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Anhang: Begleitheft zur CD-ROM

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Anhang: Begleitheft zur CD-ROM

Einleitung

Karl Barth hat im Laufe der Arbeit an der Kirchlichen Dogmatik (1932–1967) immer wieder Passagen, die er im Kolleg vorgetragen hatte, für den Druck noch einmal neu formuliert. Er hat aber auch längere und kürzere Texte aus verschiedenen Gründen einstweilen ganz vom Druck zurückgestellt: weil sie einen anderen systematischen Ort finden sollten, weil ihm der Zeitpunkt zur Veröffentlichung ungeeignet schien oder weil Barth auf das Thema erneut zurückkommen wollte. Zu diesen Texten gehört z. B., wie aus dem Vorwort zu KD III/2 📖 bekannt, ein Abschnitt über «Der Mensch und die Menschheit», den Barth zurückstellte, «weil ich des theologischen Zugangs zu dieser Frage [...] nicht sicher genug war» (S. VIII).

Auf der vorliegenden CD-ROM werden die Typoskripte dieser «Unveröffentlichten Texte zur Kirchlichen Dogmatik» durch pdf-Dateien in Faksimile-Qualität zugänglich gemacht, die gleichsam einen Archiv-Blick auf Barths ursprünglichen Text ermöglichen. Die Texte sind nicht nur für Barths Arbeitsweise und die Entstehungsgeschichte der Kirchlichen Dogmatik aufschlussreich. Vor allem bieten sie wichtige Ausführungen zu Themen, die Barth entgegen seinen Plänen in der Weiterarbeit an der Kirchlichen Dogmatik nicht mehr aufgegriffen hat, die sich also nur hier behandelt finden.

Die vorliegende CD-ROM kann indessen nicht nur das seit langem bestehende, durch die Nachfrage nach Fotokopien der Texte immer wieder unterstrichene Interesse an diesen Paralipomena erst einmal befriedigen. Sie eröffnet auch in der originalgetreuen Wiedergabe der Typoskripte die Möglichkeit zu Beobachtungen an Barths Arbeitsweise, an dem lebendigen Prozess von Änderungen, Streichungen, Einfügungen, Ergänzungen, in dem er Schritt für Schritt die Gedankenlinie herausarbeitete. Das könnte der gedruckte Text auch mit einem komplizierten, die Lektüre im Übrigen erschwerenden Apparat nicht ermöglichen. Zudem erlaubt die CD-ROM mit ihrer Suchfunktion eine eigene Form der Text-Recherche, die als Ergänzung zu den Möglichkeiten der Arbeit mit dem Text, die nur ein Buch bieten kann, |682 willkommen sein wird. Freilich ist diese Suchfunktion auf den Schreibmaschinentext begrenzt, soweit er einwandfrei erkennbar, also nicht durch Striche oder dergleichen verunklart ist.

Herrn Dr. Wolfram Fiedler und seinen Kollegen bei Herrmann & Kraemer in Garmisch-Partenkirchen gilt ein herzlicher Dank für die engagierte und kompetente technische Betreuung des Projekts.

Hans-Anton Drewes

1  Die natürliche Theologie unter der Geduld Gottes

Das Fragment gehört in den Zusammenhang der Erörterungen von KD II/1, § 26,2 📖, und ist wahrscheinlich vor der auf S. 188 in der vorletzten Zeile beginnenden Schlussdarlegung einzufügen. Wie das folgende Stück ist es gegen Ende des Wintersemesters 1937/38 in der Vorlesung vorgetragen worden. Bei diesem, wie bei vielen der übrigen Stücke, ist zu berücksichtigen, dass die Übergänge am Anfang und Ende des «zurückgestellten» (also durch Barth von der Publikation ausgenommenen) Textes öfter deshalb fehlen, weil sie auf Typoskript-Blättern standen, die unter Streichung dieses Anfangs und Endes als Druckvorlage – in diesem Fall für KD II/1, S. 188 und S. 189 – dienten.

