5. Januar 1920

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

[…] Ich hatte einen Brief von Epprecht, den ich gestern mit einer gehörnten und gezahnten Antwort erwidern mußte. Dieses St. Gallen scheint ein ganz übler Karpfenteich zu sein, in dem du dich zum bösen Hecht entwickeln mußt, wenn dein Dortsein einen Sinn haben soll. Nur keine «gesegnete Wirksamkeit»! Sondern Pech, Schwefel und Rauchdampf in diesem wohlfrisierten Kirchenhimmel! Ich hole zu einer Predigtserie über den 2. Korintherbrief1 aus. Schluß. Die Kindlein verlangen dringend, daß ich ihnen einen Turm mit Brücke baue. Das wird gut.

Mit herzlichem Gruß
Dein
Karl Barth

Unser Melchisedek ist wahrscheinlich — Overbeck.2 Vielleicht verfasse ich etwas über ihn ins «Neue Werk». — Denk ich muß in Sachen — Spielbankinitiative noch einmal in den Sattel steigen!!

Sachfußnoten

1
Mehrere Predigten dieser Serie wurden veröffentlicht in: K. Barth/ E. Thurneysen, Komm Schöpfer Geist!, München 1924, S. 190ff. 📖 ↩
2
Franz Overbeck (1837–1905), Prof. für N. T. und ältere Kirchengeschichte in Basel, Freund Fr. Nietzsches, radikaler Kritiker der Theologie.↩