Gottes betrachtet werden?»↩
25
Abdruck-Übersetzung: «Gibt es eine Rangordnung dieser Gebiete?»↩
26
Abdruck-Übersetzung: «Hat Gott eine bestimmte Absicht hinsichtlich der Ordnung der verschiedenen Gebiete des öffentlichen Lebens und der Betätigung der Christen auf diesen Gebieten?»↩
27
Abdruck-Übersetzung: «Gibt es z. B. ein christliches Urteil über die Struktur der Gesellschaft?»↩
28
Von Barth zeitlebens angeführte Wendung in Kombination von Mt. 6,10 par. und Didache 10,6 (vgl. etwa V.u.kl.A. 1914–1921, S. 114 📖; Römerbrief 2, S. 388 📖; O.Br. 1945–1968, S. 101 📖).↩
29
Abdruck-Übersetzung: «Wenn Gott eine Absicht hinsichtlich der Ordnung des Gemeinschaftslebens hat, welches sind die Quellen und Erkenntnisgründe dieser Absicht für die christliche Erkenntnis (z. B. die Bibel, die Lehre der Kirche, Natur und Geschichte)?»↩
30
Abdruck-Übersetzung: «In welcher Hinsicht unterscheidet sich der Christ vom Nichtchristen in dem Verständnis dieser Absicht?» ↩
31
Abdruck-Übersetzung: «Hat die Kirche als organsierte Gemeinschaft eine besondere Möglichkeit, Gottes Absicht auf diesen Lebensgebieten zu verstehen und zu deuten?» ↩
32
Abdruck-Übersetzung: «Die Tragweite aller dieser Fragen über die Tatsache der Sünde und des Übels.»↩
33
Abdruck-Übersetzung: «Welches ist die Beziehung zwischen Schöpfung und moralischem Gesetz?»↩
34
Abdruck-Übersetzung: «Kann das moralische Gesetz a) durch die Vernunft, b) durch die Offenbarung, c) durch beides erkannt werden?» ↩
35
Abdruck-Übersetzung: «Wieweit gibt es für Christen und Nichtchristen einen gemeinsamen Boden zu praktischem Handeln?» ↩
36
Abdruck-Übersetzung: «Inwieweit hat der Mensch vermöge seiner Schöpfung gewisse natürliche Rechte und Freiheiten?»↩
37
Abdruck-Übersetzung: «Wieweit ist menschliche Existenz und menschliches Betragen, im Guten und im Schlechten, durch unterpersönliche Faktoren bedingt? Wieweit sind diese durch das menschliche Denken und Wollen zu kontrollieren?»↩
38
Abdruck-Übersetzung: «Sind die verschiedenen Gebiete des Lebens relativ unabhängigen und verschiedenen eigenen Gesetzen unterworfen? Wenn ja, welches ist die Ausdehnung und welches sind die Grenzen dieser Eigengesetzlichkeit (Autorität)?»↩
39
Abdruck-Übersetzung: «Darf es für einen Christen einen Unterschied in dem Willen Gottes in Bezug auf sein Handeln als Privatperson und sein Handeln im Amt und in öffentlicher Eigenschaft geben?»↩
40
Abdruck-Übersetzung: «Ist das christliche Gesetz der Liebe in allen Lebensgebieten realisierbar? Wenn nicht, welches sind die Grenzen für eine solche Verwirklichung und welche wechselnden Grundsätze sind anwendbar und bindend (z. B. Gerechtigkeit oder Pflichttreue)?»↩