13. Januar 1919

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Fürs nächste Kränzli überlege ich mir die Frage, wie im N. T. der Kampf geführt wird gegen innen und außen. Ich denke ich gehe aus vom Bußruf und entfalte von daher den Gegensatz gegen Welt und Synagoge und würde dann die Auseinandersetzung wegen des Sabbaths und die Spannungen im Jüngerkreis Jesu klarzulegen suchen.

Wie gehts auf eurer Seite? Bei uns heulen die Sturmglocken immer weiter gegen die Bolschewikipfaffen. Ich hatte Auseinandersetzungen, die von Drohungen gegen mich begleitet waren, und die nun endlich aus der Druckerei kommende Predigt wird auch nicht gerade sänftigend wirken. Der Volksmund sagt von Gemeinde zu Gemeinde: «Mer händ au so-ne Chaib»,1 wie mir freundlichst mitgeteilt wurde. Die Gründung von Bürgergarden schreitet munter fort. Ich habe die Gnade, mich nicht zu sehr aufregen zu müssen, aber das alles gibt einem zu denken.

Herzlich
Eduard

Sachfußnoten

1
= Wir haben auch so ein Luder.↩