21. Januar 1920

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Hier die Dokumente zurück vermehrt um die «leisen, leichten Worte» Rosenstocks. Etwas seltsam Fremdes bleibt in all diesen Ergüssen, Erschließungen, Liebeserklärungen und Umarmungen — wie antwortest du jeweilen auf solche «leise, leichte» Worte?

Ich bin erst seit heute recht am Versuch, meinen Vortrag1 über den Sozialismus zustande zu kriegen. Wenns nur gelingt!

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Ich mußte zunächst noch ein wenig lesen und habe mich hinter die Rothe-Biographie von Hausrath2 gemacht. Sie ist nicht unergiebig. Über die «Kirche» ist Rothe jedenfalls hinausgekommen, um dann aber mit dem «Staate» eine seltsame und voreilige Ehe zu schließen. Weiter habe ich gleichfalls Overbeck3 erworben und in einem eintägigen Streifzug vorläufigen Besitz von ihm genommen. Wirklich gut!! Ich war erfreut von seinen Einsichten über die «Urgeschichte» und habe sofort einen Brief an Carl Albrecht Bernoulli4 geschrieben.

Es war sehr schön bei euch drüben!
Eduard

Sachfußnoten

1
E. Thurneysen, Sozialismus und Christentum, veröffentlicht in: ZZ Heft II, 1923 📖, wieder abgedruckt in: J. Moltmann (Hrsg.), Anfänge der dialektischen Theologie, Teil 2, München 1963, S. 221ff. 📖, und in: E. Thurneysen, Das Wort Gottes und die Kirche. Aufsätze und Vorträge, München 1971, S. 159ff. 📖 ↩
2
A. Hausrath, Richard Rothe und seine Freunde, 2 Bände, Berlin 1902/1906. 📖 ↩
3
Fr. Overbeck, Christentum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie, aus dem Nachlaß hrsg. von C. A. Bernoulli, Basel 1919. 📖 Neudruck Darmstadt 1963.↩
4
Carl Albrecht Bernoulli (1868–1937), Theologe und Publizist.↩