2  Zusatz zur Auslegung des ersten Satzes der Barmer Theologischen Erklärung in KD II/1, S. 194–200

Der Text ist erstmals in K. Barth, Texte zur Barmer Theologischen Erklärung, hrsg. von M. Rohkrämer, Zürich 1984 (20042), S. 77–81 📖, innerhalb der «Kurzen Kommentierung des ersten Satzes der Theologischen Erklärung der Barmer Synode vom 31. Mai 1934» (S. 67–87) veröffentlicht worden. Dort hat Rohkrämer in seinem Editionsbericht auf S. 243–245 dargelegt, wie sich dieser Text aus dem Wintersemester 1937/38 – wahrscheinlich im Januar / Februar 1938 vorgetragen – in der ursprünglichen Fassung erhalten hat: in verschiedenen Vervielfältigungen, die noch vor der Überarbeitung für die |683 Drucklegung von KD II/1 📖 in Deutschland weitergegeben wurden. Von diesem Vorlesungstext unterscheidet sich die in der Kirchlichen Dogmatik gedruckte Fassung durch stilistische und andere Verbesserungen, vor allem aber durch die Streichung der Passage über die Frage, warum es «gerade diesmal, gerade in Deutschland, zu diesem Widerspruch» gegen die natürliche Theologie kam, wie ihn die erste Barmer These einlegt. Bis auf einige Zeilen am Anfang und am Schluss liegt dieser Abschnitt hier in dem Typoskript vor, das Barth schon für die Drucklegung bearbeitet hatte, bevor er sich entschloss, ihn im Druck zu übergehen. Wegen der in der Veröffentlichung in den Texten zur Barmer Theologischen Erklärung 📖 nicht berücksichtigten Änderungen und Ergänzungen, die Barth für den Druck angemerkt hatte, sind diese Seiten von Interesse, obwohl sie im Inhalt grundsätzlich schon bekannt sind.

3  § 29 Gottes Vollkommenheiten

Die einleitenden drei Seiten des Paragraphen über die Vollkommenheiten Gottes – vorgetragen im Sommersemester 1938 – sind im Druck (KD II/1, S. 362ff.) durch eine wesentlich breitere Problementfaltung mit einem neuen, schärfer gefassten und anders akzentuierten Leitsatz ersetzt worden. Auf der Rückseite des letzten der drei Blätter hat Barth notiert: «Abgelegt aus Dogm. II 1».

4  «Dummheit»

Die von Karl Barths Hand mit «Dummheit» überschriebenen Seiten hätten die Ausführungen am Ende von KD II/1, § 30, auf S. 495 fortsetzen und abschließen sollen. Das mit dem roten Teil des Farbbandes geschriebene, also wie das Vorangehende für Petitsatz vorgesehene Stück ist wahrscheinlich im Dezember 1938 im Kolleg vorgetragen worden. Barth empfand offensichtlich, dass jetzt «auch einmal hervorgehoben werden» sollte, «daß die ganze heilige Schrift und also das ganze Zeugnis von Jesus Christus auch diese Front hat: die Front gegen die Dummheit». War sie 1939, während der Drucklegung von |684 KD II/1 📖, gewiss nicht weniger aktuell, schien die Darlegung dieser Implikation der Lehre von Gottes Weisheit Barth nun doch über die Linie des § 30 hinauszuführen. So stellte er den Text zurück. Er knüpfte an Gedanken und Wendungen aus diesen Ausführungen von 1938 an, als er 1954 in der Hamartiologie des zweiten Teils der Versöhnungslehre Sünde als Dummheit analysierte (KD IV/2, S. 460–486). Doch bleibt der Text von 1938 aus dem anderen Zusammenhang der Gotteslehre und in seiner besonderen Stoßrichtung durchaus als eigener Traktat beachtenswert.

5  Bilderfrage

Die mit 912 bis 927 nummerierten ersten 16 Blätter der von Karl Barths Hand mit «Bilderfrage» überschriebenen Ausführungen waren zur Fortsetzung des Petitabschnitts in KD II/1, § 31,3, S. 503, bestimmt, wie die letzten Worte des gedruckten Textes in den ersten beiden Zeilen von Typoskriptseite 912 belegen. Als Barth sich entschloss, den «kurzen historischen Exkurs» nicht in KD II/1 zu übernehmen, kürzte er offensichtlich auch den vorangehenden Text, in dem er – das gestrichene Wort «Unbegreiflichkeit» weist darauf hin – anscheinend die drei Bestimmungen, die nach der reformierten Dogmatik die simplicitas Gottes umfasst: spiritualitas, invisibilitas, incomprehensibilitas (vgl. H. Heppe, Die Dogmatik der evangelisch-reformierten Kirche, neu durchgesehen und hrsg. von E. Bizer, Neukirchen Kreis Moers 19582, S. 47 📖), erklärt und als letzten Punkt erwähnt hatte, dass von Gottes simplicitas und spiritualitas aus in der reformierten Theologie der katholische und lutherische Bildergebrauch zurückgewiesen wurde (Heppe, a.a.O., S. 59, Anm. *). Mit dem daran anschließenden historischen Exkurs zur «Nicht-Abbildbarkeit Gottes» sind auch diese auf ihn hinführenden Gedanken gestrichen worden. In ganz anderer Weise hat Barth das Thema dann in KD III/1, S. 225–229, behandelt.

