1. November 1917

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Was soll ich nun sagen? Ich habe jetzt kaum Zeit, den Vortrag abzuschreiben; denn ich bin im Gedränge mit meinen Zurüstungen auf Röm. 6-8 📖, die bis zum 11. in Blei sein sollten. Ferner fragt es sich, ob jener Vortrag nicht auch etwas den Charakter einer Menschenfalle hat, den du meinen Produkten einmal nachgerühmt hast. Hältst du ihn für recht? Gegen das einfache Fallenlassen scheint mir nämlich zu sprechen, daß Bäschlin gerade auf die Vorträge besonderes Gewicht legte [und] daß ein zweiter theoretischer Eckpfeiler gegen die Welt hinaus mir irgendwie erforderlich scheint. […]

Hier ist allerlei vorgegangen. Gemeinderatswahl mit sozialistischem Sieg, für den nun die Andern direkt und indirekt mich verantwortlich machen. Gestern dreistündiges Gespräch mit dem Kirchenpflegspräsidenten. Abends hielt ich in ganz kleinem Kreis ein Vorträglein (also doch!) über die 95 Thesen 📖, nachher war Kirchenpflegssitzung mit bösen Gesichtern. Du solltest wirklich einmal hier ein paar Jahre lang Boller Gnade predigen, damit nach all den vorreformatorischen Stößen, die sie erleiden müssen, endlich einmal das Licht des Evangeliums über den Safenwilem aufgeht.

Mit herzlichem Gruß, prestissimo
Dein
Karl B.

Mit Lejeune ist nun auch noch ein Kant-Abend eingerichtet, der heute zum erstenmal steigen soll: «Prolegomena 📖» erklärt von K. B., auch gut!