7. Juli 1920

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Es hat sich wieder einiges angesammelt, das ich an dich abgehen lasse: Rosenstock, diesmal auch gegen mich aus gleichen Gründen wie gegen dich gereizt. […] Ich habe am Sonntag nach langen Gesprächen Rosenstocks Buch 📖 Kutter in die Hand gegeben, und er hat mit suchendem Spürsinn darin gewittert und noch weniger gefunden als wir, aber einiges Treffende über diese Art Geistreichtum gesagt: er glaube nicht an die aus dem Chaos des deutschen Geisteslebens durch gescheite Literaten erträumte Venus anadyomene von unten. […] Im Übrigen sagte er viel ernste, große und wahre Dinge, ich konnte nur fleißig zuhören und entgegennehmen. Am Sonntag wollen wir an die Installation von Gottlob Wieser in Wattwil.

Herzliche Grüße
Eduard