313
1. Februar 1919
Ich freue mich zuviel an der Stille dieser Aargauer Jahre, als daß ich sie durch den Betrieb einer Redaktion unterbrechen möchte. Wiedereinmal war ich in Zürich und habe dort einen Vortrag gehalten unter stärkstem Protest einer Schar christlicher Jünglinge älterer Jahrgänge und lebhaftem Beifall einiger christlicher Grünhörner. Zur Erklärung dieser Situation diente die Mit|314teilung, der Evangelist Binder sei soeben sechs Tage lang dagewesen und habe den CVJM stark gemacht und vor allem die «Lust am Zeugnis» so geweckt, daß ein einmütiges Maschinengewehrfeuer von Bibelsprüchen und Zeugnissen mich empfing, dem dann allerdings einige Salven blinder Begeisterung für mich antworteten. Ich konnte die Sache von der lustigen Seite nehmen, wenn mich auch Israels Verstockung ärgerte und betrübte.
Ich war bei Kutter und zwar sehr ausgiebig und habe schöne und stärkende Reden von ihm entgegengenommen. Er redete auch sehr freundlich und zustimmend vom Römerbrief
📖, schloß freilich auch die Aufforderung an, nun wirklich von daher zu leben und zu reden, welches eine Verheißung habe. Im Übrigen läßt sich bereits eine Römerbriefgemeinde in Zürich konstatieren. Was willst du mehr? Sogar dein Zahnarzt erkundigte sich nach der Seitenzahl deines Buches, um es evtl. anzuschaffen; jedenfalls hat er ein heftiges Verlangen, dich wieder zu plombieren. […]
Herzlich