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1. Oktober 1920
Ich erwarte von einer Post zur andern einen Brief von dir. Sicher hat sich viel Merkwürdiges angesammelt auf deiner Seite des Korridors. Bei mir ist Heiner auf Besuch, der nicht nach Riga geht, sondern eine Kant-Vorlesung vorbereitet. Die Synode verlief belanglos. […] Am 11. gedenke ich nach Baden ans |426 «Göttinger Kränzchen»1 zu gehen, am 17. nach Basel für zwei Tage. Zum Besuch hat sich nun auch noch Herpel angekündigt. […] Ich lese weiter Nietzsche und bin immer noch abwartend-unproduktiv dran. Im «Kirchenfreund» fand ich merkwürdige Akten zu Blumhardts Übertritt zur Sozialdemokratie. Er hat damals unbesonnener als Ragaz jemals geredet, ganz im Parteijargon ohne weitern Hintergrund. Das Entsetzen der Christenheit ist köstlich zu sehen, aber daß es von seiner Seite überlegen zugegangen wäre, kann man offenbar nicht sagen. Das konnte auch dem Naumann etc. nicht imponieren.
Herzlichen Gruß