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22. März 1920
Wir haben deiner gestern lebhaft gedacht. Ein Engel mit feurigem Schwert wird dir ja nicht begegnet sein, um dich im letzten rettenden Moment noch im Aargau zurückzuhalten. Und so ist nun das Krankenbett definitiv gewechselt, und wir sehen mit Spannung und Teilnahme den Berichten vom neuen Kriegsschauplatz entgegen. Ich sende dir hier die Installationspredigt zur Einsicht, die mir einst mein Vater gehalten.1 Wenn wir doch die schöne gerade Linie biblischer Erfahrungstheologie wieder hätten auf unserer Stufe! Mein Aarauer Vortrag
📖 bereitet mir und |376 wird mir noch viel Schmerzen bereiten. Woher? und wohin? soll ich eigentlich reden? Der Stoff ist ja schon da, aber der Redner und das Publikum sind so problematisch!
Hier Rosenstocks triumphierender Brief. Ich hatte ihm nämlich bemerkt, ich sehe gewisse Analogien zwischen der Patmos-Religion und dem vorderasiatischen Kybelekult des Hellenismus. Bemerke nun, wie er sich dazu stellt: Nicht eben umsichtig, trotz des triumphierenden Tones, mit dem er uns zuletzt sogar unter die «Schwachen» von Röm. 14 versetzt. Vielleicht gelingt es uns doch noch, diesen Mann mit seiner zappelnden Zweibeinigkeit zu beruhigen. Hilfe! Tu auch du dein Bestes!
Und schick mir nun die Predigt zu[r] Overbeck[schrift] für München. [Der Titel] «Zur innern Lage des Christentums
📖» ist gut. […] Die Safenwiler haben mich gestern lautlos um 700 Fr. heraufgesetzt, und daneben konnte ich ihnen noch die Einführung von Turnunterricht für die Mädchen aufreden. Auch unser Schlafzimmer wird restauriert, während dem Gemeindeschreiber unter dem Jubel der Bevölkerung die Besoldung erhöht, dafür alle Extra-Rechnungen gestrichen und dem Gemeinde-Ammann (freisinniger Großrat) die Zuchtstiere entzogen wurden.
Mit herzlichem Gruß