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17. Februar 1919
[…] Hier meine gestrige Predigt. Vielen Dank für die Deinige, die dem Volk jedenfalls faßlicher und nützlicher war als meine. Ich kam schließlich darauf, daß die Worte (in ihrer merkwürdigen Fülle des Ausdrucks, auf die auch die Synopse hinweist!) nach allen vier Himmelsrichtungen zugleich reden. So ist die Predigt eine Drehung um die Achse von 360 Grad geworden. Nelly beklagte, daß der Vortrag streng, gesetzlich und zürnend gewesen sei. Es ist ein Verhängnis, daß ich immer durch das Persönliche der Sache schaden muß.
Den «Neuen Freien Aargauer» zu abonnieren, rate ich dir nicht. […] Ich will dir gerne auf die Seite legen, was er Wesentliches bringt. Es ist wenig genug. Wenns einmal hoffnungslos klar werden sollte, daß ich als Pfarrer nur Verheerungen anrichte […], so wende ich mich doch noch der politischen Journalistik zu. […]
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1.Kor. 15 hellt sich langsam auf. Es ist aber eine mühsame Untersuchung, den schwierigsten Kapiteln des Römerbriefs vergleichbar, besonders auch weil aus dem Zusammenhang des Briefes so gar nichts Erhellendes zu entnehmen ist. Deutlich ists, daß die «Auferstehungsleugner» durchaus keine bösartigen Ketzer waren, sondern im Gegenteil sehr sympathische Normalchristen mit ragazischer Tinktur, […] die gegen den Transzendentalismus des Römerbriefstandpunktes allerlei wohlbegreifliche Einwendungen hatten, Vergebung der Sünden proklamierten ohne Heilsgeschichte, als abstrakte Religionswahrheit, Hoffnung auf das, was man sieht (Röm. 8,24) ἐν τῇ ξωῇ ταύτῃ
1.Kor. 15,19 = in diesem Aeon, ein Reich Gottes als Gipfel einer diesseitigen Entwicklung (1.Kor. 15,50–54) unter der Verdächtigung, die Anschauungsweise des Römerbriefs sei eben «nur» Paulinismus (1.Kor. 15,8–11). Paulus redet sehr geduldig mit ihnen, nennt sie ἀδελφοὶ ἀγαπητοί (v. 58), die Sache selbst aber in dürren Worten ἀγνωσία θεοῦ (v. 34). Die Methode der Belehrung ist auch hier die «Erinnerung» an die gemeinschaftlichen Voraussetzungen (bes. deutlich v. 12–19, 29–34), das Übrige ist Erläuterung dazu, Ausziehen der gegebenen Linien. Ich schreibe vorläufig an einem fortlaufenden Kommentärlein dazu, das ich dann vielleicht für die Pfärrer dramatisch bearbeite. Erstaunlich ists, wie wenig sich die Ausleger auch hier um die Ökonomie und innere Bewegung der Sache bemüht haben. Am besten sind wieder meine bewährten Freunde, Calvin, Bengel und Rieger, dazu ein wackerer Thurgauer Pfarrer, der spätere Marburger und Straßburger Professor Alfr. Krauß (1864!).1 Bousset2 sympathisiert offen mit den Gegnern des Paulus! Robertson3 ist eine edle aber schwankende Gestalt, hat das Kapitel sicher nicht begriffen. Aber ich auch noch nicht recht! Lietzmanns Pauluserklärung
📖 habe ich nun zu eigen erworben. Satis.
Mit herzlichem Gruß an euch alle drei
Die Apostelgeschichte ist ein vorzügliches Bilderbuch Gottes. Wir beschauen es in kleinem, aber beharrlichem Kreise.