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17. September 1920
Ich hatte eine gewisse Unlust zum Schreiben seit jenem Augenblick, als wir wieder auseinanderrollten und aufs neue dem Kirchen- und Pfarramtsdampf entgegenfuhren, du dort, ich hier. Warum kann man nicht weiter über neueste Torheiten aus dem unerschöpflichen Vorrat der Kirche und der Theologen zusammen kopfschütteln und lachen? Warum dieses entlegene Dasein da und dort in unsern Pfarrhäusern? Ich habe mich nun hinter Matthäus-Studien gemacht und stecke täglich in Einleitungs- und synoptischen Fragen. Einen Standort gewinnen und behaupten, von wo aus alles zu schauen wäre, ist die Aufgabe, ich denke stündlich daran herum und lerne jetzt schon allerlei. Ich sehe Matthäus nun eigentlich vergleichsweise am nächsten beim vierten Evangelium, eine Art Vorstufe dazu, irgendwie auch das Geheimnis des Übergeschichtlichen im Geschichtlichen, das Messiasproblem im Mittelpunkt. Aber das sind alles erst vage Deutungen. Mach |423 du dich doch hinter die johanneischen Schriften. Von Paulus her müßte das am ehesten gelingen. Es ist ein erstaunlich kühnes und merkwürdiges Phänomen, diese vier Evangelisten, die von vornherein den Nur-Historikern soviel offene Angriffsflächen bieten, ohne sich im geringsten zu verteidigen, weil sie ein Geheimnis in Händen tragen, das durchaus jenseits des Nur-Historischen liegt. […]
Wir grüßen euch herzlich.