Den besonders wegen der Auseinandersetzung mit Luther und Calvin interessanten Exkurs aus KD II/1 hat Barth später durch die Anfügung von zwei Seiten zu einem Beitrag umgestaltet, der in eine aktuelle Auseinandersetzung um die «Bilderfrage» eingreifen sollte. |685 Das Papier und der für die Verbesserungen und Ergänzungen benutzte Kugelschreiber weisen in die Nachkriegszeit, bestimmte Anspielungen auf den von Ende 1950 bis Anfang 1952 in Basel lebhaft geführten Streit um die sogenannten «Münsterscheiben», d. h. um Glasmalereien für die Fenster im Chor des Basler Münsters. Barth hat an dieser Auseinandersetzung öffentlich nur ganz am Schluss mit ­einem Leserbrief teilgenommen (vgl. K. Barth, Offene Briefe 1945–1968, hrsg. von D. Koch [Karl Barth-Gesamtausgabe, Abt. V], Zürich 1984, S. 294–297 📖). Er hatte, so erklärte er bei dieser Gelegenheit, eigentlich nicht die «Absicht», sich «an dieser Diskussion zu beteiligen, weil ich mit ihrer, soweit ich sehe, von beiden Seiten unbestrittenen Voraussetzung nicht einig gehe», dass nämlich «die Anbringung von Abbildungen Jesu Christi und des nach dem christlichen Bekenntnis in ihm vollbrachten Heilsgeschehens im gottesdienstlichen Raum einer Kirche reformierter Konfession überhaupt und als solche ein mögliches Unternehmen sei» (a.a.O., S. 295).

Eine kritische Erörterung eben dieser Voraussetzung scheint Barth immerhin so weit beschäftigt zu haben, dass er seinen Text von 1938 für diesen Zweck zu ergänzen begann. Die von Barth im neu angefügten Schlussteil polemisch aufgegriffene Wendung «Bild ist geronnene Wirklichkeit» geht auf Gerardus van der Leeuw zurück. Sie war von Barths Basler Kollegen in der Systematischen Theologie, Hendrik van Oyen, in einem Vortrag Zur Frage der christlichen Kunst angeführt worden. Der Vortrag, in dem van Oyen aus dem gegebenen Anlass vor einem «Bruch zwischen Religion und Kunst» warnte, wurde am 15.10.1951 in Basel gehalten und erschien in der Theologischen Zeitschrift, 7. Jg., Heft 6, November/Dezember 1951, S. 423–445 (das Zitat dort S. 437) 📖. Das Heft kam im Dezember 1951 heraus. In der Einleitung erklärt van Oyen, dass er sich in seinen Darlegungen «öfters» auf die «Thesen» der «meisterhafte[n] Abhandlung des kürzlich verstorbenen Kollegen Gerardus van der Leeuw Wegen en Grenzen» (Amsterdam 1932; 19482; 19553 📖) beziehen müsse (a.a.O., S. 424). Da eine deutsche Ausgabe noch nicht vorlag (später erschienen unter dem Titel Vom Heiligen in der Kunst, Gütersloh 1957 📖), gibt van Oyen die Thesen in freier Zusammenfassung und in eigener Übersetzung wieder. So auch an der von Barth aufgegriffenen Stelle: Der Mensch «bewältigt» die «Bewegung» der Wirklichkeit «im |686 Bilde; van der Leeuw bezeichnet dieses Ergreifen der Bewegung als ein Gerinnen-Lassen; Bild ist geronnene Wirklichkeit» (van Oyen, a.a.O., S. 437 📖 – die deutsche Ausgabe von Wegen en Grenzen braucht für das niederländische «stremmen» statt «gerinnen» «erstarren»; vgl. Vom Heiligen in der Kunst, S. 167ff. 📖).

