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23. Mai 1921
Hier kommt der erste Ertrag der Anwesenheit Fritz Liebs: das beendigte 7. Kapitel
📖. Wie zu erwarten war, ist die ganze Polemik gegen den Pietismus, die uns vor 3-4 Jahren so wichtig war, verschwunden, obwohl der Abschnitt bei den Rezensenten |492 eine besonders gute Note erhalten hatte, und die Mündung des Geschützes weist nun, steiler gerichtet, auf einen ganz andern [Schleiermacher!] hin, der mir, sicher nicht ohne höhere Zulassung, eben jetzt in die Hände geraten ist. Sogar was er nächtlicherweise an seine Henriette geschrieben, als er über Religion fertig geredet, wird ans Licht gezogen. Aber auch den bekehrten Natorp und andere Jahrhundertgenossen sieht man im Hintergrund über die Bühne schreiten. Sachlich dient der Abschnitt hoffentlich als Anzeige, daß man von Paulus aus auch über Religion reden kann, wenn es durchaus sein muß. […]
Pestalozzis haben uns eingeladen, den Winter auf dem Bergli zuzubringen. So fein das wäre, das geht nun doch zu weit; denn, du liebe Zeit, wir müßten uns ja auch fast ganz von ihnen ernähren lassen. Ich habe nun zu meiner Erleichterung einen andern Plan gefaßt, nämlich in Göttingen für diesen Winter nur ein 2stündiges Kolleg über den Epheserbrief, das ich im Rohbau schon habe, anzukündigen. Dann kann ich jetzt den Römerbrief
📖 in Ruhe fertig machen und habe den Winter in der Hauptsache frei zur Vorbereitung eines besser besetzten Programms für den Sommer. Ich glaube, das ist die Rettung. […]
Eben habe ich noch deine Glossen zu Röm. 6 überdacht, bearbeitet und fast alle hinzugefügt. […]
Mit herzlichem Gruß