26. April 1918

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Wann sehen wir uns wieder? Am besten geschähe das wohl im Aargau, wenn du aus Zürich zurückgekehrt bist. […] Ich war in Basel. […] Als ich Wernle besuchte, kam es zu einem Zornausbruch auf seiner Seite. Deine Absage an die Predigerversammlung hat böses Blut gemacht. Wir seien hochmütig, respektlos, sektiererisch, und ich sei von dir abhängig!! Wernle hat seine Vorwürfe bei einem nochmaligen Zusammentreffen zurückgenommen und versichert, er schätze unsre Arbeit, und er ließ dich ausdrücklich grüßen. Auch Eberhard Vischer1 hatte für unser Predigtbüchlein 📖 nicht viel übrig. […] Ich habe weiter einen Vortrag gehört von Natorp aus Marburg über Pestalozzi. Er bot ein kleines Kompendium der idealistischen Philosophie. An allen Höhepunkten tauchte immer wieder als letzter Begriff das Wort «Gott» auf, und man sah Natorp in edelstem Bemühen darnach greifen. Leider war der ganze Vortrag schließlich trotz allem idealistischem Ethos vollständig unter dem Bann des deutschen Machtdenkens. Er stellte einen Propagandavortrag im neutralen Ausland dar. — Von Frauenfeld ist zunächst keine Rede.

Ich bin daran, eine meiner Osterpredigten druckfertig zu machen. Gleichzeitig soll nun endlich ein kleines Flugblatt erscheinen, das meine Stellung als Steuerkommissar in meiner Gemeinde erläutert. Ich freue mich über den Fortschritt deiner Römerbriefforschung 📖. Gewiß wirst du mir bald weitere Abschnitte daraus vorlesen. Über die Wiederwahl von Peter in Laupen freuen wir uns.

Herzlich
dein
Eduard

Sachfußnoten

1
Eberhard Vischer (1865–1946), Prof. für Kirchengeschichte in Basel.↩