Barth hat van Oyens Aufsatz, wie die vielen An- und Unterstreichungen in seinem Exemplar zeigen, sorgfältig gelesen. Offensichtlich hat er zur Entgegnung an die Darlegung einer Gegenposition gedacht, für die ihm der zurückgestellte Traktat aus KD II/1 📖 das Material bot. Dass er nach der Abfassung des Schlusses, aber noch vor der Anpassung des Eingangsteils, das Typoskript wieder beiseitelegte, wird verschiedene Gründe gehabt haben. Der einfachste ist der, dass eine Veröffentlichung vor der Abstimmung über die Münsterscheiben am 27.1.1952 sich als unmöglich herausstellte.

6  Gottes Ewigkeit und der zeitliche Weg unserer Gotteserkenntnis

Es handelt sich um das Fragment einer umfangreicheren Einleitung zu KD II/1, § 31,3, die durch den kurzen hinführenden Absatz auf S. 685 ersetzt wurde.

7  Eigenart, Form, Inhalt und Sinn des göttlichen Gebotes

Der sich ganz am systematischen Aufriss der Ethik von 1928/29 (vgl. K. Barth. Ethik I, hrsg. von D. Braun [Karl Barth-Gesamtausgabe, Abt. II], Zürich 1973, S. 74–101 📖) orientierende Abschnitt über die vier Gesichtspunkte, unter denen in Schöpfungs-, Versöhnungs- und Erlösungslehre jeweils das von Gott gebotene Gute darzustellen wäre, bildete den Abschluss des § 36,2 («Der Weg der theologischen Ethik») in KD II/2. Es wird in einem Unbehagen Barths an jenem allzu systematischen Aufriss von 1928/29 seinen Grund haben, dass er den am Ende des Sommersemesters 1941 vorgetragenen Text kassierte und im gedruckten Text die Darlegungen des Paragraphen mit den auf die «Schau eines Systems» ausdrücklich verzichtenden Bemerkungen KD II/2, S. 612, enden ließ.

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8  Zur katholischen Auslegung der Schöpfungsberichte

Das Stück über die katholische Hermeneutik der Auslegung der Schöpfungsberichte nach der Responsio der Commissio de re Biblica vom 30.6.1909 (vgl. DH 3512–3519 📖) wurde, wie eine Vorlesungsnachschrift zeigt, im Kolleg im Sommersemester 1942 nach den Ausführungen über «Mythus» und «Sage» vorgetragen. Für die Drucklegung in KD III/1 📖 wurde die Vorlesung stärker überarbeitet. So ist die Stelle dieses Exkurses im gedruckten Text von KD III/1 zwar mit S. 95, im Petit nach dem ersten Absatz, genau anzugeben. Doch ist der weitere Zusammenhang im Vorlesungstext von dem im gedruckten Text verschieden, wie der Fortgang nach dem Exkurs im Typoskript auf S. 108 deutlich zeigt.

9  § 42 Der Schöpfer und seine Offenbarung

Barth trug den Text, der den § 42 der Kirchlichen Dogmatik bilden sollte, im Sommersemester 1943 und in der ersten Hälfte des Wintersemesters 1943/44 vor. Als er 1945 an die Drucklegung von KD III/1 ging, fiel der Paragraph zum größten Teil der «Selbstzensur des Autors» zum Opfer. So formuliert es H. Stoevesandt in seinem Aufsatz Gott und die Götter, der das Thema und die Geschichte des Textes aufs Genaueste darlegt (H. Stoevesandt, Gottes Freiheit und die Grenze der Theologie. Gesammelte Aufsätze, hrsg. von E. Stoevesandt und G. Sauter, Zürich 1992, S. 178–200, Zitat S. 186 📖). Stoevesandt erläutert auch überzeugend den vermutlichen Grund der «Selbstzensur» (vgl. a.a.O., S. 187f.): Die Erörterung der Fundamentalunterscheidungen kommt an dieser Stelle entweder (als Prinzipienfrage) zu spät oder (als Problem der, wie Barth später in KD III/3 sagen wird, durch das Nichtige bedrohten Schöpfung) zu früh. Die Darlegung stand in KD III/1 nicht am gemäßen Ort. So legte Barth den Paragraphen zur Seite, ohne auf das für ihn so grundlegende Thema in der weiteren Arbeit an der Kirchlichen Dogmatik noch einmal im Zusammenhang zu sprechen zu kommen. Nur die Typoskriptseiten 454–601 fanden in teilweise stark überarbeiteter Gestalt Eingang in den gedruckten (neuen) § 42 und stellen dort den 2. und 3. |688 Abschnitt dar (KD III/1, S. 295–476 📖). Der hier erstmals allgemein zugänglich gemachte übrige Text des alten § 42 gliedert sich in folgende Abschnitte:

