27. Dezember 1919

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Fueters Spruch habe ich gesehen: sauersüßes Lob, durch das persönliche Empfindlichkeit hindurchscheint. Was sind wir Diener am Wort doch für unsachliche Leute! Dein Bruder Heiner wird seine philosophische Überlegenheit dieser theologischen Empfindsamkeit vorziehen und unsere Gebrechlichkeit in einer tiefliegenden systematischen Fehlerquelle begründet finden. — Es ereignen sich hier merkwürdig viel Sterbefälle, die mir allerlei Einsichten vermitteln. Dazu Weihnachtsbäume und -reden. Ich habe Spenglers «Untergang des Abendlandes»,1 zwei Bände Nietzsche und Wendlands «Hellenistisch-römische Kultur» 📖 geschenkt bekommen, also drei Bücher, die mit seltsam weiten Horizonten und kritischen Durchblicken das «Christentum» umstehen. Wir müssen uns bald wieder sehen.

In aller Eile
Eduard

Sachfußnoten

1
Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, Bd. 1: Gestalt und Wirklichkeit, 1918 (Band 2 erschien 1922). 📖 ↩