383
26. April 1920
Hier ein Brief Hans Ehrenbergs. Wir laden ihn zu uns ein. Es bedarf vielleicht noch der Verständigung über eventuelle Besuche bei Kutter und Ragaz, ob oder ob nicht? Kutters Eigenheiten und Ragazens Steilheit und Ehrenbergs enthusiastische Beredsamkeit könnten unter Umständen seltsame Situationen ergeben. Aber das wird sich zeigen. Schick mir doch noch seinen Brief, damit ich ihm gegenüber auf dem Laufenden bin. Ich bekomme nun auch sein «Sonntagsblatt» und nehme mit Kopfschütteln Kenntnis davon. Wir werden ihn allerdings mit gepanzerter Brust empfangen und ihn energisch auf seinen so unerfreulich verdrängten Zionismus aufmerksam machen müssen. Es scheint mir immer mehr, es seien christlich-kirchliche Krämpfe, in denen |384 diese unsere lieben Patmosfreunde sich befinden. — […] Ich lese gegenwärtig nach Feierabend Heilers «Gebet».1 Schade, daß du für den Aarauer Vortrag noch nicht nähere Kenntnis von diesem das Beten vollständig an die Religion verratenden Buche hattest. Feuerbach oder auch Overbeck könnten sich die Hände reiben über diese «Unterhändler»-theologen.
Herzliche Grüße an euch alle!