§ 42 Leitsatz. Einleitung

  • 1.Gott und die Götter
    Das Wesen der Götter
    Die Wirklichkeit der Götter
    Die Möglichkeit der Götter
    Die Beseitigung der Götter
  • 2.Der Glaube und die Weltanschauungen
    Der Gegensatz zwischen dem Glauben und den ­Weltanschauungen
    Der Glaube
    Die Weltanschauungen
    Die Unvereinbarkeit zwischen dem Glauben und den ­Weltanschauungen
    Schluss: Freiheit von den Weltanschauungen als Ziel der ­Entscheidungen des Glaubens

Zur Auslegung des Textes vgl. auch M. Hailer, Die Unbegreiflichkeit des Reiches Gottes. Studien zur Theologie Karl Barths, Neukirchen 2004, S. 11–33 📖; ders., Gott und die Götzen. Über Gottes Macht angesichts der lebensbestimmenden Mächte (FSÖTh 109), Göttingen vorauss. 2005, Kap. 4 III 1 [Göttingen 2005, S. 332ff.] 📖.

10  Humor

Die Ausführungen stammen aus der ersten Fassung der Anthropologie. Sie standen im ursprünglichen Text des mit «Der Mensch inmitten der Geschöpfwelt» überschriebenen § 43, den Barth in der zweiten Hälfte des Wintersemesters 1943/44 zu lesen begann. Der Humor diente hier als kritisches Argument im 1. Abschnitt, der «Des Menschen Besonderheit» erörterte. Zum Thema vgl. auch K. Barth, Ethik II, hrsg. von D. Braun (Karl Barth-Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1978, S. 444–447 📖.

11  § 43,2 Des Menschen Menschlichkeit

689Barth trug diesen Text aus der ersten Fassung der Anthropologie gegen Ende des Wintersemesters 1943/44 und im Sommersemester 1944 vor. Weil ihn die Anthropologie in dieser ersten Fassung bei der Drucklegung von KD III/1 📖 «nun doch zu wenig befriedigt» hatte (KD III/1, S. VI), erschien der Band ohne das Kapitel Anthropologie, das in neuer Bearbeitung den Inhalt von KD III/2 bildet. Der hier erstmals allgemein zugänglich gemachte Text des alten § 43,2 lässt sich in folgende Teile gliedern:

  • Der Mensch als Gottes geschöpfliches Du und als Gottes Ebenbild
  • Mystische Anthropologie?
  • Gottebenbildlichkeit als Gnade Gottes
  • Menschlichkeit als Mitmenschlichkeit
  • Jesus Christus als Mensch und Mitmensch
  • Erkenntnis der Mitmenschlichkeit als Gnade
  • Exkurs über Martin Buber: Ich und Du
  • Jesus Christus als Darstellung der Gottebenbildlichkeit und ­Mitmenschlichkeit
  • Mann und Frau als Gottes Ebenbild
  • Das Miteinandersein des Menschen als Gleichnis der Menschlichkeit Jesu Christi

12  § 44,2 Der Mensch und die Menschheit

Barth trug diesen Text aus der ersten Fassung der Anthropologie im Sommersemester 1944 vor. Die Auslegung von Römer 5 legte Barth 1952 unter dem Titel Christus und Adam nach Röm. 5. (Ein Beitrag zur Frage nach dem Menschen und der Menschheit) als Theologische Studie, Heft 35 📖, vor – als überarbeiteten Ausschnitt aus diesem «nachher aus verschiedenen Gründen in Wegfall gekommenen Paragraphen» (so Barth in der Vorbemerkung zur Neuauflage in: K. Barth, Rudolf Bultmann. Ein Versuch, ihn zu verstehen – Christus und Adam nach Röm. 5. Zwei theologische Studien, Zürich 3. resp. 2. Aufl. 1964, S. 5 📖). Der hier erstmals allgemein zugänglich gemachte vollständige Text des alten § 44,2 gliedert sich in folgende Teile:

690 Mensch und Menschheit als Einheit in Jesus Christus
Christus und Adam nach Röm. 5

  1. Der einzelne Mensch in der Gemeinschaft der Menschheit
  2. Die Menschheit als Gemeinschaft aller einzelnen Menschen
  3. Die je eigene Art des Menschen als gemeinsame Art der Menschheit
  4. Die gemeinsame Art der Menschheit als Eigenart jedes einzelnen Menschen

Die christologische Wurzel der Aussagen über Mensch und Menschheit

13  Über Sein des Menschen in Jesus Christus

Die beiden Fragmente – «Zurückgestellt aus IV,1» – gehören zu KD IV/1, § 58,1 📖. Das erste Stück (Typoskriptseiten 155–161) hatte seine Stelle, wie die umgebenden Texte auf S. 155 und S. 161 des Typoskripts beweisen, vor dem im Druck unten auf S. 95 (Z. 9 v. u.) beginnenden Absatz. Das zweite Stück (Typoskriptseiten 166–169) gehört vermutlich an das Ende des ganzen ersten Abschnitts über «Die Gnade Gottes in Jesus Christus» auf S. 98. Barth hatte die beiden Stücke im Sommersemester 1951 vorgetragen. Er wird sie bei der Drucklegung deswegen «zurückgestellt» haben, weil dem Thema ein eigener, der zweite Abschnitt innerhalb des § 58, gewidmet ist, neben dem die beiden vorbereitenden Texte allenfalls entbehrlich schienen.

14  Erste und zweite Parusie

Leider sind die Verbindungsteile zum vorher und nachher sich anschließenden gedruckten Text nicht erhalten So kann man nur allgemein feststellen: Das Bruchstück gehört in KD IV/1 in den Zusammenhang der «dritten Überlegung» von § 59,3 («Das Urteil des Vaters»), in der es um die Frage nach dem positiven Zusammenhang zwischen dem Tod Jesu Christi und seiner Auferstehung geht (S. 341–368). Der vorliegende Text gehört wahrscheinlich zur Vorbereitung der Antwort: «die Auferstehung Jesu Christi steht mit seinem Tode in doppelter Weise im Zusammenhang: in der in den Os|691tertagen anhebenden ersten Parusie des auferstandenen Gekreuzigten, von der her er damals und jetzt, gestern und heute derselbe, lebendig ist, der Gekommene und Gegenwärtige – und in seiner letzten Parusie, in der er (als derselbe auferstandene Gekreuzigte, der damals und jetzt, gestern und heute lebt, gegenwärtig ist) am Ende und als Ende aller Zeit und Geschichte offenbar werden wird, der Kommende» (S. 367). Am meisten spricht dafür, dass das Fragment im Zusammenhang von S. 357 des gedruckten Textes seinen Ort hatte. Möglicherweise ist es durch den knappen Text des Absatzes S. 357f. ersetzt worden – bei der «dritten Überlegung» war ohnehin «am weitesten auszuholen» (S. 390), so dass sich an dieser Stelle eine Kürzung und die Ersetzung der längeren, auch exegetisch argumentierenden Ausführungen durch eine thetische Zusammenfassung nahe legen mochte.

15  Atomwaffen

Der Exkurs über das Barth in dieser Zeit im Kontext der Politik in der Schweiz (vgl. K. Barth, Offene Briefe 1945–1968, hrsg. von D. Koch [Karl Barth-Gesamtausgabe, Abt. V], Zürich 1984, S. 398f.; S. 443, Anm. 16 und 17 📖) wie in der Bundesrepublik Deutschland (vgl. a.a.O., S. 389–392.440–444) lebhaft beschäftigende Thema wurde im Sommersemester 1958 im Kolleg vorgetragen. Barth ersetzte ihn dann bei der Drucklegung von KD IV/3 📖 durch einen kürzeren Hinweis (S. 802).